Frieden und Krieg

Dienstag, 19.07 2011. In ganz NRW heulen die Sirenen. Tausende strömen auf die Straßen und liegen sich weinend in den Armen. Fast vierzig Jahre Schulkrieg sind zu Ende, es herrscht endlich Schulfrieden im Lande! Wo immer man hinschaut, kriechen aus den Trümmern der zerbombten Schulen Schüler und Lehrer ans Tageslicht. Vierzig Jahre haben sie in unterirdischen Klassenzimmern den feindlichen Angriffen der Politeska standgehalten und Unterricht gemacht. Eine Lehrerin – sie muss die tränengefüllten Augen vor der Sonne zusammenkneifen – spricht für tausende anderer Lehrer: „Die Diktatur des schulpolitischen Blablah ist tot! Es lebe die pädagogische Vernunft!“ Hannelore Kraft, wie immer volksnah am Tresen der kleinen Eckkneipe stehend, strahlt: „Dieser Frieden ist der beste Beweis, dass es ihn gibt!“ Die Frage, wer genau mit „ihn“ gemeint ist, kann sie nicht mehr beantworten: Sie stürzt beim Versuch den Barhocker zu besteigen ab. Ein herbeigerufener Arzt stellt die Diagnose: volltrunken vor Glück! CDU-Landeschef Röttgen strahlt gleichfalls und erklärt: „Für die CDU stand die 100jährige Laufzeitverlängerung der Hauptschule unerschütterlich fest. In dieser Zeit wollten wir eine bessere Schule aufbauen, eine, die nur mit sekundaren Lehrern und Schülern auskommt. Die Katastrophe in Japan hat uns jedoch zum Umdenken bewegt und deshalb sind wir mit der sofortigen Abschaltung der Hauptschule zugunsten einer Sekundarschule einverstanden!“
Sylvia Löhrmann, aktuelle Schulministerin mit grünem Lebenslauf, pflichtet dem bei und kann  vor Begeisterung gar nicht mehr aufhören zu reden. „Wir müssen die Schulen jetzt vollkommen neu aufbauen“, redet sie. „Wir suchen deshalb Trümmerschüler und Trümmerschülerinnen sowie Trümmerlehrer und Trümmerlehrerinnen. Selbstverständlich sind auch Trümmermütter und Trümmerväter willkommen. Die neue Schule soll grün werden, aber auch rot und schwarz und gelb sind willkommene Farben. Die neue Schule soll alle Schüler glücklich machen. Die Schülerinnen natürlich auch. Und die Lehrer und Lehrerinnen. Und auch die Schülermütter und Schülerväter sowie Schülerinnenmütter und Schülerinnenväter! Und alle sollen sich singend und hüpfend an den Händen fassen, besonders die Kommunen, die sich jetzt eigene Schulen basteln können. Und dann wollen wir noch …“
Halt! Dies ist nur ein Traum!
Die Realität sieht anders aus. Der Schulfrieden ist nicht für die Ewigkeit, sondern nur für die nächsten 12 Jahre geschlossen worden! In diesen 12 Jahren wird sich die Politeska für den danach geplanten neuen Schulkrieg bis an die Zähne neu bewaffnen. Und zwar zunächst mit Experten, die Tonnen von Expertisen darüber anfertigen werden, welche Kompetenzen Schule eigentlich vermitteln muss, damit am Ende genug Experten vorhanden sind. Die geistige Niveaulosigkeit dieser Expertisen wird beim Ausbruch des neuen Schulkriegs die Pädagogik an den Schulen derart kontaminieren, dass man sie nirgends mehr wird endlagern können, noch nicht einmal in Fukushima. Rekrutieren wird man für den neuen Krieg auch weitere Scharen mittelmäßiger Juristen. Diese werden, so wie sie es jetzt schon tun, die Kampfmitteldepots mit tausenden von neuen Erlassen auffüllen. Ihr jedes spontane und kreative Handeln tötende Nervengift, das sich speist aus der verhängnisvollen Kombination von geistiger Leere und Aufgeilung an sprachlicher Verquastheit, wird den Gedanken der Erziehung an den Schulen sekundenschnell umbringen. Übrig bleiben wird am Ende eine Erkenntnis. Es wird nur keinen mehr geben, der fähig sein wird zu erkennen, dass sie eine ist. Also wird man beschließen, eine neue Schule zu …
Halt! Dies ist doch nur ein Albtraum.
Hoffentlich!

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Zum Brüllen witzig

Am Sonntag, 03.07.2011, hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auf der ersten Seite folgenden Brief von Hauptschülern an Ministerin Schavan veröffenticht:

„Liebe Frau Minister Schavan,
wir sind die Klasse 8b der Luise-Rinser-Hauptschule. Unser Lehrer Herr Dollmann hat uns in Deutsch aus der Zeitung vorgelesen. Dort steht, Deine CDU will die Hauptschule abschaffen. Was haben wir gejubelt. Bloß noch Ferien! Herr Dollmann hat gesagt, nein, nein, wir müssen dafür dann eben in eine andere Schule gehen. Das stimmt doch nicht, oder?
Deswegen schreiben wir Dir jetzt diese Postkarte. Übrigens, falls da Fehler drinstehen, dann ist der Ergün daran schuld. Was wir alle meinen, muss der nämlich aufschreiben. Der Justin, die Pascale und die anderen Deutschen sind ja noch schlechter im Diktat.
Jedenfalls. Herr Dollmann sagt, das mit der Abschaffung ist, weil man untersucht hat, dass 20 Prozent der Schüler nicht richtig lesen und schreiben können. Ha, da haben wir ihn aber ausgelacht. 20 Prozent! Wir sind doch überhaupt nur 14 in unserer Klasse.
Wenn wir aber wirklich in eine andere Schule kommen, dann klingt ‚Oberschule‘ doof, finden wir. Kann man nicht unsere neue Schule ‚Gymnasium‘ nennen und das Gymnasium dann anders?
So oder so, in die Schule gehen ist schwer. Herr Dollmann sagt immer, nicht für die Schule, sondern fürs Leben leben wir, oder so ähnlich. Aber der Dennis erzählt, seine Mutter sagt immer, hier sind 10 Euro, lass mich in Ruh‘. Frau Minister, wer hat da recht?
Mit vielen Grüßen, auch an den Daniel Bahr, weil die Alisa den so ‚dreamy‘ findet. Deine 8b“

Zu diesem Brief ist Dreierlei zu bemerken:

1. Er ist nicht wirklich von Hauptschülern verfasst, sondern von einem Journalisten mit dem Kürzel „bpe“. Der Brief ist deshalb unheimlich witzig.
2.
Die drei Grundaussagen des Briefes lauten: 1. Hauptschüler sind dumm. 2. Türken können am schlechtesten Deutsch 3. Eltern von Hauptschülern sind asozial.
3. Die im Brief angesprochenen (Rechtschreib)-Fehler hat leider die automatische Rechtschreibprüfung der FAZ korrigiert, sonst wäre der Brief zum Brüllen witzig geworden.

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Wie geht guter Unterricht?

Wer selbst Kinder hat, merkt es schnell – bis zur vierten Klasse lernen sie meist gerne. Erst nach dem Wechsel in eine weiterführende Schule ändert sich das. Ulmer Gehirnforscher sind nun dem Phänomen nachgegangen und haben zum Beispiel herausgefunden, dass das alte Sprichwort: „Sich regen bringt Segen“ immer noch gilt.Den ganzen Artikel kann man unter anderem bei Focus-Online nachlesen.Zum Artikel …

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Vom schwarzen Loch zum grünen Saftladen?

Nach den neuesten Abi-Pannen in Mathematik formuliert sich die obige Überschrift fast von selbst. Sozusagen als Ergebnis einer Steilvorlage. Hatte nämlich das Schulministerium unter Barbara Sommer gleich einem schwarzen Loch vieles in sich reingesaugt, was bis dahin zuverlässig funktioniert hatte, und dafür dann Erlasse in die Schulgalaxie geschleudert, die katastrophal schlecht waren (man erinnere sich nur an das mündliche Abitur, das über eine Woche dauerte, weil dafür kein Montag mehr unterrichtsfrei gemacht werden durfte), so scheint jetzt unter der Sylvia Löhrmann eine lustige Truppe von Grünlingen einen Laden aufgemacht zu haben, der mal funktioniert und mal eben nicht.
Doch gemach!
Sowohl eine Barbara Sommer, die erst als Schulministerin richtig sprechen lernen durfte, wie auch eine Sylvia Löhrmann, die das schon vorher halbwegs konnte, müssen sich auf die Experten im Hause verlassen dürfen.
Diese aber haben versagt. Gleich mehrfach hintereinander.
Wie so etwas möglich ist?
Es ist ganz einfach möglich, man muss sich nur einmal anschauen, wie man Experte im Schulministerium wird. Der gängigste Weg dürfte der sein, dass der künftige Experte im Studium ein Lehramt anstrebt. Hat er dann dieses übernommen, stellt er meistens recht schnell fest, dass er dafür ungeeignet ist. Er kann die Schüler nicht motivieren, diese wiederum lassen ihn nicht zu Wort kommen. Kurzum – er hat seinen Beruf ziemlich gründlich verfehlt. Aus dieser Falle gibt es nun zwei Auswege. Der eine heißt, den Job so lange machen, bis man im Burnout-Effekt verbrennt. Der andere heißt – Karriere im Schulsystem machen. Über zum Beispiel die Aufgaben eines Fachleiters geht es dann immer weiter die Karrieresprossen hinauf, immer näher an die Ministerin (oder den Minister) heran, bis man sich so weit von der Schule entfernt hat, dass man sie nicht mehr sieht. Nun hat man das Beste aus seiner Unfähigkeit gemacht und ist Experte geworden. Und könnte sich nun ein schönes Leben machen, wenn, ja, wenn es nicht immer wieder dieses blöde Mathe-Abi gäbe, wo dann die eigenen Rechenkünste kläglich versagen (und die des nächsten Experten natürlich auch).
Für die Schulen sind diese Experten übrigens ein Segen. Man stelle sich vor, sie wären Lehrer geblieben.
Übrigens gibt es ein afrikanisches Sprichwort das besagt: Je höher der Affe auf den Baum klettert, desto besser sieht man seinen nackten Hintern! Na, wenn das mal keine gute Expertise ist!

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Schnell nachgeschlagen

Ein Friedensnobelpreisträger erteilt den Befehl, einen Menschen zu töten und schaut sich das Ganze auch noch per Videoübertragung an. Die Vorsitzende einer christlichen Partei und Kanzlerin eines Rechtsstaats sagt vor laufenden Kameras, sie freue sich, dass ein Mensch getötet wurde.
Ist das nun zum Weinen oder zum Totlachen, oder zum Todlachen, oder zum Tod-Lachen?
Wie es richtig ist, sagt uns seit Neuestem der Duden Online. Ja, Duden hat tatsächlich den ganzen Duden online gestellt, mit allen Erklärungen, genauso wie im Papier-Duden. Besser noch: Schreibt man ein Wort falsch, gibt der Duden Online trotzdem eine richtige Antwort.
Wer gleich ausprobieren möchte, kann es hier tun!

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WAZ – unabhängig, überparteilich?

Eigentlich weiß es jeder – das von der WAZ 1997 angeschobene Projekt ZEUS, an dem inzwischen eine Million Schüler teilgenommen haben, ist nur sekundär darum bemüht, die Lesekompetenz oder Schreibfreude von Kindern zu fördern.  Primär dient diese Aktion als Bremse des rasanten Abonnentenschwunds, unter dem alle Zeitungen zu leiden haben. Weniger Abonnenten bedeutet aber weniger Einnahmen bei der Werbung. Im Jahr 2000 haben z.B. die Zeitungen 65 Prozent der Einnahmen über Werbung erzielt, 2008 nur noch 51 Prozent. 2009 sind die Werbeeinnahmen der Zeitungen um 15,5 Prozent geschrumpft.
Die WAZ scheint aus dieser Misere nebst ZEUS noch einen anderen Ausweg gefunden zu haben. Trotz des groß auf Seite 1 gedruckten UNABHÄNGIG, ÜBERPARTEILICH, hat sie keine Probleme damit, in ihren redaktionellen Texten unauffällig Werbung für diverse Produkte zu platzieren. Aufwendig recherchiert hat die Käuflichkeit verschiedener Zeitungen Sebastian Heiser, ein Redakteur der TAZ. Es lohnt sich, das Ergebnis seiner Recherche einmal zu lesen.
Hier geht es zu Heisers Rechercheblog!

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Lernstandserhebung, oder: Hauptsache Test

   Auf gings diese Tage zum sechsten Mal in Folge zur fröhlichen Erhebung des Lernstandes u. a. im Fach Deutsch. Geschockt von den Ergebnissen der ersten Pisastudie hatte sich im Jahre 2005 das Schulministerium vorgenommen, die Schüler der 8. Klassen so lange in Deutsch, Mathe und Englisch zu testen, bis die Testergebnisse besser wurden. Unter, wie es scheint, Zuhilfenahme des Rateteams aus der Sendung „Wer wird Millionär“ ging man nun im Fach Deutsch daran, den Schülern Fragen zu einem gelesenen Text zu stellen, zu denen es dann vier Antworten gab, wovon die einzige richtige anzukreuzen war. Da in unserem auf Textanalyse fokussierten Deutschunterricht solche Ankreuzspielchen nicht vorkommen, fielen die Ergebnisse dieses ersten Tests auch nicht sonderlich gut aus. So hatten z. B. viele Schüler zu Recht geglaubt, es könne von den vier Antworten mehr als eine richtig sein, waren sie es doch von ihren Deutschlehrern und -innen gewohnt, keine enge Fragen, sondern weiterführende und zum Nachdenken anregende gestellt zu bekommen.
   Nach dieser ersten Erhebung des Schulpolit-Standes gegen das selbstbestimmte, differenzierte und analytisch ausgerichtete Lernen begriffen die Schulen, worum es eigentlich geht und trimmten die Kinder auf die entsprechende Taktik. Prompt ging dann auch der Ruf durch das NRW-Land, die Lesefähigkeit der Kinder habe sich erkennbar gebessert. Einfach so und praktisch von einem Schuljahr auf das andere.
   Inzwischen sind die Erhebung zu einer lieben Gewohnheit geworden, die keiner mehr missen möchte. Einmal, weil man die Ergebnisse auf einer Homepage veröffentlichen und so zeigen kann, dass man schon wieder besser geworden ist, oder noch besser: dass man wie üblich Spitze ist. Darüber hinaus haben, zumindest im Fach Deutsch, die Erhebungen einen ziemlich hohen Unterhaltungswert und tragen zu einer netten Schulatmosphäre bei. So wurden z. B. die Kinder in der Erhebung 2007 aufgefordert, alles sehr aufmerksam zu lesen, um keine Fehler zu machen, anschließend lasen sie fett gedruckt, sie hätten 90 Stunden Zeit, die Aufgaben zu lösen. Oder die Vierzehnjährigen durften sich mal in die Welt einer 45jährigen Alkoholikerin versetzen, die ihre Tage am liebsten unter saufenden Männern in ihrer Stammtischkneipe verbringt. Oder sie durften, wie bei der letzten Erhebung, 40 Minuten lang einer CD lauschen. Da hörten sie dann einen Text, zu dem sie in genau abgemessenen Pausen das übliche „Wer-wird-Millionär-Ankreuzspielchen“ machen mussten. Derweilen grübelten die Deutschlehrer und -innen, warum man ihnen in der Ausbildung eingehämmert hat, der 40minütige Lehrervortrag habe ausgedient, da kein Schüler dabei etwas lerne.
   In der aktuellen Lernstandserhebung ging es besonders lustig zu. Hier lasen z. B. die Schüler in einem Text über Fotografie, dass „es dem Franzosen Louis Jacques Dauguerre (…) gelang, ein Bild auf einer mit Silber beschichteten Kupferplatte festzuhalten.“ Eine der Fragen zum Text lautete dann: „Wieso hieß die Erfindung ‚Dauguerrotypie‘?“ Unter der Annahme, dass man sie wie bei der 64000-Euro-Frage hinters Licht führen will, suchten die Schüler vergeblich in dem Text nach der Antwort, was eine „Typie“ ist. Erst die Anweisung des Lehrers: „Denkt hier mal so einfach wie nur möglich!“ brachte sie auf die erwartete Antwort: „Weil sie ein Mann namens Dauguerre erfunden hat.“
   Darüber hinaus durften in dieser Erhebung Schüler ein bisschen Mathe machen, indem sie zwei Zahlen in einer Statistik addierten. Am lustigsten ging es aber da zu, wo sie zeigen konnten, dass sie echte Indianer sind. Sie mussten sich nämlich ganz genau acht sehr alte Fotografien ansehen, auf denen ein galoppierendes Pferd zu war. Anschließend mussten sie angeben, auf welchen zwei Fotografien zu sehen ist, dass das Pferd „fliegt“, also mit keinem Hufen den Boden berührt.
  Wenn sich nun in diesem Blog ein Uneingeweihter verirrt hat und sich ernsthaft fragt, was das Ganze zur Verbesserung des Deutschunterrichts beitragen soll, so muss der Verfasser mit den Schultern zucken. Ein einziges Mal erhielten bisher Schüler einen Auswertungsbogen, in dem sie etwas über ihre Lesestärken und -schwächen mitgeteilt bekamen. Da diese Auswertung aber erst Monate nach dem Test erstellt wurde, interessierte sie niemanden mehr. Welche Lesetypen es gibt, beantworten die Erhebungen nicht. Sie beantworten auch nicht, welche Situationen dem Lesen zu- oder abträglich sind. Oder wie sich das genießende Lesen einer spannenden Abenteuergeschichte von dem analytischen Lesen eines Textes unterscheidet. Oder auf welche Art soziokulturelle Bedingungen die Lesefähigkeit beeinflussen. Kurzum der diagnostische Wert dieser Erhebungen liegt bei glatt Null, da er zu indifferent ist. Indifferent deshalb, weil er die gesamte Lese-Vita des Achtklässlers „austestet“ und z. B. die Fachkonferenz Deutsch eines Gymnasiums absolut nicht feststellen kann, welche tieferen und zeitlich weit zurückliegenden Ursachen eine eventuelle Leseschwäche hat. Dementsprechend ist seit 2005 auch nichts passiert und es wird auch zukünftig nichts passieren, was irgendwelche Auswirkungen auf die Methoden des Deutschunterrichts hätte. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens der Spaßfaktor erhalten bleibt.

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Von schönen Scheinwerfern

Ein Scheinwerfer geht aus – das Theaterpublikum trauert. Ja, mit so viel schönem Schein hat selten jemand um sich geworfen wie der gutte Baron: Mitarbeit bei namhaften Zeitschriften, Prädikatsexamen, Doktortitel! Und dann noch: Authentizität, Ehrlichkeit, Tatkraft, als wärs aus einem der zahlreichen Hedwig Courths-Mahler Romane. Nun auf einmal ist der schöne Schein aus. Bei Tageslicht wird klar: alles nur Lug und Trug. Das Theaterpublikum muss aufstehen und nach Hause gehen. Wo alles so trist ist. Wie fürchterlich …
Kanzlerin Merkel hat sich übrigens schärfstens gegen die Kritik der anderen Parteien verwahrt. Keiner habe, sagte sie in die Mikrophone und bei tosendem Applaus der CDU-Freunde, ihr zu erzählen, was Anstand und was Ehre seien! Nicht Gysi, nicht Trittin und schon gar nicht Sigmar Gabriel! Da muss man ihr ausnahmsweise mal Recht geben. Denn kein Politiker, der irgendwann und vor allem irgendwie zu einem sogenannten politischen Entscheidungsträger geworden ist, kann irgendjemandem anderen etwas über Anstand und Ehre erzählen. Schon eher was darüber, wie man zu einem geschmierten Lappen oder noch einfacher zu einem Schmierlappen wird. Machen wir uns nichts vor – nur in unseren Schulen wird noch der Versuch unternommen, aus Kindern anständige und ehrliche Menschen zu machen. Und rücksichtsvolle. Und hilfsbereite. Und glückliche. Ob wir als Lehrer vielleicht auch nur dem schönen Schein hinterherträumen? Na klar doch! Ein helles Licht am Horiznont braucht jeder!

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Zur Etymologie der Wörter Lumpen und Lump und noch etwas über die Lumpensammlerin

Lumpen m. (< 15. Jh.). Fnhd. lumpe. mit Vokalvariation zu mhd. lampen ’schlaff hunterhängen‘. Weitere Herkunft unklar. Adjektive: lumpig, zerlumpt.
Lump m. stil.(< 17. Jh.). Das Wort hat sich von dem ursprungsgleichen Lumpen sekundär differnziert. Bedeutungsübertragungen (wie etwa auch bei Waschlappen) im Sinn von ‚zerlumpter Mensch‘, aber auch ’schlaffer Mensch, Weichling‘. Sich nicht lumpen lassen gehört zu lumpen swV. ‚jmd. einen Lump schelten‘. (Beide Erklärungen aus: Kluge, Etymologisches Wörter der deutschen Sprache, Berlin, 1999, S. 528 und 529)
Worauf Kluge bei „jmd. einen Lump schelten“ nicht weiter eingeht, ist, dass mit „Lump“ hier ein unehrlicher Mensch bezeichnet wird, der auf Kosten anderer lebt und das auch noch gut findet. Also z.B. unser Baron zu Guttenberg.
Eine Lumpensammlerin war früher eine arme Frau, die ihrer Armut dadurch zu entgehen versuchte, indem sie verbrauchte Stoffe aufsammelte und – um es mal modern zu sagen – der Wiederverwendung zuführte. Trotz ihrer niedrigen gesellschaftlichen Stellung als Abfallsammlerin wurde die moralische Integrität dieser Frau nie angezweifelt. Das hat sich Dank Bundeskanzerlin Merkel diese Tage geändert.

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Löhrmann erhöht per Erlass Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer an Ganztagsschulen

Mit dem Runderlass vom 23.12.2010, Abs. 4.1. ordnet Ministerin Löhrmann an: „Schülerinnen und Schüler der Primarstufe und der Klassen 5 und 6 der Sekundarstufe I dürfen auch bei unvorhersehbarem Unterrichtsausfall grundsätzlich nur zu den im Stundenplan vorgesehenen Zeiten nach Hause entlassen werden.“
Dieser aus Sicht von Eltern begrüßenswerte Schritt, ermöglicht er ihnen doch eine 100prozentige Planungssicherheit, besonders wenn sie berufstätig sind, bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen nichts anderes als eine Arbeitszeiterhöhung per Erlass. In der Praxis müssen nämlich ab sofort alle Ganztagsschulen, die eh schon aufgrund fehlender Lehrer arg gebeutelt sind, eine permanente Vertretungsbereitschaft für den Nachmittagsunterricht einrichten. Das geschieht, indem Kolleginnen und Kollegen schlicht und einfach verpflichtet werden, sich an bestimmten Nachmittagen nichts vorzunehmen. Erkrankt dann jemand, müssen sie für diesen einspringen und ihn in der 8. und 9. Stunde vertreten. Bezahlt werden diese Überstunden selbstverständlich nicht, da hier die Regelungen greift, dass im Monat 3 unbezahlte zusätzliche Unterrichtsstunden nach Bedarf geleistet werden müssen. Entsprechende Computerprogramme in der Verwaltung sorgen zuverlässig dafür, dass keine Kollegin und kein Kollege diese 3 Zusatzstunden überschreitet. Geschieht es doch einmal, dann greift wiederum die Regelung der sogenannten „mehrarbeitsschädlichen Stunden“. Diese entstehen, wenn man unterrichten möchte, es aber nicht darf, weil in einer Klasse z.B. eine Lernstandserhebung in einem anderen Fach stattfindet. Über den parasitären Charakter dieser Stunden kann man mehr hier unten im Blog unter „Zum guten Schluss: Du sollst nicht stehlen!“ nachlesen.
Neben dieser klaren Ausbeutung der Lehrerinnen und Lehrer fällt mal wieder die komplette Konzeptionslosigkeit der Maßnahme auf. Es ist ja völlig klar, dass erkrankte Kolleginnen und Kollegen in den seltesten Fällen eine fach-kundige Vertretungs bekommen werden, will heißen: für eine zu vertretende Doppelstunde Chemie wird sich selten ein Chemiker finden (es sei denn, man verdonnert das gesamte Kollegium zur Vertretungsbereitschaft). In diesem Fall – und so werden fast alle Fälle aussehen – werden die Kinder lediglich irgendwie beschäftigt, Hauptsache die Zeit geht rum.
Fazit: Die CDU/FDP-Regierung hat es seinerzeit geschafft, aus der guten Idee einer Ganztagsschule eine Schule mit einem miserablen Mittagessen und anschließendem Stresspauken zur Bewältigung des gewaltigen Abi-Stoffs zu machen. Die SPD/Grüne-Regierung entwickelt diesen Fehlansatz nun munter weiter zu einer bloßen Verwahranstalt von Kindern.

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Unglaublich, aber wahr!

Auf die Frage der Süddeutschen Zeitung, wie sich Finnlands erfolgreiche Schulpolitik von den anderen Ländern unterscheide, antwortete die finnische Schulministerin Virkkunen:
„Wir haben einen breiten Konsens zwischen den Parteien, wenn es um die Bildung geht. Kleinere Unterschiede gibt es natürlich, aber im Wesentlichen sind wir uns einig. In anderen Ländern kann man manchmal beobachten, dass bei jedem Regierungswechsel versucht wird, das System umzukrempeln. Bei uns ist das nicht so. Darum bleibt den Lehrern ausreichend Zeit für ihre eigentliche Arbeit, weil sie sich nicht ständig mit Reformen befassen müssen.“
Das komplette, sehr interessante Interview kann man hier nachlesen.

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Weihnachten 2010

Der Schulblog wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr 2011.
Und hier gibt es noch einen lesenswerten Brief an einen Deutschlehrer!

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Deutschunterricht besser ohne Pisa

Seit dem 8.12. 2010 wissen wir mal wieder genau, wie Deutschland bei der neuesten Pisastudie abgeschnitten hat. In naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik sind wir näher an die Spitze herangerückt (Platz 10 bzw 9), in der Lesekompetenz dagegen haben wir uns nur ein wenig verbessert, aber immerhin.
Warum wir immer noch Mittelmaß sind, wird einhellig damit begründet, dass die Lesefähigkeit in sogenannten bildungsfernen Familien oder bei Familien mit Migrationshintergrund nicht zureichend gefördert wird.
Was aber ist mit den Fünfzehnjährigen, die aus bildungsnahen Familien kommen? Warum zum Beispiel schlagen sich Gymnasiasten nicht erheblich besser als der Durchschnitt? Laut einem Bericht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels haben die Kinder- und Jugendbuchverlage in Deutschland 2009 72,3 Millionen Bücher verkauft. Weiter heißt es: „Die Anzahl der Kinder- und Jugendbuchkäufer ist leicht angewachsen auf 14,1 Millionen in 2009, sie kaufen jährlich durchschnittlich 5,1 Kinder- oder Jugendbücher und geben dafür etwa 42 Euro aus.“
Die Zahlen besagen doch letztendlich, dass zumindest in den bildungsnahen Familien viel gelesen wird, in manchen wohl sehr viel. Wie verträgt sich dann aber die Lesekompetenz des so viel lesenden Jugendlichen mit den mittelmäßigen Ergebnissen des Pisatests?
Sie verträgt sich damit insofern, als der Deutschunterricht diesen Leser nicht auf die Tests vorbereitet, die ihm bei der Pisastudie vorgesetzt werden.
Jeder, der in NRW mit seinen achten Klassen an den Lernstandserhebungen Deutsch teilgenommen hat, weiß inzwischen, wie man es schafft, eine Klasse beim Test der Lesekompetenzen gut aussehen zu lassen. Zunächst muss man die Schüler darauf trimmen, bei den nach „Wer-wird-Millionär“-Manier gebotenen vier Antworten zu einer Textfrage genau hinzuschauen. Wer die Lernstandserhebungen ausgewertet hat, wird schon öfter den Kopf darüber geschüttelt haben, dass sehr gute Schüler beim Ankreuzen der richtigen Antwort auf eine läppische Frage schwer daneben gehauen haben. Einfach so. Nicht richtig hingeschaut, über die Witzigkeit – oder leider noch öfter: Dämlichkeit – der Antworten gelacht, vom Nachbarn abgelenkt worden: Gründe, die ein solches Versagen erklären, gibt es jede Menge. Also heißt es hier: Konzentration und ernst bleiben, auch wenn es schwer fällt. Bei Aufgaben, bei denen Schüler ihre Meinung zu einem Problem (z.B. aus dem Text ersichtliche Gründe für das Handeln einer Person) aufschreiben sollen, genügt der Tipp, möglichst mehrere Sätze zu schreiben. Das reicht dann bei der Auswertung meistens schon für Pluspunkte wegen größerer Ausdifferenzierung. Übt man auch die anderen Aufgabenarten (z.B. Zuordnen verschiedener Aussagen zueiander, Nummerierung von Aussagen nach ihrem Vorkommen in Texten u.ä.) vorher zureichend, sind die Ergebnisse anschließend gut bis sehr gut.
Mit dem Deutschunterricht, wie er im Idealfall stattfinden sollte, haben solche Tests nichts zu tun. Der Schüler wird nicht aufgefordert, eigene Positionen gegenüber einem Text zu definieren, er setzt sich keine eigenen Analyseziele, er deutet keine sprachlichen Besonderheiten, die ihm wichtig erscheinen und das Allerwichtigste: er geht nicht systematisch an die Erschließung eines Textes heran. Stattdessen darf er in einem solchen Test immer unter Zeitdruck bereits von anderen Vorgedachtes richtig oder falsch ankreuzen. Was ihm am Ende dann bescheinigt wird, hat wenig mit seiner Lesefähigkeit zu tun, sondern mehr mit seiner allgemeinen Intelligenz und seiner Fähigkeit, solche Tests zu durchschauen und zu bewältigen (in einem Land wie Südkorea hängt das schulische Überleben von der Fähigkeit, solche Tests zu bestehen, wesentlich ab; wegen des permanent stattfindenden Drills in Nachhilfestunden können die Schüler dann auch „unheimlich“ gut lesen).
Also – investieren wir lieber alle Mittel und alle Zeit in die frühkindliche Leseförderung (hier vordringlich Ausbau der Stadtbüchereien und nicht Schließungen derselben!!!) und in einen guten Deutschunterricht.
Zum guten Schluss: Bei der diesjährigen Pisa-Studie hat Österreich erheblich schlechter abgeschnitten als in den vorhergegangenen Studien. Als Grund für den „Einbruch“ der Lesefähigkeit haben die österreichischen Lehrer angegeben, dass die Schüler massenhaft keine Lust auf die Studie hatten und sie nicht ernst genommen haben.

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Von der Qualitätskontrolle zur fetten Pommes

Das dürfte noch in guter Erinnerung sein: Mit großen Tamtam startete die damalige Schulministerin Barbara Sommer im Jahr 2006 die Qualitätsanalyse an den Schulen. Schulinspektoren, bewaffnet mit Laptops, bzw. den darauf befindlichen Analyseprogrammen, fielen in die Schulen ein und verwahrten sich erst einmal unisono gegen das Wort „Kontrolle“. Nein, Kontrolle sollte die Schulinspektion nicht sein, vielmehr Hilfe zur Qualitätssteigerung durch Evaluation. Was folgte, waren stundenlange Konferenzen, in denen die Inspektoren der gesamten Schulgemeinde klarmachten, was sie eigentlich wollen und was nicht. Dann ging’s los: Schülerlotsen lotsten nach einem ausgeklügelten Plan die Inspektoren in die Klassen (immer mit Überraschungseffekt, weil man ja – ein Beweis echten Humors! – das „wahre“ Schulleben kennenlernen wollte), wo sie 20 Minuten verweilten und alle möglichen Daten in ihre Laptops reinhackten. Nach zwei Wochen waren sie dann fort, um bald mit einer Marathonkonferenz wiederzukommen. Unterstützt von Power-Point-Präsentationen zeigten sie auf, welche Stärken und welche Schwächen die jeweilige Schule hat. Zielvereinbarungen wurden formuliert und unterschrieben, die Fachkonferenzen in zeitraubende Curriculumdiskussionen und -erarbeitungen getrieben, ja, es war in der beschaulichen NRW-Schullandschaft mal richtig was los, sozusagen Stressfaktor XXL.
Nun neigt sich bald das Jahr 2010 seinem Ende zu, und es stellt sich die Frage: Hat sich seit dieser Qualitätskontrolle irgendetwas an der Qualität unserer Schulen zum Besseren verändert?
Die soeben erschienene Studie von McKinsey „How the world’s most improved school systems keep getting better“ greift das Thema „Qualitätverbesserung des Unterrichts“ zum ersten Mal global auf. Weltweit wurden 575 Reformaßnahmen analysiert und dazu Interviews mit über 200 Lehrern und Wissenschaftlern geführt. Die erste Erkenntnis ist: strukturelle Änderungen (z.B. längeres gemeinsames Lernen), Verlängerungen oder Verkürzungen von Schuljahren bringen wenig. Viel mehr Erfolg hat dagegen die Maßnahme, bereits in der Lehrerausbildung die Qualität des Lehrens zu verbessern (strenge Auswahl der Bewerber, mehr Praxisbezug). Als besonders förderlich haben sich eine Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen (Dezentralisierung), ein gezieltes Coaching der Lehrer und gegenseitiges Feedback zum Unterricht sowie Karrierepfade mit entsprechend gestuftem Gehalt für die Spezialisierung von Lehrkräften herausgestellt.
Ist von solchen Maßnahmen irgendetwas in NRW bekannt? Haben die Bezirksregierungen den Schulen mehr Eigenverantwortung bei der Planung und Durchführung ihres Unterrichts zugebilligt? Ist die Unterrichtsbelastung der Lehrer irgendwo reduziert worden, damit man sich endlich mal Zeit nehmen kann, einen Kollegen im Unterricht zu besuchen und ihm eine Rückmeldung zu geben? Nachdem man erst einmal an der Schule eine Atmosphäre geschaffen hat, in der solche Besuche als Hilfe und nicht als von oben verordnete „Unterrichtsspionage“ zum Zwecke der dienstlichen Beurteilung empfunden werden? Hat jemand irgendetwas davon gehört, dass Bemühungen um Verbesserung der Unterrichtsqualität mit Karriere belohnt werden?
Dem Autor dieses Beitrags ist nichts dergleichen bekannt.
Stattdessen hat man dem System Schule den Ganztag verordnet und dazu die schöne Homepage www.ganztag.nrw.de gebastelt. Hier gibt es allerlei Buntes an Gedanken und dazu noch Gaga-Lyrik für den Freund der hohen Sprachkunst. Zum Beispiel wenn die Rede davon ist, „die Zeitstunden des gebundenen Ganztags, die nicht durch Unterricht gebunden sind, für ein integriertes Konzept von Lernzeiten zu nutzen, das Hausaufgaben weitestgehend überflüssig macht und damit den Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit mehr Flexibilität einräumt.“ Oder wenn man liest: „Jede gebundene Ganztagsschule bietet (…) eine Mischung aus dem überschaubaren verpflichtenden Teil (integrierte Lernzeiten) und aus weiteren freiwilligen Angeboten (von der Theatergruppe bis zur Schülerfirma)“.
Soweit die Welt der im Traum Verirrten.
Die Wirklichkeit, mit der sich Lernende und Lehrende tagtäglich auseinandersetzen zu haben, sieht dagegen so aus: Am Nachmittag findet ganz gewöhnlicher Unterricht statt. Das heißt: All die Stunden, die man wegen der verkürzten Schulzeit nicht mehr vormittags unterbringen konnte, sind in den Nachmittag verlagert worden. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Nach der 6. Stunde erst einmal irgendwo was zu essen bekommen. Dazu meidet man aber die Mensa, da da Essen dort meist aus irgendeiner zerkochten Pampe besteht (s. Bericht zur Qualität des Mensaessens weiter unten!). Die Pommesbude oder der Pizzabäcker sind gefälliger; zwar ist das Essen wegen des Fettgehalts gesundheitsschädlicher als das aus der Mensa, aber es schmeckt wenigstens und man kann auch nach außen dokumentieren, dass man es sich leisten kann, teurer als in der Mensa zu essen.
Durch die dann anstehenden zwei Unterrichtsstunden mogelt man sich mit vollgeschlagenem Bauch irgendwie durch. Das geht auch nicht anders, denn der Kopf ist von 8 Uhr morgens permanent mit Wissen vollgestopft worden, jetzt, am Nachmittag, sagt das Schülergehirn einfach: „Nichts geht mehr. Weder rein noch raus“. Wenn es endlich auf 16 Uhr zugeht, ist bei allen Beteiligten lediglich ein einziger Effekt zu vermelden: Erleichterung, dass es vorbei ist. Von einer wie auch immer gearteten Qualität des Lehrens und Lernens ist man dabei so unendlich weit entfernt, wie die Mozartkugel von der Mozartmusik.
Und unsere neue Schulministerin Sylvia Löhrmann? Die, hört man, bastelt sporadisch an der Gemeinschaftsschule, also wenn es sich gerade mal ergibt und auch nicht zu viel, weil ihr dafür die Mehrheiten im Landtag fehlen. Auf die groß angekündigte Rückkehr zum G9-System hat sie jetzt, wo alle Schulen Nein gesagt haben, auch keinen Bock mehr. Ansonsten freut sie sich darüber, wie weit sie es im Leben gebracht hat, nämlich überraschenderweise bis zu einer Schulministerin. Und zu einem eigenen Chauffeur, der sie in einem Regierungswagen rumfährt. Der unter ökologischen Aspekten eine Dreckschleuder sondergleichen ist. Aber das wäre jetzt ein Thema für einen Öko-Blog. Also lassen wir es hier sein …

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Nichts gesagt – nicht versetzt!


Der Schüler einer gymnasialen Oberstufe wurde nicht versetzt, weil seine mündliche Mitarbeit in einem Fach ungenügend war. Er reichte gegen die Nichtversetzung Klage ein mit der Begründung, der Lehrer hätte die mündliche Mitarbeit einfordern müssen. Das Verwaltungsgericht Aachen schmetterte die Klage ab und stellte klar: Es reiche in der Oberstufe nicht, auf eine Aufforderung des Lehrers zu warten, eine aktive Mitarbeit sei erforderlich. (AZ 9 L 350/10)

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Das große Rumgeeier

Nach dem großen Wahltamtam zum Thema „Schule“, in dem sich die SPD mehr Kompetenz in der Bildung zusprach als allen anderen Parteien, schenkte Ministerpräsidentin Kraft das Schulministerium einfach der Vorsitzenden der Grünen, Sylvia Löhrmann. Die dachte als ehemalige Gesamtschullehrerin, das werde schon gutgehen, eine ehemalige Grundschullehrerin habe es schließlich auch gekonnt, und nahm den Job an. Als erstes ermahnte sie dann zum auslaufenden Schuljahr 2009/2010 in der WAZ die Lehrer der Gymnasien, nicht so viele Sitzenbleiber zu produzieren. Eine Aufstockung der Lehrerstellen zur Beseitigung von Klassen mit 33 Schülern stellte sie nicht in Aussicht. Auch nicht eine Senkung der Anforderungen, damit jeder Schüler, unabhängig von seiner Intelligenz und seiner Lernwilligkeit, die gymnasialen Hürden schafft.
Zu Beginn des Schuljahres schrieb Ministerin Löhrmann einen Brief an die Lehrerinnen und Lehrer. Darin stand, dass sie sich auf alles Mögliche freut. Und dass sie Lehrer, Schüler und Eltern mitnehmen will. Ach ja, und dass die Qualität des Unterrichts verbessert werden soll, und zwar durch Fortbildung.
Anschließend las man ab und zu was in der Zeitung. Zum Beispiel, dass die Gemeinschaftsschule als Modellvorhaben gestartet wird. Ein paar Schulen dürfen sich anmelden, der Rest nicht, sonst wärs ja kein Modellvorhaben. Die CDU witterte dahinter Subversion (sprich: Einfühung einer Gemeinschaftsschule durch Schaffung von Tatsachen), wandte sich dann aber anderen Themen zu. Heute konnte man in der WAZ lesen, dass es für die Rückkehr der Gymnasien zum neunjährigen Abi „Hürden“ gibt. Die Gymnasien, die parallel acht und neun Jahre anbieten wollen, müssen sich praktisch sofort entscheiden. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet, um „Vor- und Nachteile zu vergleichen“ (WAZ, 4.10.2010). Vor- und Nachteile von was? Dem Nebeneinander von zwei Modellen in einer Schule? Dem Abi nach acht Jahren? Dem Abi nach neun Jahren? Man darf gespannt sein, ob sich im Lande eine einzige Schule findet, die sich dem Wahnsinn aussetzt und in einer Zeit, in der in der Oberstufe zwei Jahrgänge gleichzeitig zum Abitur gebracht werden müssen, Löhrmanns Parallel-Spielereien mitmacht.
Warnen muss man davor auf jeden Fall! Die SPD hat nämlich die Gemeinschaftsschule nicht etwa aufgrund eines breiten wissenschaftlichen Konsensus, dass längeres gemeinsames Lernen tatsächlich besser ist, auf ihre Fahnen geschrieben, sondern einfach nur so, um sich politisch von der CDU abzusetzen. Und weil der Begriff „Gemeinschaft“ einfach klasse klingt in einer Zeit gieriger Banker und anderer die Gemeinschaft schädigender gewissenloser Schmierlappen.
Klingt zu holzschnittartig? Zu polemisierend?
Gemach, Freunde des eleganten Diskurses!
Am 02.September 2010 (Spiegel Online) hat kein anderer als die SPD im Saarland die CDU(!!!), die Grünen, die FDP(!) und die Linken schwer geschockt, indem sie Knall auf Fall aus dem Projekt „Länger lernen in einer Grundschule mit 5 Schuljahren“ ausgestiegen ist. Um dieses Projekt realisieren zu können, hätte im Saarland die Verfassung geändert werden müssen. Eigentlich, so Schulminister Kessler (Grüne), waren sich alle Fraktionen einig, dass dies geschehen soll. Doch die SPD verlor nach einer Beratung mit Peter Daschner vom Hamburger Institut für Lehrerbildung einfach die Lust – zu bedrohlich stellte sich plötzlich der Wähler dar, der per Volksentscheid die Politiker für ihre Selbstherrlichkeit abstraft.
Nun will die SPD im Saarland die Gemeinschaftsschule ins Leben rufen! Mit 23 Schülern pro Klasse!!! Sollte der Wähler aus irgendeinem Grund dagegen sein, wird die SPD per Telefonkonferenz (so im Falle der verlängerten Grundschulzeit geschehen) die Idee wieder fallen lassen. Und eine andere grandiose Idee aus dem Hut zaubern. Zum Beispiel die: Die Paradiesschule – gemeinsames Lernen von Jung und Alt auch über den Tod hinaus!

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Gut zu wissen!

Gut zu wissen: Die Eltern eines Gymnasiasten klagten gegen die Note Mangelhaft im Fach Französisch. Begründung: der rechnerische Schnitt betrage 4,41, das sei weit von der Note Mangelhaft entfernt.
Das Braunschweiger Verwaltungsgericht stellte nun unmissverständlich klar: die pädagogische Herangehensweise an die Benotung hat absoluten Vorrang. Die Lehrerin hatte nämlich nachgewiesen, dass der Schüler zum Ende des Schuljahres immer schlechter geworden sei (6en in den Tests) und nicht in der Lage sei, grammatische Zusammenhänge zu begreifen und vollständige Sätze schriftlich oder mündlich zu bilden. Damit hat sie für das Gericht nachvollziehbar begründet, warum sie vom rechnerischen Durchschnitt abgewichen ist.
Und was sollte man daraus lernen? Nun – es lohnt sich, öfter mal eine Notiz darüber zu machen, auf welchem Niveau ein problematischer Schüler seine Leistungen in der Sonstigen Mitarbeit erbringt.

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Zum guten Schluss: Du sollst nicht stehlen!

Der Fall: Kollege Müller erklärt sich bereit, einen erkrankten Kollegen für längere Zeit zu vertreten. Es soll ja schließlich für die betroffenen Schüler möglichst wenig Unterricht ausfallen. Damit die Stundenpläne nicht zu sehr durcheinandergebracht werden, erteilt der Kollege Müller den Unterricht am Nachmittag. Nachdem der erkrankte Kollege wieder zurück ist, schreitet Kollege Müller zur Abrechung der Überstunden, denn als solche wurden sie ihm angetragen.
Zu seiner großen Verblüffung erfährt Kollege Müller aber, dass ihm nur die Hälfte der Stunden anerkannt wird, denn während er Überstunden gemacht hat, haben sich in sein Stundendeputat leider auch die sogenannten „mehrarbeitsschädlichen Stunden“ eingeschlichen. Diese Stunden sind beim Kollegen Müller z.B. dadurch entstanden, dass in einer 10 Klasse eine Zentrale Abschlussprüfung stattfand. Kollege Müller war zwar da, wollte auch unterrichten, durfte aber nicht. Eine weitere „mehrarbeitsschädliche Stunde“ entstand dadurch, dass Schüler beraten wurden. Auch hier wollte Kollege Müller seinen Unterricht machen, er durfte es aber nicht. All diese Stunden müssen laut einer Vorschrift des Schulministeriums von den Überstunden abgezogen werden. Kurzum: ganz im Sinne des Wortes „schädlich“ bereichert sich das Land parasitär am Einsatz von Kolleginnen und Kollegen.
Und nun ein anderer Fall: Eine Schulministerin ist abgewählt und darf endlich gehen. Sie hat im Verlauf ihrer fünfjährigen Dienstzeit Pannen und dank ihres Talents zum Flachdenken Peinlichkeiten ohne Ende produziert. Versuche, ihr für 200 000 Euro richtiges Sprechen beizubringen, sind kläglich gescheitert. Zum Abschied räsonierte sich nochmal in der WAZ über ihre Vorliebe für schnelle Autos und Miniröcke. Diese Ministerin, sie ist 61, hat aufgrund ihrer fünfjährigen Dienstzeit Anspruch auf 4064 Euro Pension lebenslang erworben und kassiert sie ab dem nächsten Monat auch ein.
Nun ist der hier dargestellte Sachverhalt nicht neu, er existiert vielmehr seit Anbeginn der menschlichen Sozietät. Der Beweis ist leicht erbracht: Nur diejenigen konnten sich das Gebot „Du sollst nicht stehlen!“ ausgedacht haben, die schon etwas hatten und sich darum sorgten, dass es ihnen abhanden kommt. Dass sie ihre Besitztümer nicht rechtmäßig erworben hatten, ergibt sich gleichfalls aus dem Gebot. Hätten sie es nämlich getan, dann hätte das 4. Gebot lauten müssen: „Du sollst teilen!“
Schöne Ferien!

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Rot-Grüne Schulpolitik

Wie die FAZ herausgefunden haben will, haben sich die SPD und die Grünen in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, das Schulsystem grundlegend umzubauen. So sollen bis 2015 mindestens 30 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in der Sek I zu Gemeinschaftsschulen zusammengeführt werden. Die neue Schulministerin Löhrmann ist sich sicher, dass längeres gemeinsames Lernen das Bildungssystem leistungsstärker und gerechter macht. Dass man in Berlin damit ganz andere Erfahrungen gemacht hat, stört nicht weiter. Dass wissenschaftliche Untersuchungen die These als äußerst fragwürdig erscheinen lassen, auch nicht. Wichtig ist, dass sie gut klingt.
Rot-Grün will das neue seligmachende System aber nicht mit Brachialgewalt einführen, sondern mit allen beteiligten „Akteurinnen und Akteuren“ einen Konsens erzielen. Politikersprache verrät sich eigentlich immer selbst: ein Akteur tut nicht wirklich was, er spielt nur, was der Dramen-Text ihm vorgibt. Ein wenig präziser wird die Sprache da, wo es darum geht, dass nichts mit Druck geschehen soll, sondern gemeinsam mit den Städten und Gemeinden. Von Eltern, Schülern und Lehrern ist nirgendwo die Rede. Muss ja auch nicht sein, es geht ja schließlich nur um Schule.

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Bei europaweiter Beliebtheitsumfrage Lehrer auf Platz 2

Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat eine internationale Studie zum Vertrauen der Bürger in verschiedene Berufsgruppen und Organisationen in Auftrag gegeben. Befragt wurden ca. 18.000 Menschen in 19 Ländern. In Deutschland landeten mit 97% die Feuerwehrleute auf Platz 1 der vertrauendswürdigsten Berufsgruppe. In den anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Auf Platz 2 finden sich in Deutschland mit 87% die Ärzte, auf Platz 3 die Polizisten mit 86%. Dass diese Berufsgruppen so hoch in der öffentlichen Meinung angesiedelt sind, verwundert wegen ihrer lebensrettenden, bzw. -schützenden Funktion nicht. Für die ziemlich mies bezahlten Feuerwehrleute mag das sogar eine schwache Kompensation sein. Europaweit rangieren gleichauf mit diesen Berufsgruppen auch die Lehrer (Platz 2 zusammen mit den Ärzten). In Deutschland vertrauen 85% der Befragten Lehrern, was den 4. Platz ausmacht. Verglichen mit 2009 haben wir sogar einen Prozentpunkt zugelegt. In Deutschland und auch in Europa verloren hat nach all den Skandalen der Klerus (56%, Platz 15) und auch die Banker. Auf dem vorletzten Platz landen Manager (17%), auf dem letzten Platz wie in den Jahren zuvor mit 14% Politiker. Was ziemlich verwundert, ist, dass auf den hinteren Plätzen auch die Journalisten rangieren (42% und damit 1 Prozent weniger als im letzten Jahr).
Hier kann man Genaueres nachlesen:
Gfk
Spiegel Online

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