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Archiv der Kategorie Verschiedenes

Pazifische Niveaulosikgeit

Der Mangel an Wahlkampfthemen und vor allem an Ideen, wie man NRW voranbringen könnte, hat man jeden Tag vor Augen, wenn man sich die Wahlplakate der Parteien ansieht. Den Marianengraben der Niveaulosigkeit erreicht hat aber mit Sicherheit das unten abgebildete Wahlplakat von Thomas Eiskirch in Bochum.

01a.jpg

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: 500 Euro mehr sind in Wirklichkeit weniger!

Folgende Anfrage stellte ich auf der Seite “www.abgeordnetenwatch.de” den Abgeordneten, die in den Landtag wollen:
“Sehr geehrter Herr / Sehr geehrte Frau …
der NRW-Haushalt wird seit Jahren u.a. auf Kosten der Beamten saniert: das Weihnachtsgeld ist drastisch gekürzt worden, das Urlaubsgeld wurde ganz gestrichen, Beihilfeleistungen wurden gleichfalls gekürzt, die Arbeitszeiten erhöht, Pensionen gekürzt. Wie ist mit diesem rigiden Sparkurs Ihrer Meinung nach die Erhöhung der Abgeordnetenbezüge um 500 Euro monatlich zu vereinbaren, die Sie sich in letzter Zeit selbst genehmigt haben?”

Manche Antwort fiel recht knapp aus, wie z.B. die von Frau D´moch-Schweren: “An der Erhöhung der Abgeordnetenbezüge habe ich nicht mitgewirkt und kann sie auch nicht nachvollziehen.” In die gleiche Richtung geht die Antwort von Volker Münchow: “Die Erhöhung der Diäten der Landtagsabgeordneten im letzten Jahr halte ich nicht für vermittelbar. Ich halte die Erhöhung angesichts der von Ihnen geschilderten Lage von Beamten, Rentnern und Gehaltsempfängern für falsch.”

Beide Politiker sind allerdings noch nicht im Landtag, können also mit dieser Haltung Sympathiepunkte reinholen und nach einer eventuellen Wahl die 500 Euro trotzdem kassieren.
Anders sieht es bei denen aus, die schon im Landtag sitzen und tatkräftig an der Erhöhung ihrer Bezüge mitgestrickt haben. Die brennen jede Menge verbaler Blendfeuerwerke ab.


Britta Altenkamp zum Beispiel greift zur Zahlenakrobatik und schreibt: Der “gesamte Haushalt des Landtags, über den auch die Diätenzahlungen folgen, [kostet] jeden Bürger in NRW im Jahr 5,68 Euro, verglichen mit beispielsweise 8,46 Euro in Bayern oder 8,03 Euro in Hessen. Nach der Erhöhung steigt der Betrag pro Bürger und Jahr bezogen auf NRW um sechs Cent. Insofern sehe ich an dieser Stelle keinen Widerspruch, kann Ihnen aber schon jetzt versichern, dass ich einer weiteren Anpassung der Diäten im Jahr 2012 nicht zustimmen werde.”
Na ja, bei nur 6 kleinen Centchen, wo der NRW-Abgeordnete im Vergleich zum Bayern-Abgeordneten 67 Prozent kostet, also 33 Prozent dem Steuerzahler erspart, da kann man ja wirklich nicht meckern. Nett, dass Frau Altenkamp einer weiteren Erhöhung nicht zustimmen wird. Obwohl - noch 3 oder 4 Cent wären auch egal, nur die Nachkommazahl bei den 67 Prozent würde ein bisschen nach oben klettern, mehr nicht.


Reiner Breuer schreibt: “Die entsprechende Erhöhung der Abgeordnetenbezüge muss komplett versteuert werden. Gleichzeitig fließen aber 500 Euro direkt dem Versorgungswerk zu. D.h.: Alle Abgeordnete verfügen künftig über ein geringeres (Netto-) Einkommen.”
Jetzt versteht man die Erhöhung erst in ihrer ganzen Tragik! Sie führt nämlich in Wirklichkeit zu einer Verarmung der Abgeordneten!!! Wer hätte das gedacht? Leider kommt es nicht zu dem von Reiner Breuer initiierten Tränenfluss, da man in den Zeilen vorher liest, dass “die NRW SPD eine Altersversorgung von 1573 Euro nach zehnjähriger Zugehörigkeit [zum Landtag] für angemessen” hält. Nach zehnjähriger beruflicher Tätigkeit kann ein Arzt oder ein promovierter Ingenieur von einer solchen Altersversorgung nur träumen! Mal ganz davon abgesehen, dass er während der Ausübung seines Berufs keine Chance hat, irgendwo als Lobbyist vorstellig zu werden, um seine Alters- und sonstige Bezüge noch weiter und dauerhaft aufzubessern.


Mehr als ausführlich antwortet Carina Gödecke. Sie ist als Politikerin clever genug, keine genauen Zahlen zu nennen. Der Tenor bleibt der gleiche - die Abgeordneten haben sich durch die Reform der Bezüge in 2005 arm gemacht, jetzt müssen sie das wieder rückgängig machen, indem sie sich die Diäten erhöhen, wovon sie aber aktuell nichts haben, im Gegenteil.


Regelrecht niedlich fällt die Antwort von Rainer Bischoff aus. Er geht erst gar nicht groß auf die Frage ein, sondern er holt gleich jede Menge Süßes aus der Tasche und wirft es großzügig in die Menge:
“Zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes haben wir gemeinsam mit der Landesregierung den undifferenzierten Stellenabbau gestoppt. Durch die Flexibilisierung im Umgang mit kw-Vermerken konnte die Arbeitsverdichtung entschärft werden. In besonders wichtigen Bereichen wie Schule, Polizei, Finanzverwaltung und Mittelbehörden sind sogar zusätzliche Stellen geschaffen worden. Außerdem haben wir die jüngste Tariferhöhung der Angestellten umgehend und ungeschmälert auf die Beamtinnen und Beamten übertragen.”
Ich bitte doch mal die Kolleginnen und Kollegen, deren Arbeitsverdichtung in den Schulen entschärft worden ist, sich hier beim Blog zu melden! Es dürfen sich aber auch die melden, die Aufgrund des Löhrmann-Erlasses, die Fünf- und Sechstklässler auch beim Ausfall von Eck- oder Nachmittagsstunden in der Schule zu halten, jede Menge unbezahlte Mehrarbeit geleistet haben. Oder auch die von der neuen Sekundarschule, die stundenlang über neuen Lehrplänen brüten und noch weitere Stunden benötigen werden, um sie gefällig zu Papier zu bringen.


Zum Glück gibt es wenigstens mehr Geld. Nur irgendwie nicht sofort, ich meine nicht “umgehend und ungeschmälert”. Aber bestimmt später. Irgendwann … Und natürlich so, dass das Mehr sich als Weniger entpuppen wird.

P.S. Die hier zitierten Abgeordneten gehören der SPD. Der Grund: Ich wollte meine Frage allen Abgeordneten stellen und fing bei der SPD an. Nach der 12 Anfrage meldete “abgeordnetenwatch.de” jedoch, dass mein “Abfragelimit überschritten” sei. Im Nachhinein denke ich: Gut so! Noch mehr Antworten dieser Qualität wären unerträglich geworden.

Wulff muss bleiben - als Unterrichtsbeispiel!

Bundespräsident Wulff hat inzwischen die genuinen Eigenschaften eines Politikers medienwirksam so radikal bloßgelegt, dass man unbedingt darauf bestehen sollte, ihn als lebendes Unterrichtsbeispiel für immer im Amt zu behalten.
Er zeigt uns nämlich beispielhaft, dass Politiker

- aus ihren Ämtern hemmungslos Vorteile schlagen, da sie diese nicht angetreten haben, um der Allgemeinheit zu dienen, sondern nur sich selbst (s. hierzu z. B. Becks Luxusflüge, Özdemirs Fußballeintrittskarten, die Diätenerhöhung um 500 Euro monatlich im NRW-Landtag)
- Kraft ihrer Ämter und wenn nötig unter Umgehung geltenden Rechts denjenigen Vorteile verschaffen, von denen sie sich für sich selbst noch mehr Vorteile versprechen
- den Begriff der Unwahrheit oder Lüge nicht kennen, da sie als Inhaber der Macht Wahrheiten so postulieren, wie sie ihnen gerade passen
- Flachdenker sind, da man nur so beliebige, ja sogar widersinnigen Sprechblasen endlos produzieren kann
- nicht fähig zu dauerhaften sozialen Bindungen sind, weil sie die nur nach dem Nützlichkeitsprinzip eingehen
- sich derart auf ihre eigene Eitelkeit konzentrieren, dass sie die Realität nicht mehr wahrnehmen
- all diese Eigenschaften in ein äußeres Erscheinungsbild verpacken, das ihnen Seriosität verleiht und die Wähler mit schönem Schein blendet.

Weshalb der Wähler dann, treu seiner staatsmännischen Pflicht, alle Jahre zur Wahl geht und - wie es Kafka so treffend in seiner Parabel “Auf der Galerie” bemerkt - “weint (…), ohne es zu wissen”.

“Handfester Pädagogikskandal” bei der “Hamsteraffäre”

Im November 2011 schickt in Dortmund eine Lehrerin angeblich ein Mädchen allein nach Hause, weil es einen Hamster in den Unterricht mitgebracht hat (Tierquälerei). “Der Westen” und die “Westfälische Rundschau” sind schnell dabei, einen Skandal daraus zu machen. Regierungspräsident Gerd Bollermann laut der Berichte auch.
Es lohnt sich einmal nachzulesen, wie Journalisten mit der Wahrheit und vor allem den Fakten umgehen. Zusammengetragen hat die Presseberichte Lukas Heinser auf bildblog.de. Hier gehts zum Artikel.

Lob in Zeiten des Wulffismus

Am 13.01.2012 erreichte die Schulen eine Mail der Schulministerin, in der der Erlass von 13.10.2011 zum Zeitpunkt der Zeugnisausgabe nach dem 1. Halbjahr (nicht nach der 3., sondern erst nach der 6. Stunde) außer Kraft gesetzt wurde. Heißt: Am Ende des 1. Halbjahres gibt es die Zeugnisse nach der 3. Stunde, wie schon immer praktiziert.
Zur Begründung heißt es von Sylvia Löhrmann: “Die Änderung (Anm. des Verfassers: am 13.10.2011) erfolgte aufgrund einer Prüfungsbemerkung des Landesrechnungshofes im Zusammenhang mit dem Unterrichtsausfall an Schulen. Zu dieser Erlassänderung sind relevante Hinweise und Anregungen bei mir eingegangen, die plausibel darlegen, dass die mit der Änderung beabsichtigte Reduzierung des Unterrichtsausfalls nur quantitativ, nicht jedoch qualitativ erreicht werden kann.”
So viel Einsicht und Ehrlichkeit von einer Politikerin in Zeiten des Wulffismus überrascht und muss daher an dieser Stelle ausdrücklich gelobt werden!

Eine dreiste Bescherung

Kaum zu fassen, aber wahr: Während die Beamten in NRW zum 1. Dezember auf ihrem LBV-Bescheid schwarz auf weiß lesen durften, wie bescheiden mal wieder ihr Weihnachtsgeld ausfällt (wg. desolater finanzieller Lage des Landes), während Sylvia Löhrmann den Lehrerinnen und Lehrern schon zum zweiten Mal eine unbezahlte Mehrarbeit verordnet (Halbjahreszeugniserlass, s. vorhergender Blog-Eintrag), während also SPD und Grüne auf unsere Kosten als Sparkommissare auftreten, wollen sie sich selbst diesen Monat noch eine kräftige Erhöhung ihrer Diäten genehmigen.
Nach Meldungen u.a. von RP-Online wollen SPD, Grüne und  die CDU
selbstredend auch die Mittel zur Altersversorgung um 500 Euro monatlich für jeden Abgeordneten erhöhen. Der Grund: Die Altersversorgung der Abgeordneten soll verbessert werden, da sie zu miserabel ist. So hat z.B. ein Minister in NRW erst nach langen 5 Jahren Anspruch auf über 4000 Euro monatliche Pension, ein gewöhnlicher Sterblicher bereits nach knappen 140 Jahren Beitragszahlungen in die Rentenkasse. Voraussichtliche Kosten für den Steuerzahler laut des Bundes der Steuerzahler: 1,1 Millionen Euro jährlich.
Fällt einem der Leser des Blogs noch etwas zu dieser unverschämten Dreistigkeit ein???
Der Verfasser ist noch nicht einmal in der Lage, einen Punkt hinter den letzten Satz zu setzen

Löhrmanns neue Zeugnisausgabe & noch ein bisschen sonstiges Geplapper

Sylvia Löhrmann hat den Schulschluss am Tag der Zeugnisausgabe neu geregelt: Laut BASS 12 - 64 Nr.2; Amtsblatt 11/12. S. 620 wird an Tagen, an denen Halbjahreszeugnisse ausgegeben werden, die Kürzung auf drei Unterrichtsstunden künftig nicht mehr möglich ein. Nur der Nachmittagsunterricht kann entfallen.
Lehrerinnen und Lehrer sind empört - warum darf der Nachmittagsunterricht ausfallen? Gerade der Nachmittagsunterricht bietet endlich mal die Möglichkeit, mit Schülern in aller Ruhe über die Zeugnisse zu reden und Strategien fetstzulegen, wie die eine oder andere Note besser werden könnte.
Spaß beiseite. Löhrmann stellt es sich so vor, dass in der 1. Stunde die Zeugnisse ausgeteilt werden, danach lernen die Schüler einfach weiter. Rücksicht auf die Psyche der Kinder, die entweder ihre guten Zeugnisse feiern oder die nicht so guten erst einmal verdauen wollen, wird nicht genommen. Es wird gepaukt auf Teufel komm raus. Und so verhärtet sich leider auch bei Sylvia Löhrmann der Verdacht, dass hier wieder jemand nach dem Peter-Prinzip (Laurence J. Peter, amerikanischer Soziologe) so lange aufgestiegen ist, bis er die höchste Stufe seiner Inkompetenz erklommen hat. Leider.

Was hört man sonst noch von unserer Schulministerin?
Sie plappert z.B auf der Homepage des Schulministeriums von einem “historischen schulpolitischen Konsens” bei der Sekundarschule. Sie soll attraktiver und gerechter werden. Vor allem aber wischiwaschi. Auf dieser Schule kann man nämlich alles lernen oder auch nicht. Zum Beispiel wie auf dem Gymnasium in der sechsten Klasse eine zweite Fremdsprache oder eben auch nicht. Zu Bedauern sind jetzt schon Lehrerinnen und Lehrer, die dort unterrichten kilometerlange Curricula verfassen werden, um dieses Wischiwaschi irgendwie gerichtsverwertbar zu machen (für den Fall, dass Eltern die Lehrer wegen irgendwas verklagen wollen).

Noch schöner wird auf der Homepage über Ganztagsschule geplappert. Da heißt es zum Beispiel: “Ganztagsschulen und Ganztagsangebote bieten mehr als Unterricht. Zu einem guten Ganztag gehören Arbeitsgemeinschaften, Förder- und Freizeitangebote, Bewegung, Spiel und Sport sowie kulturelle Angebote. Die Zusammenarbeit der Schule mit Jugendhilfe, Kultur, Sport und weiteren Partnern ist eine zentrale Grundlage.”
Die Realität an Ganztagsschulen sieht, seitdem die CDU sie etabliert hat, so aus: Die Kinder stürzen sich mittags in eine schulnahe Pommesbude oder Pizzeria und füllen sich dort mit fettem Food ab. Im Gegensatz zum Essen aus der Mensa schmeckt es wenigstens. Anschließend gehts in den Unterricht. Was wegen der Schulzeitverkürzung nicht in den Vormittag passt, wird jetzt am Nachmittag in die Köpfe getrichtet. So weit es sich einrichten lässt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Kinder um 14.30 Uhr gerne überall auf der Welt wären, nur nicht in einer Schule. Auf einen vom Schulministerium intiierten Versuch, wie man denn den Nachmittagsunterricht kindgerecht und lernergiebig gestalten könnte, warten alle vergeblich. Dafür hat Sylvia Löhrmann keine Zeit und wohl auch keine Lust.

Bleibt noch die Inklusion. Quasi zum letztmöglichen Termin hat auch Deutschland 2009 das “Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderungen” unterzeichnet. Dort hat unser Land sich verpflichtet, ein Bildungssystem zu entwickeln, in dem das gemeinsame Lernen von Kindern mit Behinderung und ohne zum Regelfall wird.
Was geschieht unter der grünen Schulpolitikerin Sylvia Löhrmann bei uns in NRW? Nichts Erfreuliches. Statt umfassenden Informationen, statt fundierten Weiterbildungsangeboten wird eine diffuse Drohkulisse aufgebaut.
Die vermittelt den Kolleginnen und Kollegen den Eindruck, Dezernenten und sonstige Entscheidungsträger würden den Schulen behinderte Kinder mehr oder minder aufs Auge drücken, gleichwie die Kollegien auf diese Kinder vorbereitet seien. Fatalerweise werden mit dieser “Von-Oben-Herab-Methode” all die Vorurteile geschürt, die man so gegen Behinderte hat. Davon, welche Chancen diese Kinder einer Klassengemeinschaft bieten, davon, dass sie endlich aus der schulischen Isolierung in das ganz normale Leben treten können, kurzum - davon, dass diese Kinder einfach zu unserer Gemeinschaft zählen, redet keiner.

Zum guten Schluss:
Wie die GEW in einem Flyer zu Recht vermutet, hat sich Sylvia Löhrmann bei der Abschaffung der Zeugnisausgabe nach der dritten Stunde nichts gedacht. Also nichts Pädagogisches. Sie will mit dem Gewinn von ca. 72 000 erteilten Unterrichtsstunden (bezogen auf 220 Gesamtschulen und 638 Gymnasien in NRW) die Schulstatistik aufpeppen. Die dürfte nämlich genauso schlecht sein, was den Unterrichtsausfall betrifft, wie an dem Tag, als sie das Schulministerium übernommen hat. Gut 40 Jahre miese Schulpolitik unter dem Koalitionspartner SPD, die NRW zum Schlusslicht in der Bildung und Kleinkindebetreuung gemacht haben, kann man schlecht in 2 Jahren ausbügeln. Aber wenigstens ein wenig wegschminken.

Zum Brüllen witzig

Am Sonntag, 03.07.2011, hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auf der ersten Seite folgenden Brief von Hauptschülern an Ministerin Schavan veröffenticht:

“Liebe Frau Minister Schavan,
wir sind die Klasse 8b der Luise-Rinser-Hauptschule. Unser Lehrer Herr Dollmann hat uns in Deutsch aus der Zeitung vorgelesen. Dort steht, Deine CDU will die Hauptschule abschaffen. Was haben wir gejubelt. Bloß noch Ferien! Herr Dollmann hat gesagt, nein, nein, wir müssen dafür dann eben in eine andere Schule gehen. Das stimmt doch nicht, oder?
Deswegen schreiben wir Dir jetzt diese Postkarte. Übrigens, falls da Fehler drinstehen, dann ist der Ergün daran schuld. Was wir alle meinen, muss der nämlich aufschreiben. Der Justin, die Pascale und die anderen Deutschen sind ja noch schlechter im Diktat.
Jedenfalls. Herr Dollmann sagt, das mit der Abschaffung ist, weil man untersucht hat, dass 20 Prozent der Schüler nicht richtig lesen und schreiben können. Ha, da haben wir ihn aber ausgelacht. 20 Prozent! Wir sind doch überhaupt nur 14 in unserer Klasse.
Wenn wir aber wirklich in eine andere Schule kommen, dann klingt ‘Oberschule’ doof, finden wir. Kann man nicht unsere neue Schule ‘Gymnasium’ nennen und das Gymnasium dann anders?
So oder so, in die Schule gehen ist schwer. Herr Dollmann sagt immer, nicht für die Schule, sondern fürs Leben leben wir, oder so ähnlich. Aber der Dennis erzählt, seine Mutter sagt immer, hier sind 10 Euro, lass mich in Ruh’. Frau Minister, wer hat da recht?
Mit vielen Grüßen, auch an den Daniel Bahr, weil die Alisa den so ‘dreamy’ findet. Deine 8b”

Zu diesem Brief ist Dreierlei zu bemerken:

1. Er ist nicht wirklich von Hauptschülern verfasst, sondern von einem Journalisten mit dem Kürzel “bpe”. Der Brief ist deshalb unheimlich witzig.
2.
Die drei Grundaussagen des Briefes lauten: 1. Hauptschüler sind dumm. 2. Türken können am schlechtesten Deutsch 3. Eltern von Hauptschülern sind asozial.
3. Die im Brief angesprochenen (Rechtschreib)-Fehler hat leider die automatische Rechtschreibprüfung der FAZ korrigiert, sonst wäre der Brief zum Brüllen witzig geworden.

Wie geht guter Unterricht?

Wer selbst Kinder hat, merkt es schnell - bis zur vierten Klasse lernen sie meist gerne. Erst nach dem Wechsel in eine weiterführende Schule ändert sich das. Ulmer Gehirnforscher sind nun dem Phänomen nachgegangen und haben zum Beispiel herausgefunden, dass das alte Sprichwort: “Sich regen bringt Segen” immer noch gilt.Den ganzen Artikel kann man unter anderem bei Focus-Online nachlesen.Zum Artikel …

Vom schwarzen Loch zum grünen Saftladen?

Nach den neuesten Abi-Pannen in Mathematik formuliert sich die obige Überschrift fast von selbst. Sozusagen als Ergebnis einer Steilvorlage. Hatte nämlich das Schulministerium unter Barbara Sommer gleich einem schwarzen Loch vieles in sich reingesaugt, was bis dahin zuverlässig funktioniert hatte, und dafür dann Erlasse in die Schulgalaxie geschleudert, die katastrophal schlecht waren (man erinnere sich nur an das mündliche Abitur, das über eine Woche dauerte, weil dafür kein Montag mehr unterrichtsfrei gemacht werden durfte), so scheint jetzt unter der Sylvia Löhrmann eine lustige Truppe von Grünlingen einen Laden aufgemacht zu haben, der mal funktioniert und mal eben nicht.
Doch gemach!
Sowohl eine Barbara Sommer, die erst als Schulministerin richtig sprechen lernen durfte, wie auch eine Sylvia Löhrmann, die das schon vorher halbwegs konnte, müssen sich auf die Experten im Hause verlassen dürfen.
Diese aber haben versagt. Gleich mehrfach hintereinander.
Wie so etwas möglich ist?
Es ist ganz einfach möglich, man muss sich nur einmal anschauen, wie man Experte im Schulministerium wird. Der gängigste Weg dürfte der sein, dass der künftige Experte im Studium ein Lehramt anstrebt. Hat er dann dieses übernommen, stellt er meistens recht schnell fest, dass er dafür ungeeignet ist. Er kann die Schüler nicht motivieren, diese wiederum lassen ihn nicht zu Wort kommen. Kurzum - er hat seinen Beruf ziemlich gründlich verfehlt. Aus dieser Falle gibt es nun zwei Auswege. Der eine heißt, den Job so lange machen, bis man im Burnout-Effekt verbrennt. Der andere heißt - Karriere im Schulsystem machen. Über zum Beispiel die Aufgaben eines Fachleiters geht es dann immer weiter die Karrieresprossen hinauf, immer näher an die Ministerin (oder den Minister) heran, bis man sich so weit von der Schule entfernt hat, dass man sie nicht mehr sieht. Nun hat man das Beste aus seiner Unfähigkeit gemacht und ist Experte geworden. Und könnte sich nun ein schönes Leben machen, wenn, ja, wenn es nicht immer wieder dieses blöde Mathe-Abi gäbe, wo dann die eigenen Rechenkünste kläglich versagen (und die des nächsten Experten natürlich auch).
Für die Schulen sind diese Experten übrigens ein Segen. Man stelle sich vor, sie wären Lehrer geblieben.
Übrigens gibt es ein afrikanisches Sprichwort das besagt: Je höher der Affe auf den Baum klettert, desto besser sieht man seinen nackten Hintern! Na, wenn das mal keine gute Expertise ist!

Schnell nachgeschlagen

Ein Friedensnobelpreisträger erteilt den Befehl, einen Menschen zu töten und schaut sich das Ganze auch noch per Videoübertragung an. Die Vorsitzende einer christlichen Partei und Kanzlerin eines Rechtsstaats sagt vor laufenden Kameras, sie freue sich, dass ein Mensch getötet wurde.
Ist das nun zum Weinen oder zum Totlachen, oder zum Todlachen, oder zum Tod-Lachen?
Wie es richtig ist, sagt uns seit Neuestem der Duden Online. Ja, Duden hat tatsächlich den ganzen Duden online gestellt, mit allen Erklärungen, genauso wie im Papier-Duden. Besser noch: Schreibt man ein Wort falsch, gibt der Duden Online trotzdem eine richtige Antwort.
Wer gleich ausprobieren möchte, kann es hier tun!

WAZ - unabhängig, überparteilich?

Eigentlich weiß es jeder - das von der WAZ 1997 angeschobene Projekt ZEUS, an dem inzwischen eine Million Schüler teilgenommen haben, ist nur sekundär darum bemüht, die Lesekompetenz oder Schreibfreude von Kindern zu fördern.  Primär dient diese Aktion als Bremse des rasanten Abonnentenschwunds, unter dem alle Zeitungen zu leiden haben. Weniger Abonnenten bedeutet aber weniger Einnahmen bei der Werbung. Im Jahr 2000 haben z.B. die Zeitungen 65 Prozent der Einnahmen über Werbung erzielt, 2008 nur noch 51 Prozent. 2009 sind die Werbeeinnahmen der Zeitungen um 15,5 Prozent geschrumpft.
Die WAZ scheint aus dieser Misere nebst ZEUS noch einen anderen Ausweg gefunden zu haben. Trotz des groß auf Seite 1 gedruckten UNABHÄNGIG, ÜBERPARTEILICH, hat sie keine Probleme damit, in ihren redaktionellen Texten unauffällig Werbung für diverse Produkte zu platzieren. Aufwendig recherchiert hat die Käuflichkeit verschiedener Zeitungen Sebastian Heiser, ein Redakteur der TAZ. Es lohnt sich, das Ergebnis seiner Recherche einmal zu lesen.
Hier geht es zu Heisers Rechercheblog!

Lernstandserhebung, oder: Hauptsache Test

   Auf gings diese Tage zum sechsten Mal in Folge zur fröhlichen Erhebung des Lernstandes u. a. im Fach Deutsch. Geschockt von den Ergebnissen der ersten Pisastudie hatte sich im Jahre 2005 das Schulministerium vorgenommen, die Schüler der 8. Klassen so lange in Deutsch, Mathe und Englisch zu testen, bis die Testergebnisse besser wurden. Unter, wie es scheint, Zuhilfenahme des Rateteams aus der Sendung “Wer wird Millionär” ging man nun im Fach Deutsch daran, den Schülern Fragen zu einem gelesenen Text zu stellen, zu denen es dann vier Antworten gab, wovon die einzige richtige anzukreuzen war. Da in unserem auf Textanalyse fokussierten Deutschunterricht solche Ankreuzspielchen nicht vorkommen, fielen die Ergebnisse dieses ersten Tests auch nicht sonderlich gut aus. So hatten z. B. viele Schüler zu Recht geglaubt, es könne von den vier Antworten mehr als eine richtig sein, waren sie es doch von ihren Deutschlehrern und -innen gewohnt, keine enge Fragen, sondern weiterführende und zum Nachdenken anregende gestellt zu bekommen.
   Nach dieser ersten Erhebung des Schulpolit-Standes gegen das selbstbestimmte, differenzierte und analytisch ausgerichtete Lernen begriffen die Schulen, worum es eigentlich geht und trimmten die Kinder auf die entsprechende Taktik. Prompt ging dann auch der Ruf durch das NRW-Land, die Lesefähigkeit der Kinder habe sich erkennbar gebessert. Einfach so und praktisch von einem Schuljahr auf das andere.
   Inzwischen sind die Erhebung zu einer lieben Gewohnheit geworden, die keiner mehr missen möchte. Einmal, weil man die Ergebnisse auf einer Homepage veröffentlichen und so zeigen kann, dass man schon wieder besser geworden ist, oder noch besser: dass man wie üblich Spitze ist. Darüber hinaus haben, zumindest im Fach Deutsch, die Erhebungen einen ziemlich hohen Unterhaltungswert und tragen zu einer netten Schulatmosphäre bei. So wurden z. B. die Kinder in der Erhebung 2007 aufgefordert, alles sehr aufmerksam zu lesen, um keine Fehler zu machen, anschließend lasen sie fett gedruckt, sie hätten 90 Stunden Zeit, die Aufgaben zu lösen. Oder die Vierzehnjährigen durften sich mal in die Welt einer 45jährigen Alkoholikerin versetzen, die ihre Tage am liebsten unter saufenden Männern in ihrer Stammtischkneipe verbringt. Oder sie durften, wie bei der letzten Erhebung, 40 Minuten lang einer CD lauschen. Da hörten sie dann einen Text, zu dem sie in genau abgemessenen Pausen das übliche “Wer-wird-Millionär-Ankreuzspielchen” machen mussten. Derweilen grübelten die Deutschlehrer und -innen, warum man ihnen in der Ausbildung eingehämmert hat, der 40minütige Lehrervortrag habe ausgedient, da kein Schüler dabei etwas lerne.
   In der aktuellen Lernstandserhebung ging es besonders lustig zu. Hier lasen z. B. die Schüler in einem Text über Fotografie, dass “es dem Franzosen Louis Jacques Dauguerre (…) gelang, ein Bild auf einer mit Silber beschichteten Kupferplatte festzuhalten.” Eine der Fragen zum Text lautete dann: “Wieso hieß die Erfindung ‚Dauguerrotypie’?” Unter der Annahme, dass man sie wie bei der 64000-Euro-Frage hinters Licht führen will, suchten die Schüler vergeblich in dem Text nach der Antwort, was eine “Typie” ist. Erst die Anweisung des Lehrers: “Denkt hier mal so einfach wie nur möglich!” brachte sie auf die erwartete Antwort: “Weil sie ein Mann namens Dauguerre erfunden hat.”
   Darüber hinaus durften in dieser Erhebung Schüler ein bisschen Mathe machen, indem sie zwei Zahlen in einer Statistik addierten. Am lustigsten ging es aber da zu, wo sie zeigen konnten, dass sie echte Indianer sind. Sie mussten sich nämlich ganz genau acht sehr alte Fotografien ansehen, auf denen ein galoppierendes Pferd zu war. Anschließend mussten sie angeben, auf welchen zwei Fotografien zu sehen ist, dass das Pferd “fliegt”, also mit keinem Hufen den Boden berührt.
  Wenn sich nun in diesem Blog ein Uneingeweihter verirrt hat und sich ernsthaft fragt, was das Ganze zur Verbesserung des Deutschunterrichts beitragen soll, so muss der Verfasser mit den Schultern zucken. Ein einziges Mal erhielten bisher Schüler einen Auswertungsbogen, in dem sie etwas über ihre Lesestärken und -schwächen mitgeteilt bekamen. Da diese Auswertung aber erst Monate nach dem Test erstellt wurde, interessierte sie niemanden mehr. Welche Lesetypen es gibt, beantworten die Erhebungen nicht. Sie beantworten auch nicht, welche Situationen dem Lesen zu- oder abträglich sind. Oder wie sich das genießende Lesen einer spannenden Abenteuergeschichte von dem analytischen Lesen eines Textes unterscheidet. Oder auf welche Art soziokulturelle Bedingungen die Lesefähigkeit beeinflussen. Kurzum der diagnostische Wert dieser Erhebungen liegt bei glatt Null, da er zu indifferent ist. Indifferent deshalb, weil er die gesamte Lese-Vita des Achtklässlers “austestet” und z. B. die Fachkonferenz Deutsch eines Gymnasiums absolut nicht feststellen kann, welche tieferen und zeitlich weit zurückliegenden Ursachen eine eventuelle Leseschwäche hat. Dementsprechend ist seit 2005 auch nichts passiert und es wird auch zukünftig nichts passieren, was irgendwelche Auswirkungen auf die Methoden des Deutschunterrichts hätte. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens der Spaßfaktor erhalten bleibt.

Von schönen Scheinwerfern

Ein Scheinwerfer geht aus - das Theaterpublikum trauert. Ja, mit so viel schönem Schein hat selten jemand um sich geworfen wie der gutte Baron: Mitarbeit bei namhaften Zeitschriften, Prädikatsexamen, Doktortitel! Und dann noch: Authentizität, Ehrlichkeit, Tatkraft, als wärs aus einem der zahlreichen Hedwig Courths-Mahler Romane. Nun auf einmal ist der schöne Schein aus. Bei Tageslicht wird klar: alles nur Lug und Trug. Das Theaterpublikum muss aufstehen und nach Hause gehen. Wo alles so trist ist. Wie fürchterlich …
Kanzlerin Merkel hat sich übrigens schärfstens gegen die Kritik der anderen Parteien verwahrt. Keiner habe, sagte sie in die Mikrophone und bei tosendem Applaus der CDU-Freunde, ihr zu erzählen, was Anstand und was Ehre seien! Nicht Gysi, nicht Trittin und schon gar nicht Sigmar Gabriel! Da muss man ihr ausnahmsweise mal Recht geben. Denn kein Politiker, der irgendwann und vor allem irgendwie zu einem sogenannten politischen Entscheidungsträger geworden ist, kann irgendjemandem anderen etwas über Anstand und Ehre erzählen. Schon eher was darüber, wie man zu einem geschmierten Lappen oder noch einfacher zu einem Schmierlappen wird. Machen wir uns nichts vor - nur in unseren Schulen wird noch der Versuch unternommen, aus Kindern anständige und ehrliche Menschen zu machen. Und rücksichtsvolle. Und hilfsbereite. Und glückliche. Ob wir als Lehrer vielleicht auch nur dem schönen Schein hinterherträumen? Na klar doch! Ein helles Licht am Horiznont braucht jeder!

Zur Etymologie der Wörter Lumpen und Lump und noch etwas über die Lumpensammlerin

Lumpen m. (< 15. Jh.). Fnhd. lumpe. mit Vokalvariation zu mhd. lampen ’schlaff hunterhängen’. Weitere Herkunft unklar. Adjektive: lumpig, zerlumpt.
Lump m. stil.(< 17. Jh.). Das Wort hat sich von dem ursprungsgleichen Lumpen sekundär differnziert. Bedeutungsübertragungen (wie etwa auch bei Waschlappen) im Sinn von ‘zerlumpter Mensch’, aber auch ’schlaffer Mensch, Weichling’. Sich nicht lumpen lassen gehört zu lumpen swV. ‘jmd. einen Lump schelten’. (Beide Erklärungen aus: Kluge, Etymologisches Wörter der deutschen Sprache, Berlin, 1999, S. 528 und 529)
Worauf Kluge bei “jmd. einen Lump schelten” nicht weiter eingeht, ist, dass mit “Lump” hier ein unehrlicher Mensch bezeichnet wird, der auf Kosten anderer lebt und das auch noch gut findet. Also z.B. unser Baron zu Guttenberg.
Eine Lumpensammlerin war früher eine arme Frau, die ihrer Armut dadurch zu entgehen versuchte, indem sie verbrauchte Stoffe aufsammelte und - um es mal modern zu sagen - der Wiederverwendung zuführte. Trotz ihrer niedrigen gesellschaftlichen Stellung als Abfallsammlerin wurde die moralische Integrität dieser Frau nie angezweifelt. Das hat sich Dank Bundeskanzerlin Merkel diese Tage geändert.

Zum guten Schluss: Du sollst nicht stehlen!

Der Fall: Kollege Müller erklärt sich bereit, einen erkrankten Kollegen für längere Zeit zu vertreten. Es soll ja schließlich für die betroffenen Schüler möglichst wenig Unterricht ausfallen. Damit die Stundenpläne nicht zu sehr durcheinandergebracht werden, erteilt der Kollege Müller den Unterricht am Nachmittag. Nachdem der erkrankte Kollege wieder zurück ist, schreitet Kollege Müller zur Abrechung der Überstunden, denn als solche wurden sie ihm angetragen.
Zu seiner großen Verblüffung erfährt Kollege Müller aber, dass ihm nur die Hälfte der Stunden anerkannt wird, denn während er Überstunden gemacht hat, haben sich in sein Stundendeputat leider auch die sogenannten “mehrarbeitsschädlichen Stunden” eingeschlichen. Diese Stunden sind beim Kollegen Müller z.B. dadurch entstanden, dass in einer 10 Klasse eine Zentrale Abschlussprüfung stattfand. Kollege Müller war zwar da, wollte auch unterrichten, durfte aber nicht. Eine weitere “mehrarbeitsschädliche Stunde” entstand dadurch, dass Schüler beraten wurden. Auch hier wollte Kollege Müller seinen Unterricht machen, er durfte es aber nicht. All diese Stunden müssen laut einer Vorschrift des Schulministeriums von den Überstunden abgezogen werden. Kurzum: ganz im Sinne des Wortes “schädlich” bereichert sich das Land parasitär am Einsatz von Kolleginnen und Kollegen.
Und nun ein anderer Fall: Eine Schulministerin ist abgewählt und darf endlich gehen. Sie hat im Verlauf ihrer fünfjährigen Dienstzeit Pannen und dank ihres Talents zum Flachdenken Peinlichkeiten ohne Ende produziert. Versuche, ihr für 200 000 Euro richtiges Sprechen beizubringen, sind kläglich gescheitert. Zum Abschied räsonierte sich nochmal in der WAZ über ihre Vorliebe für schnelle Autos und Miniröcke. Diese Ministerin, sie ist 61, hat aufgrund ihrer fünfjährigen Dienstzeit Anspruch auf 4064 Euro Pension lebenslang erworben und kassiert sie ab dem nächsten Monat auch ein.
Nun ist der hier dargestellte Sachverhalt nicht neu, er existiert vielmehr seit Anbeginn der menschlichen Sozietät. Der Beweis ist leicht erbracht: Nur diejenigen konnten sich das Gebot “Du sollst nicht stehlen!” ausgedacht haben, die schon etwas hatten und sich darum sorgten, dass es ihnen abhanden kommt. Dass sie ihre Besitztümer nicht rechtmäßig erworben hatten, ergibt sich gleichfalls aus dem Gebot. Hätten sie es nämlich getan, dann hätte das 4. Gebot lauten müssen: “Du sollst teilen!”
Schöne Ferien!

Bei europaweiter Beliebtheitsumfrage Lehrer auf Platz 2

Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat eine internationale Studie zum Vertrauen der Bürger in verschiedene Berufsgruppen und Organisationen in Auftrag gegeben. Befragt wurden ca. 18.000 Menschen in 19 Ländern. In Deutschland landeten mit 97% die Feuerwehrleute auf Platz 1 der vertrauendswürdigsten Berufsgruppe. In den anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Auf Platz 2 finden sich in Deutschland mit 87% die Ärzte, auf Platz 3 die Polizisten mit 86%. Dass diese Berufsgruppen so hoch in der öffentlichen Meinung angesiedelt sind, verwundert wegen ihrer lebensrettenden, bzw. -schützenden Funktion nicht. Für die ziemlich mies bezahlten Feuerwehrleute mag das sogar eine schwache Kompensation sein. Europaweit rangieren gleichauf mit diesen Berufsgruppen auch die Lehrer (Platz 2 zusammen mit den Ärzten). In Deutschland vertrauen 85% der Befragten Lehrern, was den 4. Platz ausmacht. Verglichen mit 2009 haben wir sogar einen Prozentpunkt zugelegt. In Deutschland und auch in Europa verloren hat nach all den Skandalen der Klerus (56%, Platz 15) und auch die Banker. Auf dem vorletzten Platz landen Manager (17%), auf dem letzten Platz wie in den Jahren zuvor mit 14% Politiker. Was ziemlich verwundert, ist, dass auf den hinteren Plätzen auch die Journalisten rangieren (42% und damit 1 Prozent weniger als im letzten Jahr).
Hier kann man Genaueres nachlesen:
Gfk
Spiegel Online

Die Gemeinschaftsschule der SPD


Was die derzeitige schwarz-gelbe Regierung in NRW schulpolitisch nach dem Wahlsieg im Mai machen will, muss jemandem, der die letzten 5 Jahre mit Schule zu tun hatte, nicht groß erzählt werden: Ausbau des Ganztags, individuelle Förderung der Schüler und vor allem Beseitigung all der Fehler, die man sich in dem eiligst zusammengeschusterten G8-Abi geleistet hat.
Interessanter wird es eher, wenn man sich einmal anschaut, welche Vorstellung von Schule die SPD entwickelt hat, nachdem sie Zeit hatte, ungestört vom Tagesgeschäft 5 Jahre darüber nachzudenken.
Besucht man einmal die entsprechenden Wahlprogrammseiten im Netz, Den Rest des Eintrags lesen »

Spickmich vom NRW-Schulministerium: SEfU (Schüler als Experten für Unterricht)

Seit Kurzem ist auf der Web-Seite des Schulministeriums ein Fragebogen für Lehrer und Schüler freigeschaltet, in dem Einschätzungen zum eigenen Unterricht angeklickt werden können. Das Schulministerium selbst erklärt es so: “SEfU ist ein Instrument zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts, das speziell für die Unterstützung der individuellen Unterrichtsentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern konzipiert wurde. Es bietet der bzw. dem Lehrenden die Möglichkeit, sich ein Bild über den eigenen Unterricht zu schaffen, und zwar aus Sicht derer, für die er gestaltet wird: die Schüler.”

Die Evaluation erfolgt dann über z.B. folgende Kriterien: Sie/Er, gestaltet den Unterricht interessant, Unterrichtsergebnisse werden für mich verständlich zusammengefasst, Sie/Er lässt Gruppenarbeit zu usw. usf.
Die Ähnlichkeit zu den Kriterien auf Spickmich ist verblüffend und liefert genau wie dort letztendlich nur allgemeine und daher komplett unscharfe Ergebnisse. Von einem von der Friedrich-Schiller-Universität Jena betreuten Projekt hätte man präzisere Kriterien erwarten können. Präziser wäre es z.B., wenn die Schüler ein umfangreiches Spektrum von Methoden anklicken könnten, die Unterricht interessant machen. Aus der Auswertung dieser Kriterien könnte der Unterrichtende dann genau ersehen, wie vielfältig seine Methoden sind und was sich die Lernenden vorrangig wünschen. Den Rest des Eintrags lesen »

Rückblick - Ausblick

Eine merkwürdige Stille ist im Schulministerium eingekehrt - kaum noch hört man etwas von unserer Schulministerin Sommer, ihr Mitarbeiterstab scheint seit Oktober in den Winterschlaf gefallen zu sein. Das ist natürlich gewollt - all das Neue, das man sich hat einfallen lassen (oder das dadurch zustande gekommen ist, dass man sich gar nichts hat einfallen lassen) soll erstmal ausprobiert werden. Und dann gibt es ja noch die Wahlen im Mai 2010, da kommen Experimente eh nicht gut an.
Diese plötzliche Ruhe sollte einen aber nicht so weit einschläfern, dass man vergisst, was eigentlich alles in letzter Zeit passiert ist und welchen immensen Belastungen Lehrerinnen und Lehrer ausgesetzt waren. Der Tätigkeitsbericht des Personalrats an Gymnasien hat es dankenswerter Weise noch einmal in Erinnerung gerufen. Im Einzelnen waren es: Den Rest des Eintrags lesen »