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Archiv der Kategorie SPD-Schulkonzept
Das große Rumgeeier
4.10.2010 von NRW-Schulblog.
Nach dem großen Wahltamtam zum Thema “Schule”, in dem sich die SPD mehr Kompetenz in der Bildung zusprach als allen anderen Parteien, schenkte Ministerpräsidentin Kraft das Schulministerium einfach der Vorsitzenden der Grünen, Sylvia Löhrmann. Die dachte als ehemalige Gesamtschullehrerin, das werde schon gutgehen, eine ehemalige Grundschullehrerin habe es schließlich auch gekonnt, und nahm den Job an. Als erstes ermahnte sie dann zum auslaufenden Schuljahr 2009/2010 in der WAZ die Lehrer der Gymnasien, nicht so viele Sitzenbleiber zu produzieren. Eine Aufstockung der Lehrerstellen zur Beseitigung von Klassen mit 33 Schülern stellte sie nicht in Aussicht. Auch nicht eine Senkung der Anforderungen, damit jeder Schüler, unabhängig von seiner Intelligenz und seiner Lernwilligkeit, die gymnasialen Hürden schafft.
Zu Beginn des Schuljahres schrieb Ministerin Löhrmann einen Brief an die Lehrerinnen und Lehrer. Darin stand, dass sie sich auf alles Mögliche freut. Und dass sie Lehrer, Schüler und Eltern mitnehmen will. Ach ja, und dass die Qualität des Unterrichts verbessert werden soll, und zwar durch Fortbildung.
Anschließend las man ab und zu was in der Zeitung. Zum Beispiel, dass die Gemeinschaftsschule als Modellvorhaben gestartet wird. Ein paar Schulen dürfen sich anmelden, der Rest nicht, sonst wärs ja kein Modellvorhaben. Die CDU witterte dahinter Subversion (sprich: Einfühung einer Gemeinschaftsschule durch Schaffung von Tatsachen), wandte sich dann aber anderen Themen zu. Heute konnte man in der WAZ lesen, dass es für die Rückkehr der Gymnasien zum neunjährigen Abi “Hürden” gibt. Die Gymnasien, die parallel acht und neun Jahre anbieten wollen, müssen sich praktisch sofort entscheiden. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet, um “Vor- und Nachteile zu vergleichen” (WAZ, 4.10.2010). Vor- und Nachteile von was? Dem Nebeneinander von zwei Modellen in einer Schule? Dem Abi nach acht Jahren? Dem Abi nach neun Jahren? Man darf gespannt sein, ob sich im Lande eine einzige Schule findet, die sich dem Wahnsinn aussetzt und in einer Zeit, in der in der Oberstufe zwei Jahrgänge gleichzeitig zum Abitur gebracht werden müssen, Löhrmanns Parallel-Spielereien mitmacht.
Warnen muss man davor auf jeden Fall! Die SPD hat nämlich die Gemeinschaftsschule nicht etwa aufgrund eines breiten wissenschaftlichen Konsensus, dass längeres gemeinsames Lernen tatsächlich besser ist, auf ihre Fahnen geschrieben, sondern einfach nur so, um sich politisch von der CDU abzusetzen. Und weil der Begriff “Gemeinschaft” einfach klasse klingt in einer Zeit gieriger Banker und anderer die Gemeinschaft schädigender gewissenloser Schmierlappen.
Klingt zu holzschnittartig? Zu polemisierend?
Gemach, Freunde des eleganten Diskurses!
Am 02.September 2010 (Spiegel Online) hat kein anderer als die SPD im Saarland die CDU(!!!), die Grünen, die FDP(!) und die Linken schwer geschockt, indem sie Knall auf Fall aus dem Projekt “Länger lernen in einer Grundschule mit 5 Schuljahren” ausgestiegen ist. Um dieses Projekt realisieren zu können, hätte im Saarland die Verfassung geändert werden müssen. Eigentlich, so Schulminister Kessler (Grüne), waren sich alle Fraktionen einig, dass dies geschehen soll. Doch die SPD verlor nach einer Beratung mit Peter Daschner vom Hamburger Institut für Lehrerbildung einfach die Lust - zu bedrohlich stellte sich plötzlich der Wähler dar, der per Volksentscheid die Politiker für ihre Selbstherrlichkeit abstraft.
Nun will die SPD im Saarland die Gemeinschaftsschule ins Leben rufen! Mit 23 Schülern pro Klasse!!! Sollte der Wähler aus irgendeinem Grund dagegen sein, wird die SPD per Telefonkonferenz (so im Falle der verlängerten Grundschulzeit geschehen) die Idee wieder fallen lassen. Und eine andere grandiose Idee aus dem Hut zaubern. Zum Beispiel die: Die Paradiesschule - gemeinsames Lernen von Jung und Alt auch über den Tod hinaus!
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Der große Augenreib!
31.5.2010 von NRW-Schulblog.
Man muss schon die Grammatik verbiegen, um das Staunen auszudrücken, das einen heute bei der Lektüre der Tageszeitung heimsuchen konnte. Da erklärt doch Ute Schäfer, vom 2002 bis 2005 Schulministerin in NRW: “Die Kompetenz für Bildung liegt eindeutig bei uns, wir sind gewählt worden, um diesen Politikwechsel zu gestalten.” (WAZ, 31.05.2010, S.1) Erst einmal sollte man hier festhalten, dass der konstatierte Auftrag zum Wechsel mit dem schlechtesten Wahlergebnis der SPD in NRW einhergegangen ist (Wahl 2005: 37.1 %,2010: 34,5%). Die Massen von Eltern, die eine Änderung des Schulsystems herbeisehnten - das schwingt in dem Satz mit -, hat es also gar nicht gegeben. Im Gegenteil - schaut man sich die schlechte Wahlbeteiligung an, dann sind die Massen ganz offensichtlich zu Hause geblieben.
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