NRW bleibt auf jeden Fall Schlusslicht

Der im Oktober 2013 vorgestellte bundesweite Schulleistungsvergleich hat gezeigt, dass die Kompetenzen von NRW-Schülern (9. Klasse) in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gerade mal (wieder) reichen, um als das sogenannte „Schlusslicht“ in der Bildungslandschaft rot aufzuleuchten. Im Vergleich zu Sachsen liegen unsere Schüler z.B. in Mathematik etwa zwei Schuljahre zurück (Sachsen 544 Punkte, NRW 476, 25 – 30 Punkte bedeuten einen Rückstand von einem Schuljahr). In Physik sieht es nicht viel besser aus.
Fachleute haben die Gründe der Misere in der hohen Anzahl von Migranten gefunden, die allein ihrer sprachlichen Probleme wegen dem Schnitt hinterherlaufen, weiter war die Rede von bildungsfernen Familien, hoher Arbeitslosigkeit, hohem Anteil an Alleinerziehenden, ferner von der negativen Einstellung der Schüler zu den MINT-Fächern (die soll im Osten durchweg positiver sein) und selbstverständlich auch von Problemen bei der Ausbildung von Lehrern.
Schulministerin Löhrmann wollte erstmal gar nicht viel erklären. Sie sagte lediglich, sie wolle die Schuld auf keinen Fall den Lehrern unseres Landes zuweisen, bei Gelegenheit aber mal schauen, was die Kollegen in Sachsen besser machen. Damit hat sie dann doch die Schuld den Lehrern gegeben.
Und sonst? Sonst bleibt alles beim Alten.
Beim Alten heißt:
– NRW wird weiterhin dafür sorgen, dass es für die Bildung pro Schüler ledigich 5000 Euro im Jahr ausgibt und damit auf der Investitionsskala der Länder den letzten Platz einnimmt. Thüringen leistet sich beispielsweise 7700 Euro pro Schüler. Gerade NRW mit seinen vielfältigen Migrantenproblemen müsste zwingend mehr investieren, aber das Geld fehlt, außer man nimmt sich vor, die Abgeordnetendiäten zu erhöhen, da will man auf keinen Fall Schlusslicht sein
– NRW wird auch weiterhin dafür sorgen, den Beruf des Lehrers so unattraktiv wie möglich zu machen. Jemand, der eines der MINT-Fächer erfolgreich studiert hat, muss geistig nicht ganz beisammen sein, wenn er sich entschließt, in den Schuldienst zu gehen. Statt gerechter Bezahlung erwarten ihn hier willkürliche Kürzungen des Gehalts, statt pädagogischer Unterstützung der Behörden juristische Kleinkrämerei und ein überbordender Formalismus, statt einer Schulleitung, die Perspektiven entwirft und fördert, eine Schulleitung, die unter der Bürde von Erlassen ächzt und schlaflose Nächte wegen möglicher formaler und daher gerichtsverwertbarer Verstöße hat
– NRW wird auch weiterhin dafür sorgen, dass an 2900 Grundschulen 1097 Stellen in der Leitung nicht besetzt sind, davon 435 für Rektoren. 109 von Löhrmann großzügig zugeteilte Stellen sollen die „Leitungszeit“ erhöhen. Es fragt sich nur, wie diese „Stellen“ arbeiten sollen. Etwa, indem sie von unterbesetzter zu unterbesetzter Grundschule fahren und dort die Aufgaben der nichtvorhandenen Schulleitung erledigen? Nicht weiter verfolgen darf man den Gedanken, was eigentlich mit den Startchancen der Kinder ist, die an derart unterbesetzten Grundschulen einfach nur noch irgendwie verwaltet werden
– NRW wird sich übrigens auch nicht sonderlich um die Inklusion kümmern, und zwar da, wo sie wirklich stattfindet, nämlich in der Klasse. Auf der neu gestalteten Homepage des Schulministeriums antwortet Schulministerin Löhrmann auf die Frage, ob die vielfach geforderte „Doppelbesetzung“ in den „Integrationsklassen“ auch realisiert werden kann, dass das gar nicht nötig sei (haben die Wissenschaftler Prof. Klemm und Prof. Preuss-Lausitz festgestellt, fragt sich nur wie, etwa indem sie selbst unterrichtet haben? Und zwar ein Schuljahr lang? Tag für Tag?). Wichtig ist, so Löhrmann, „eine von Schulleitung und Kollegium initiierte und gelebte, institutionalisierte Teamentwicklung“. Im Klartext ist dieser Satz so wiederzugeben: Wichtig ist initiierte und gelebte Mehrarbeit. Selbstverständlich ohne Bezahlung.
Und dann zum Schluss noch dies bemerkt: Wie man oben lesen kann, spricht das Schulministerium von „Integrationsklassen“ (klicke hier). Hat man uns aber nicht lang und breit erklärt, dass Behinderte eben nicht „integriert“, sondern „inkludiert“ werden sollen? Ja, dass Integration geradezu der falsche Weg sei, da er den Behinderten einen Lebensweg vorschreibt, der ihre Persönlichkeit negiert, sie gar deformiert. Das hat man uns in der Tat erklärt.Dem Schulministerium in NRW ist das wohl ziemlich wurscht. Wie so vieles andere auch.

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