Genetische Disposition zum Schlucken von Bitterem

Es ist noch gut in Erinnerung, wie sich Anfang 2012 die Abgeordneten aller Parteien des NRW-Landtags in seltener Übereinstimmung und nie dagewesener Harmonie eine Erhöhung der Abgeordnetenbezüge um 500 Euro im Monat genehmigt haben. Die dadurch entstehenden Mehrkosten in Millionenhöhe waren ihnen völlig Wurscht, es ging ja um das Stopfen der eigenen Taschen. Dieser Blog hat auch dokumentiert, dass manch ein Abgeordneter die Dreistigkeit noch öffentlich zu seinem finanziellen Nachteil runtergerechnet hat (s.500 mehr ist weniger).
Nun ist seit dem 18.03.13 klar geworden, wie SPD und Grüne das Geld wieder reinholen wollen, indem sie nämlich eine ganze Gruppe von Beamten von einer Erhöhung der Bezüge und Pensionen ausnehmen. So weit, so bekannt. Das geht ja nun seit Jahren schon so, eigentlich nichts Neues.
Verwunderlich ist jedoch in diesem Zusammenhang, wie Lehrerinnen und Lehrer trotz der immensen finanziellen Einschnitte der letzten Jahre (Erhöhung der Arbeitszeit, Wegfall Urlaubsgeld, Kürzung Weihnachtsgeld, Degradierung zum Bittsteller bei der Beihilfe, die scheinbar willkürlich erstattet oder auch nicht) wie also Lehrerinnen und Lehrerer immer noch mit einem unglaublichen Engagegement ihrer Arbeit nachgehen. Da wird zusätzlich zu dem de facto 42-Wochenstunden-Arbeitsstress (umgerechnet aufs ganze Jahr!) jede Menge Freizeit investiert in Telefonate mit Eltern sowie Elternstammtische, in Klassenfeste, Kunstausstellungen, Musikabende, Theateraufführungen, die Organisation und Durchführung von Klassen- und Kursfahrten (die jahrelang auch noch aus der eigenen Tasche bezahlt werden mussten) und seit Neuestem in die Etablierung der Inklusion.
Halten wir kurz inne: Gewöhnlicherweise müsste jemand, der über Jahre immer schlechter für seinen Job bezahlt wird, aus lauter Frustration sein Engagement nach und nach auf ein absolutes Minimum reduzieren. Da das bei Lehrerinnen und Lehrern nicht passiert, kann man allen Ernstes die These wagen, dass es doch offenstichlich eine genetische Dispostion geben muss, die die Betreffenden befähigt, Bitteres ohne Ende zu schlucken, ohne dabei eine Miene zu verziehen, ja ohne sich irgendwann einmal gewaltig zu übergeben. Und zwar in Richtung derer, die das Bittere kübelweise verabreichen.
Die, dessen kann man sich sicher, wissen um diese Disposition genau Bescheid. Es steht deshalb zu befürchten, dass die finanziellen Einbußen, die man jetzt zum wiederholten Male verordnet hat, erst den Anfang darstellen. Irgendwo muss ja nun das Geld herkommen für die Klassenfahrten und seit einem neuerlichen Urteil auch für die Arbeitsmaterialien und bald wieder für eine Erhöhung der Diäten, die, so hört man es im Blätterwald rauschen, an den Bezügen von Richtern ausgerichtet werden sollen.
In einem WAZ-Artikel vom 18.03.13 heißt es übrigens: „Empörte Reaktionen [auf die Sparmaßnahmen, Anm. des Autors] ließen nicht lange auf sich warten. Der DGB warf der Regierung Kraft Vertrauensbruch vor und sprach von ‚Skandal‘.“
Dass die Funktionäre des DGB einer Politikerin / einem Politiker ein Handeln nach moralischen Grundsätzen unterstellen und ihr / ihm Vertrauensbruch vorwerfen, ist in der heutigen Zeit einfach nur niedlich. Übel meinende Kritiker könnten aber auch sagen: selten dämlich!

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