Fußballeuropameisterschaft: Schlafdefizit im Schulministerium

Da viele fußballbegeisterte Schüler wegen der späten Spielanpfiffe offensichtlich zu wenig Schlaf bekommen, dürfen laut Barbara Löcherbach, Pressesprecherin des Schulministeriums, Schulen in NRW mit dem Unterricht später anfangen. Es dürfe aber kein Unterricht ausfallen.
Die Schulgemeinde reibt sich verwundert die Augen. Wie bitte soll das gehen? Man stelle sich vor, eine Schulleitung beschließt den späteren Unterrichtsanfang für den Freitag nach dem Halbfinale und vielleicht noch für den Montag nach dem Finale. Da müssen zunächst einmal alle Eltern benachrichtigt werden, am besten per Anschreiben, damit die Sache juristisch wasserdicht ist. Anschließend müssen die Stundenplanmacher ans Werk. Da ja keine Unterrichtsstunde ausfallen darf (was eine Woche vor den Ferien wahrlich ein Drama wäre), müssen sie die Stundenpläne vollkommen neu organisieren. Schließlich kann man wegen des Nachmittagsunterrichts eine erste Stunde nicht einfach an die sechste anhängen. Diese neuen Pläne müssen sie dann allen betroffenen Lehrerinnen und Lehrern sowie den Klassen zukommen lassen, am besten gedruckt, damit nichts schief geht. Doch damit nicht genug. Für die erste Stunde müssen Aufsichten organisiert werden, da davon auszugehen ist, dass sogenannte Fahrschüler wegen der nicht geänderten Busfahrpläne pünktlich zur ersten Stunde in der Schule erscheinen. Es ist auch davon auszugehen, dass viele berufstätige Eltern ihren Alltag nicht plötzlich umorganisieren können und die Kinder nach dem fürs Halbjahr geltenden Stundenplan zur Schule schicken. Und überhaupt – hat nicht Schulministerin Sylvia Löhrmann unlängst per Erlass verfügt, dass die fünften und sechsten Jahrgangsstufen auf keinen Fall bei Unterrichtsausfall nach Hause geschickt werden dürfen, damit für berufstätige Eltern Planungssicherheit besteht. Was ist nun mit diesem Erlass? Gilt er während der Fußballeuropameisterschaft oder gilt er nicht?
Abschließend kann man daher nur kopfschüttelnd feststellen: Offensichtlich haben die späten Spielanpfiffe auch im Schulministerium zu gewaltigen Schlafdefiziten geführt. Anders kann man sich einen derart verpennten Vorschlag nicht erklären.

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