Spickmich vom NRW-Schulministerium: SEfU (Schüler als Experten für Unterricht)

Seit Kurzem ist auf der Web-Seite des Schulministeriums ein Fragebogen für Lehrer und Schüler freigeschaltet, in dem Einschätzungen zum eigenen Unterricht angeklickt werden können. Das Schulministerium selbst erklärt es so: „SEfU ist ein Instrument zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts, das speziell für die Unterstützung der individuellen Unterrichtsentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern konzipiert wurde. Es bietet der bzw. dem Lehrenden die Möglichkeit, sich ein Bild über den eigenen Unterricht zu schaffen, und zwar aus Sicht derer, für die er gestaltet wird: die Schüler.“

Die Evaluation erfolgt dann über z.B. folgende Kriterien: Sie/Er, gestaltet den Unterricht interessant, Unterrichtsergebnisse werden für mich verständlich zusammengefasst, Sie/Er lässt Gruppenarbeit zu usw. usf.
Die Ähnlichkeit zu den Kriterien auf Spickmich ist verblüffend und liefert genau wie dort letztendlich nur allgemeine und daher komplett unscharfe Ergebnisse. Von einem von der Friedrich-Schiller-Universität Jena betreuten Projekt hätte man präzisere Kriterien erwarten können. Präziser wäre es z.B., wenn die Schüler ein umfangreiches Spektrum von Methoden anklicken könnten, die Unterricht interessant machen. Aus der Auswertung dieser Kriterien könnte der Unterrichtende dann genau ersehen, wie vielfältig seine Methoden sind und was sich die Lernenden vorrangig wünschen.In der Vorstellung des SEfU-Projekts betont das Schulministerium mehrfach, dass alles komplett anonym abläuft. Allein der Lehrende beispielsweise kann die Ergebnisse der Evaluation einsehen, die Schüler nicht. Man muss allerdings schon bei der Anmeldung die Schulnummer angeben (Plausibiltitätsprüfung, den Vornamen, Namen und eine E-Mail-Adresse. Das ist mehr als bedenklich. In den Datenschutzbedingungen, mit denen man sich zwingend einverstanden erklären muss, findet sich folgende Passage: „Angaben aus den Befragungen und – soweit vorhanden – Adressen werden getrennt verwahrt. Das Forschungsprojekt wird keine Einzeldaten weitergeben, die Ihre Person erkennen lassen könnte.“ Im nächsten Satz wird dieses Zusicherung dann aber schon eingeschränkt, was sich so liest: „Im Übrigen dürfen die zu Zwecken der wissenschaftlichen Forschung erhobenen oder gespeicherten personenbezogenen Daten nur für Zwecke der wissenschaftlichen Forschung verarbeitet oder genutzt werden. In diesem Rahmen dürfen die Daten ggf. – allerdings nur zu Forschungszwecken – auch an andere Forschungsstellen weiter übermittelt werden.“ Und zum guten Abschluss kommt dann die Krönung,in der der Datenschutz komplett ausgehebelt wird und die so aussieht: „Dies gilt auch für den Fall einer Übermittlung an andere Stellen.“

Wer bitte sind die „anderen Stellen“?
Auch wenn vielleicht der eine oder andere Lehrende Spaß finden könnte an dieser eher flachen Evaluation, kann man nach der Lektüre der Datenschtutzbestimmungen nur eines empfehlen:
Finger weg von SEfU!!!

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