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Archive für Februar 2010

Skandal im bayerischen Schulministerium

Wie die Süddeutsche Online heute berichtet, kracht es mal wieder im bayerischen Schulsystem. Nachdem unlängst G8-Schüler gegen den eigenen Schulstress und gleichzeitig die Schonung der “alten” G9-Schüler protestiert haben (wir werden getrieben, die werden gepampert!), kommt nun heraus, dass der bayerische Kultusminister Spaenle den Schulleitern Anweisungen erteilt hat, die G8-Schüler besser zu bewerten. Erlassmäßig hingetrickst hat er das mit einer Aufwertung der mündlichen Noten. Während bei den G9-Schülern die mündliche Note nur einfach, die schriftliche dagegen doppelt fürs Abi zählt, zählt bei den G8-Schülern die schriftliche Note ab sofort nur einfach. Darüber regt sich nun der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus auf und auch Klaus Wenzel, der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), ist mir Kritik und Vorwürfen dabei.
Wir in NRW haben das besser hingekriegt. Um auch hier den Erfolg des G8-Murkses politisch feiern zu können, hat die Schulministerin beschlossen, dass ein Schüler (und natürlich auch eine Schülerin) dann das Abitur zwingend zu bestehen hat, wenn sie in die Sekundarstufe I aufgenommen wurde. Die ersten G8-Schüler, die bereits jetzt am Ende der Sekundarstufe I angekommen sind (Klasse 9), werden daher das Abitur 2013 nicht einfach nur bestehen, sondern mit einer bisher noch nie dagewesenen Bravour meistern!

Spickmich vom NRW-Schulministerium: SEfU (Schüler als Experten für Unterricht)

Seit Kurzem ist auf der Web-Seite des Schulministeriums ein Fragebogen für Lehrer und Schüler freigeschaltet, in dem Einschätzungen zum eigenen Unterricht angeklickt werden können. Das Schulministerium selbst erklärt es so: “SEfU ist ein Instrument zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts, das speziell für die Unterstützung der individuellen Unterrichtsentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern konzipiert wurde. Es bietet der bzw. dem Lehrenden die Möglichkeit, sich ein Bild über den eigenen Unterricht zu schaffen, und zwar aus Sicht derer, für die er gestaltet wird: die Schüler.”

Die Evaluation erfolgt dann über z.B. folgende Kriterien: Sie/Er, gestaltet den Unterricht interessant, Unterrichtsergebnisse werden für mich verständlich zusammengefasst, Sie/Er lässt Gruppenarbeit zu usw. usf.
Die Ähnlichkeit zu den Kriterien auf Spickmich ist verblüffend und liefert genau wie dort letztendlich nur allgemeine und daher komplett unscharfe Ergebnisse. Von einem von der Friedrich-Schiller-Universität Jena betreuten Projekt hätte man präzisere Kriterien erwarten können. Präziser wäre es z.B., wenn die Schüler ein umfangreiches Spektrum von Methoden anklicken könnten, die Unterricht interessant machen. Aus der Auswertung dieser Kriterien könnte der Unterrichtende dann genau ersehen, wie vielfältig seine Methoden sind und was sich die Lernenden vorrangig wünschen. Den Rest des Eintrags lesen »

Rechnung mit 3 Kopfnoten


Damit Lehrer über die Kopfnoten, die später als Fußnoten ausgedruckt werden, beraten können, gab es für die Schüler vor den Halbjahreszeugnissen einen Tag schulfrei, oder anders formuliert: Unterricht fiel für Notenkonferenzen einen Tag lang aus.
Machen wir nun eine kleine Rechnung auf. Nehmen wir an, dass jede Gesamtschule und jedes Gymnasium in NRW 4-zügig sind und eine Klasse am Kopfnotenkonferenztag 6 Stunden gehabt hätte.
Für die Sekundarstufe I. ergibt diese Rechnung 24 Klassen x 6 Stunden = 144 Stunden Unterrichtsausfall an einem Tag pro Schule.
Nun multiplizieren wir munter weiter:
220 Gesamtschulen x 144 Stunden = 31.680 Stunden
628 Gymnasien x 144 Stunden = 90.432 Stunden.
31.680 Stunden + 90.432 Stunden = 122.112 Stunden.
Nehmen wir jetzt mal an, dass in der Sekundarstufe II. an diesem Tag pauschal für beide Schulformen 30 Stunden ausgefallen sind.
220 Gesamtschulen x 30 = 6.600 Stunden
638 Gymnasien x 30 Stunden = 19.140
6.600 Stunden + 19.140 Stunden = 25.740 Stunden.
Und nun kommen wir zur Endrechnung:
122.112 Stunden Sek. I. + 25.740 Stunden Sek. II. = 147.852 Stunden Unterrichtsausfall.
Stellen wir uns zum Schluss einmal vor, diese unglaubliche Anzahl an Stunden wäre in die Bildung der Kinder investiert worden … (an dieser Stelle wird der geschätzte Leser sich selbst überlassen).
Apropos: Die gewaltige Stundenvernichtungsaktion, die sich Ende dieses Schuljahres im gleichen Ausmaß wiederholen wird, ist von der gleichen Frau genehmigt (oder besser: angeordnet) worden, die zu Beginn ihrer Amtszeit die Stammtische mit der Ankündigung erfreute: In NRW wird keine einzige Unterrichtsstunde mehr wegen Konferenzen ausfallen! Dafür werde ich sorgen!

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