Nicht miterlebter Amoklauf an Schule als Dienstunfall?

Im Februar 2002 macht sich der ehemalige Schüler der Staatlichen Wirtschaftsschule in Freising Adam Labus schwer bewaffnet mit einer Maschinenpistole im Schulgebäude auf die Suche nach dem Lehrer S., den er aus Rache erschießen will. Er findet ihn nicht, denn S. liegt zu Hause mit einer Grippe im Bett. Trotzdem läuft der Schüler Amok – er erschießt den Schulleiter, schießt auf einen anderen Lehrer und begeht schließlich Selbstmord. Obwohl er eigentlich ein Riesenglück hatte, steht Lehrer S. seitdem unter Schock und ist dauerhaft dienstunfähig geschrieben. Und er hat geklagt, und zwar auf einen Dienstunfall, da er – so seine Auffassung – nach Paragraf 31, Absatz 4, Satz 1 des Gesetzes über die Versorgung der Beamten „angeriffen“ wurde.
In der Tat stellte sich das Verwaltungsgericht München hinter den Lehrer. Begründung: Der Angriff habe dem Lehrer gegolten, dass er wegen Krankheit abwesend war, ändert nichts an dieser Tatsache. Außerdem habe der Angriff dem Lehrer mittelbar Schäden zugefügt. Klar, dass das Land gegen dieses Urteil Beschwerde einlegte, die auch erfolgreich war. Der Verwaltungsgerichtshof München entschied, dass kein zielgerichteter Angriff des Täters stattgefunden hat. Gleichzeitig ließ der Gerichtshof keine Revision gegen das Urteil zu.
Die Anwältin des Lehrers legte nun ihrerseits Beschwerde dagegen ein und hatte Erfolg. Die Bundesrichter entschieden, dass eine Revision durchaus angebracht ist. Wahrscheinlich am Donnerstag werden sie die Begründung nachliefern. Man darf gespannt sein, ob psychische Schäden, die man ausschließlich aufgrund seiner dienstlichen Tätigkeit erleidet, endlich auch als „Unfälle“ anerkannt werden.

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