Früh eingeschulte Kinder wechseln seltener aufs Gymnasium

08-frueheeinschulung.jpg Die im Juni 2009 veröffentlichten Ergebnisse einer Forschungsarbeit des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und der Universität Hannover zur frühen Einschulung von Grundschulkindern zeigen, dass diese Kinder zunächst bei der Bildungskarriere benachteiligt sind. Die Untersuchungen, denen umfangreiche Datenerhebungen zugrunde liegen, haben erbracht, dass Kinder, die aufgrund von Stichtagsregelungen früher eingeschult werden, am Ende der Grundschulzeit schlechter abschneiden als die älteren Mitschüler (sie punkten z.B. in standarisierten Tests schlechter und das um bis zu 30 Punkte). Dementsprechend sinken auch ihre Chancen um ein Drittel, nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium zu wechseln.
Nach der zehnten Klasse holen diese Kinder dann wieder auf, so eine Studie der Deutsch-Britischen Stiftung und der Leibnitz-Gemeinschaft. Allerdings nicht, indem sie auf ein allgemeines Gymnasium wechseln, sondern indem sie den Umweg über ein berufliches Gymnasium oder eine Fachoberschule wählen.
Ein Plädoyer für eine spätere Einschulung aller Kinder will das ZEW jedoch nicht halten. Logischerweise würden sich da die Probleme nur verschieben, da die jüngeren Kinder wieder die Jüngeren wären. Empfohlen wird also den Eltern, die Stärken und Schwächen ihrer „jüngeren“ Kinder genau abzuwägen.
Eine handfeste Hilfe zur Entscheidung bietet das ZEW im gleichen Beitrag der News, Ausgabe Juni 2009, an. Da heißt es: „dass der finanzielle Gewinn durch den früheren Arbeitsmarkteintritt den Verlust der früheren Einschulung überwiegt“ (Ergebnis einer Simulation).
Anders formuliert: Eine kaputte Kindheit voller Schulfrust (vom Frust in der Familie ganz zu schweigen) kann zum Glück später locker durch ein längeres Arbeitsleben und ein paar Eurolein mehr ausgeglichen werden. Na, dann wollen wir ja zufrieden sein.

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