New York sperrt unliebsame Lehrer in der Schule ein

Anders als oft angenommen, sind Lehrer in den USA kein Freiwild, das man anstellen und entlassen kann, wie es einem passt, sondern genauso unkündbar wie ein beamteter deutscher Lehrer (allerdings erst nach dreijähriger Anstellung). Was tut man nun aber mit einem Lehrer, der sich nach seiner Festanstellung als unfähig entpuppt oder den man einfach loswerden will, weil er z.B. vor seinem Chef nicht im Staub gekrochen oder in seinem Job krank geworden ist?
Man sperrt ihn einfach in der Schule ein.
Man zwingt ihn morgens zu kommen und schickt ihn in einen „rubber room“, in dem er rumsitzen muss, bis die Schule aufgehört hat. Er darf mit anderen Lehrern im Raum Karten spielen, er darf lesen und debattieren. Er darf aber nicht telefonieren, keinen Laptop benutzen und auch keinen MP3-Player.
Schätzungsweise 600 Lehrer in New York verbringen momentan den Schultag im „rubber room“, die meisten dösen vor sich hin oder / und bekommen Depressionen. Viele der Lehrer wissen gar nicht so recht, warum sie nicht mehr unterrichten dürfen. Bürgermeister Michael Bloomberg und Joel Klein, der Bildungspolitiker, verfolgen mit dieser Methode ein klares Ziel: sie wollen die unliebsamen Lehrer dazu bringen, von selbst zu kündigen. Bringt ein Lehrer jedoch die Kraft auf, sich zu wehren, bekommt er erstmal einen „peer“, einen Berater, vor die Nase gesetzt, der ihn ein Jahr lang im Unterricht begleitet und Berichte schreibt. Dann geht es wieder in den „rubber room“ und ein endloses Schiedsverfahren setzt ein.
Die „rubber roomms“ heißen übrigens in der Behördensprache „Temporary Reassignment Center“. Klingt doch unheimlich gut, oder? Deshalb darf man schon gespannt sein, wann diese Sache auch bei uns eingeführt wird. Um z. B. Lehrer aus dem Verkehr zu ziehen, die immer noch die Note „mangelhaft“ erteilen, wenn ein Schüler nicht gelernt hat.
Bei NEWYORKER kann man viel mehr zu dem Thema nachlesen!

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