Bildung zu Dummies


Bildungsferne Schichten verhindern anspruchsvolles Lernen und entmündigen die Schule.

Nicht dass das neu wäre, was jetzt mit sog. Kernlehrplänen und ihrer geforderten Umsetzung passiert, nur die Spannung zu progessiven Verlautbarungen und aktuellen Herausforderungen scheint mir größer als bisher.
 Zum x-ten Mal wird derselbe inhaltliche Quark (zumindest in Politik/Sowi) unter „neuen“ Überschriften breitgetreten und ebenso zum x-ten Mal in meiner Lehrerlaufbahn werden dieselben Lernziele, die immer schon eine Rolle spielten und spielen, (um-)formuliert und „neu“ aufgerastert.

Neu scheint mir die zunehmende zeitliche Einengung durch weitere kleinkarierte Festlegung auf kursichtige Inhalte und „Kompetenzen“. Woher kommen denn die vernünftigen Inhalte und die guten, oft innovativen Ideen für den Unterricht, die die SchülerInnen interessieren und bisweilen begeistern und unserer Schule auch mal öffentliches Renommee verschaffen? Bestimmt nicht aus den „Kernlehrplänen“.
Wo bleiben denn die modenern Unterrichts- und Schulformen, die den Klassenverband und die Zeiteinteilung (zu Recht) auflösen wollen? Wo bleibt das „selbstständige“ und das „kooperative Lernen“, wo bleiben die außerschulischen Lernorte und -erfahrungen? Wo bleiben die Anforderungen einer Zeit, die mit ihren Wandlungen der gesellschaftlichen und individuellen Realität und den entsprechenden Orientierungen gerade Fantasie und Flexibilität, Experiment und Freiraum von der Schule verlangen?
Selbst die Wirtschaft, diese heilige Kuh, wird an dem „Output“, der durch solche Vorgaben wie den aktuellen Umkrempelungen geprägt werden könnte, keinen Spaß haben.
Und die Schülerinnen und Schüler? Die können einem Leid tun. Ebenso die Eltern und wir uns auch, die wir alle für dumm verkauft werden.
Als wenn früher keine Vergleichbarkeit der Unterrichte und Abschlüsse gegeben wäre, als wenn vorher keine Abiturientin studieren und kein Abiturient einen sinnvollen Beruf hätte ergreifen können.
Und wieder wird uns Mehrarbeit aufgezwungen und unsere Zeit damit vergeudet, diese formalen Anforderungen bildungsferner Schichten in Düsseldorf und Arnsberg für die Schulleitung und den Mülleimer so hinzubiegen und zu -lügen, dass nichts weiter passiert, was den eigenen sach- und schülerorientierten guten Unterricht allzusehr stört.„Fach“-Leute kommen und gehen, das Bemühen um verantwortliche Bildung bleibt uns überlassen.
Leider aber haben jene zwar kein Interesse an Schule, wohl aber die Arroganz der Macht über Erlasse und sog. Qualitätsanalysen, die ebenso wie die diversen Vergleichsarbeiten und zentralen Prüfungen die inhaltliche Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern ersetzen sollen. Unterricht und Lernen werden nicht durch Tests besser, sondern durch Zeit- und Freiräume.
„Selbstständige Schule“ hat gar nicht erst begonnen (außer vielleicht in der Verwaltung des Mangels an Budget und an Lehrkräften) und wird vollends durch diese erneute Gängelung zur Farce.
(eingesandt von
Heinrich G.)

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