Zum guten Schluss

strand.jpgFrisch aus der
Jahresabschlusskonferenz kommend geht mir dieses durch den Kopf:
Qualitätsprüfungen über drei Tage lang a zwölf Stunden mit anschließenden
stundenlangen Auswertungen und weiter anschließenden und zeitraubenden
Zielvereinbarungen zur Steigerung der Qualität und letzte Tage der Aufruf
unserer Schulministerin, in der 9 jeden mitzunehmen, gleich welche Kompetenzen
er erworben hat, damit er bloß nicht Opfer von G8 wird. Tja, die Leute
schleppen wir jetzt bis zu 13 durch, wo wir sie auf keinen Fall werden
durchfallen lassen.
Meine 8 während der Lernstandserhebung im Fach Deutsch, besser: meine Versuche,
die Leute zum Arbeiten zu kriegen, da bei jeder Aufgabe gelacht und gefragt
wird, ob das ernst gemeint sei. Na, wenigstens gab es keinen Text über eine
alkoholkranke Frau, die ihr Leben am liebsten bei einem Männerstammtisch in der
Kneipe verbringt (echt was für Vierzehnjährige). Es gab auch keine
Chirurgenwitze. Und gelobt wurden anschließend von unserer Schulministerin
wegen grandioser Leistungen in der Lernstandserhebung alle. Wir bringen’s eben!
Uns schafft keine Erhebung des Standes gegen das Lernen!
Was war noch? Wir hatten einen tollen Kulturabend-Mix, einen Konzertabend,
Abi-Prüfungen, in denen Schüler über sich hinausgewachsen sind und wirklich
gute Leistungen erbracht haben. DIe Polizeit hat vor der Schule mein Fahrrad
geprüft und es als vorbildlich ausgestattet gelobt. Dafür gab es eine grüne
Plakette. Ich hatte meinen Schulschlüssel verlegt und drei Tage gesucht.
Gefunden habe ich ihn dann zu Hause. Macht das Alter. Alle Klassenarbeitstermine
mussten minuziös vorgeplant sein, weil sonst nichts mehr klappte. Wegen der vom
Schulministerium vorgebenen Termine für die Lernstandserhebungen, Zentralen
Abschlussprüfungen in der 10 und Zentralabitur. Nach diesen Terminen waren alle
Unterrichtsreihen ausgerichtet. Manchmal war ich mit dem Stoff noch gar nicht so
weit, geschrieben werden musste trotzdem. Bei der Korrektur der Zentralen
Abschlussprüfungen 10 in Deutsch bekam ich schon nach dem vierten Heft, in dem
der Schüler wie verlangt persuasiv argumentierte (also nach dem Motto: Ich
laber dich so lange zu, bis du umfällst!) Gehirnkrämpfe. Nach dem sechsten
Heft wusste ich nicht mehr, wie ich die Punkte verteilen sollte und mein Gehirn
löste sich in Pudding auf. Am Ende bekamen alle Schüler Supernoten und
Schwachmatiker, die vorher knapp 4 – standen, fanden unter ihrer Argumentation
eine hervorragende 2. Auch gut. Schule soll schließlich Spaß machen. Wie die
Sesamstraße. Im Herbst gab es einen Sponsorenlauf. Je mehr Runden ein Schüler
rannte, desto mehr Geld bekam er von seinen Sponsoren (Eltern, Großeltern,
Tanten & Onkels). Das Geld wurde in einen Topf geworfen. Knapp 9000 Euro
kamen so zusammen. Das Schönste: Schüler, von denen ich dachte, sie müssten
sich Bewegungsabläufe beim Gehen jeden Tag neu bewusst machen, rannten zehn und
mehr Runden, was immerhin vier und mehr Kilometer bedeutete. Die letzten vier
Wochen ging nichts mehr. Wegen der Termine (s.oben), waren alle Arbeiten
geschrieben und alle Noten standen letztendlich fest. Die Schüler, die ein
hervorragendes Gefühl für Lern-Rhythmen haben, merkten das und hatten gar
keine Lust mehr zu nichts. Gut, dass es zum Schluss eine Projektwoche gab. Ich
habe mich einem Physiker angeschlossen und etwas über die Kepplerschen Gesetze
gelernt. Wir waren in einem Planetarium und am Ende im Gasometer Oberhausen. Da
stand ich unter der grandiosen Nachbildung des Mondes, und glaubte, ich stürze
gleich auf ihn drauf. Von der Schule war ich da tausende von Kilometern
entfernt. Diese Gefühl will ich mir die nächsten sechs Wochen bewahren. Wenn
nicht sogar verstärken.
Allen Lesern schöne & erholsame Ferien!

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