Milch im Kaffee

„Die Rechnung der Gesamtschule Köln-Holweide ist ganz einfach: 1800 Jugendliche lernen hier, sechs Kopfnoten für jede und jeden sind zu erteilen, 10 800 insgesamt. Würde das Kollegium über jede nur drei Minuten reden, bräuchte es dazu 32 400 Minuten, also 540 Stunden – das sind am Stück mehr als 22 Tage und Nächte (aus DerWesten, 15.01.2008)“
Ja, auch an unserer Schule (einem schönen Gymnasium in einer Stadt, die keine mehr ist) hat man Stunden und Stunden damit verplempert, den Wunsch der Wirtschaft zu erfüllen und die Schüler zu klassifizieren. Manche haben sich dabei so brutal die Köpfe heißgeredet und so viele Prinzipien ausgegraben, dass einem schwindlig werden konnte. Was ist am Ende dabei herausgekommen? Bei einer Autofahrt im Januar 2009 hörte euer Masterteacher einen Beitrag im WDR 5, der zum Thema „Kopfnoten“ ging. Es sprach irgendein hohes Tier von der Industrie- und Handelskammer in Münster. In etwa Folgendes sagte der Herr zu den Kopfnoten: „Seitdem wir wissen, dass die Schüler so gut wie automatisch eine 2 bekommen, gucken wir da gar nicht mehr hin. Die Kopfnoten sind für uns inzwischen komplett uninteressant!“
Und was lehrt uns das in Anbetracht der schon wieder anstehenden Kopfbenoterei?
Es lehrt uns, dass alles Absurde in der Schulpolitik sich eines schönen Tages von selbst auflöst. So etwa wie die Milch im Kaffee dazu tendiert, sich harmonisch überall von selbst zu verteilen (Chaostheoretiker sprechen hier von Entropie). Gut, der Vergleich hinkt auf beiden Füßen, aber ich krieg’s am Ende des Schuljahres nicht besser hin.
Euer Masterteacher

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