Und jetzt die Uni für alle

Früher als gedacht, packt die SPD die Uni für alle an. Wie am 16.02.15 in den Medien zu lesen war, echauffiert sich unsere Wissenschaftsministerin Svenja Schulze darüber, dass es an den Universitäten zu viele Studienabbrecher gebe. Der Grund laut der Unis: Defizite der Abiturienten in Mathematik und Texterfassung (!). Das müsse sich zwingend ändern, mahnt die Wissenschaftsministerin an. Und zwar nicht etwa durch eine Verbesserung der gymnasialen Bildung, sondern dadurch, dass die Unis selbst schauen, was sie für diejenigen Studienanfänger tun können, die zwar studierwillig sind, jedoch keine Mathematik können und auch keine Texte verstehen.
Dass die Unis “auf das perfekte Schulsystem warten”, ärgert die Ministerin in diesem Zusammenhang am meisten. Logisch, das kann NRW nämlich noch nicht mal im Ansatz bieten. Verlässliche Zahlen über die Studienabbrecher hat die Ministerin keine. Aus Befragungen weiß sie aber, dass es die meisten Abbrecher in den Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften gibt.
Ja, und damit muss jetzt schnellstens Schluss sein. Reagieren die Unis nicht bald nach dem Willen der Ministerin, dann wird sie wohl zu dem probaten Mittel der Aushöhlung des Systems von Innen greifen: so wie in NRW allein die Eltern darüber entscheiden dürfen, ob ein Kind gymnasialfähig ist, werden in Zukunft Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrem Schulabschluss (also zum Beispiel auch ganz ohne Abschluss) allein darüber entscheiden, ob sie studieren dürfen oder nicht. Die Unis werden dann gezwungen, individuelle Förderprogramme einzuführen (Rechnen und Lesen), usw. usf., siehe Artikel unten …

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Wir basteln uns ein Gymnasium für alle. Eine Anleitung in wenigen Schritten.

1. Schritt:
Man wiederhole als Bildungspolitiker gebetsmühlenartig, dass das Abitur das einzig selig machende Bildungsziel sei. Mittlere Reife oder gar ein Hauptschulabschluss sorgten dagegen für ein Leben in Armut und ohne jede Zukunftsperspektive.
2. Schritt:
Man überlasse es allein den Eltern zu entscheiden, ob ein Kind gymnasialfähig ist oder nicht. Das Urteil der Grundschullehrer und -lehrerinnen stelle man als letztendlich unqualifiziert dar, ja in vielen Fällen sogar als einen verhängnisvollen Irrtum.
3. Schritt:
Der nun rasant wachsenden Zahl von Kindern, die in die fünfte Klasse des Gymnasiums wechseln, obwohl ihre schulischen Leistungen dagegen sprechen, und die dann unweigerlich versagen müssen, begegne man mit der Einführung von “Entwicklungs- und Förderplänen“, die die Fachlehrerinnen und -lehrer nun für jedes dieser Kinder verfassen müssen. Man gestalte diese Pläne so aus, dass sie erstens eine Unmenge von Schreibarbeit erfordern (Beurteilungen, Darstellungen von Stärken und Schwächen, Gesprächsprotokolle unterzeichnet vom Fachlehrer, Klassenlehrer, Eltern, Schülern, anwesenden Zeugen; Schilderungen häuslicher Situation usw. usf.). Man verlange zweitens Evaluationen, die gemeinsam mit den zu Fördernden und ihren Eltern zu vorher festgesetzten Zeiten erfolgen müssen (z. B. Kalenderwoche 15, dann Kalenderwoche 20, dann Kalenderwoche 22 usw. usf.); selbstverständlich verlange man umfangreiche Protokolle der Evaluationsgepräche mit entsprechenden Unterschriften aller Beteiligten. Man drohe drittens und mit größten Nachdruck den Lehrerinnen und Lehrern an (Aufgabe der Schulleitung!), dass die Förderpläne essentielle Grundlage im Fall von Widersprüchen gegen Nichtversetzungen in anschließenden Gerichtsverhandlungen seien und auf gar keinen Fall den schlimmst denkbaren Fehler im Schulsystem, nämlich den Formalen Fehler enthalten dürften. Von den Förderplänen erwarte man insgesamt, dass das Kind trotz fehlender Begabung im Bereich des rein kognitiven Lernens (und diese Begabung benötigt man außer im Sport in allen anderen gymnasialen Fächern), dass das Kind also trotz fehlender Begabung dennoch die Kompetenzen erreicht, die am Gymnasium Standard sind.
4. Schritt:
Eh schon belastet von unzumutbar großen Klassen (NRW gibt pro Schüler in Deutschland das wenigste Geld aus) und ständigem unbezahltem Vertretungsunterricht, überfordert von sozialen Defiziten, die immer mehr Schülerinnen und Schüler mitbringen und ausleben, entnervt von Eltern, die glauben vorgeben zu können, wie guter Unterricht auszusehen habe (für ihr Kind, versteht sich), eingeschüchtert von einer Schulleitung, die ständig vor formalen Fehlern warnt und den Schrecken des Gerichtsprozesses an die Wand malt, und schließlich der banalen Erkenntnis folgend, dass man in ein Kind alles Mögliche hineinfördern kann nur nicht eine nicht vorhandene Eignung für das Gymnasium, erkennen die Lehrerinnen und Lehrer recht schnell den eigentlich Zweck dieser horrenden und vor allem unsinnigen Mehrarbeit und verzichten fortan auf die Zeugnisnoten “Ungenügend” und “Mangelhaft”.
5. Schritt:
Man stelle sich hin und verkünde, dass die Einführung der Fördermaßnahmen an den NRW-Gymnasien ein voller Erfolg sei. Innerhalb kürzester Zeit sei die Quote der Sitzenbleiber gegen Null gesunken.
6. Schritt:
Man senke weiterhin das Niveau des Zentralabiturs ab. In Deutsch genügt dann zum Beispiel eine halbwegs passable Paraphrase des Inhalts, analytische Leistungen treten in den Hintergrund.
7. Schritt:
Man verkünde, dass in NRW ein Großteil der Kinder mit dem Abitur die Schule verlasse.
8. Schritt:
Ermutigt von solchen Erfolgen, kremple man die Ärmel hoch und mache sich daran, in NRW die Universität für alle einzuführen.

Jenseits allen Sarkasmus bleibt festzuhalten, dass die Förderpläne ihren Namen nicht verdienen. Die benachteiligten Kinder werden nämlich nicht einem Förderprogramm der Schule zugeführt, da es diese wegen Lehrermangels (bes. MINT-Fächer) kaum irgendwo ausreichend gibt, sondern sie werden mit ihren Problemen einfach nach Hause geschickt. Wenn Sie dann zu vorher festgesetzten Terminen Leistungen erbringen müssen, zu denen sie wegen ihrer nicht vorhandenen gymnasialen Befähigung gar nicht in der Lage sind, erhöht sich für sie der Stress ins Unermessliche. Für die Eltern wiederum bedeutet es nur eines: das Kind zur Nachhilfe anmelden und zahlen.


Reaktion von Yvonne Gebauer, schulpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im NRW Landtag:


“Die Freien Demokraten teilen Ihre Einschätzung, dass Rot-Grün konsequent eine Absenkung von Qualitäts- und Leistungsstandards am Gymnasium, aber auch an anderen Schulformen vorantreibt. Wir befürchten daher eine schrittweise Entwicklung zu einer leistungslosen Schule, durch die in letzter Konsequenz schleichend alle Abschlüsse entwertet werden. […] (Ihre) Einschätzungen bestätigen m.E. nochmals, in welchem umfangreichen Maße schrittweise eine solche Leistungsnivellierung vollzogen wird. Hierbei werden nicht nur die unverzichtbaren Anforderungen nach und nach zurückgeschraubt, sondern tatsächlich auch eine innere Aushöhlung der Gymnasien umgesetzt, die dem Bildungsauftrag dieser Schulform widerspricht. Für die Vermittlung einer vertieften allgemeinen Bildung ist es notwendig, dass sich hieran auch die Leistungsansprüche orientieren. Diesem Anspruch wird die rot-grüne Landesregierung nicht gerecht. Eine der ersten Maßnahmen bestand vielmehr darin, jedweder Eignungsbefähigung bei der Aufnahmeentscheidung zukünftig keine Rolle mehr zukommen zu lassen. Die Problematik ist hierbei jedoch, dass eine wachsende Zahl von Schülerinnen und Schülern das Gymnasium besucht, ohne diesen unverzichtbaren Leistungsansprüchen zu entsprechen. Die ursprüngliche Absicht ist somit entfallen, Kinder und Jugendliche auch vor Überforderung zu schützen. Nun wird letztlich von SPD und Grünen von den Gymnasien eingefordert, dass sie sich verstärkt um diese Schülerinnen und Schüler kümmern müssten und ein mögliches Scheitern auf die unzureichende Pädagogik der Gymnasien zurückzuführen sei.
Dieses Vorgehen, das in letzter Konsequenz nach wie vor auf die Abschaffung des Gymnasiums abzielt, ist weiterhin erklärtes Ziel insbesondere der grünen Schulpolitik. Im Mittelpunkt stehen nicht individuelle Bedürfnisse, unterschiedliche Begabungen oder Talente, sondern die “eine Schule für alle”. Beste Bildung für alle erreicht man jedoch nicht, indem auf individuelle Talente und Bedürfnisse keine Rücksicht genommen wird.
[…]
Die Freien Demokraten haben z.B. gefordert, dass nach dem Ende des doppelten Abiturjahrgangs jedes Gymnasium gestaffelt nach Größe durchschnittlich eine der nach rot-grüner Lesart nun “überzähligen” Lehrerstellen etwa zur Stärkung der individuellen Förderung erhält. Die Forderung wurde abgelehnt und mit dem Haushalt 2015 der endgültige Abbau dieser Stellen beschlossen. Es ist absehbar, dass dieses Vorgehen die vielfach bereits bestehende fachspezifische Mangelsituation bei der Lehrerversorgung an Gymnasien deutlich verstärken wird.
Die rot-grüne Betrachtungsweise von Bildungspolitik orientiert sich an dem Ziel, dass alle Kinder gleich sein sollen – und sei es auch gleich schlecht. Ebenso wie auch gegenüber anderen Schulformen, etwa den Realschulen oder auch den Berufskollegs, werden Gymnasien darüber hinaus gegenüber integrierten Schulformen in vielfältiger Hinsicht benachteiligt oder strukturell schlechter gestellt. Das betrifft Fragen der Klassengrößen, des Ganztags und der Schulsozialarbeit ebenso wie Errichtungs- und Organisationsbedingungen.
[…]
Wir werden Ihre wichtigen Hinweise in die weiteren schulpolitischen Diskussionen im Landtag einbinden und auch mit diesen inhaltlichen Fragestellungen weiterhin konsequent die Auseinandersetzung mit der verfehlten Bildungspolitik von SPD und Grünen führen.
Mit freundlichen Grüßen
Yvonne Gebauer MdL”

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Offener Brief gegen die PISA-Tests

Offener Brief an Andreas Schleicher, OECD, Paris

Sehr geehrter Herr Dr. Schleicher,

wir wenden uns an Sie in Ihrer Funktion als verantwortlicher Direktor der OECD für das “Programme of International Student Assessment”(PISA). Im dreizehnten Jahr nach seiner Einführung ist PISA heute weltweit als Instrument bekannt, um Ranglisten von OECD-Mitgliedsländern und Nicht-OECD-Staaten (mehr als 60 in der letzten Zählung) zu erstellen und zwar aufgrund der Bewertung von Testleistungen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Die PISA-Ergebnisse werden regelmäßig von Regierungen, Bildungsministern sowie den Herausgebern von Tageszeitungen ängstlich erwartet und werden in zahllosen politischen Dokumenten als unhinterfragbare Autorität zitiert. PISA hat die Bildungspraxis in vielen Ländern inzwischen tiefgreifend beeinflusst. Als Folge der PISA-Tests reformieren Staaten ihre Bildungssysteme in der Hoffnung, ihr Abschneiden im PISA-Ranking zu verbessern. In vielen Ländern führte der mangelnde Fortschritt bei den PISA-Tests dazu, eine “Bildungskatastrophe”oder einen “PISA-Schock”auszurufen, gefolgt von Rücktrittsforderungen und weitreichenden Reformen gemäß PISA-Maßstäben.
Wir sind offen gestanden tief besorgt über die negativen Folgen der PISA-Rankings. Nachfolgend einige unserer Bedenken:
– Obwohl standardisierte Tests schon länger in vielen Ländern (trotz gravierender Vorbehalte gegenüber deren Validität und Zuverlässigkeit) gebraucht werden, hat PISA
zu einer Eskalation solcher Tests beigetragen und zu einem dramatischen Anstieg in
Gebrauch und Bedeutung quantitativer Messungen geführt. So berief man sich bei
spielsweise in den USA jüngst auf PISA als maßgebliche Rechtfertigung für das “Race-
to-the-Top”-Programm. Dieses Programm hat die Bedeutung standardisierter Tests in
der Evaluation von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und Schulleitern weiter verstärkt. Mit solchen Tests wird die Arbeit von Schülern, Lehrern und Schulleitern aufgrund von Testergebnissen bewertet und klassifiziert, die weithin als
ungenau bekannt sind. (vgl. etwa den unerklärten Abstieg Finnlands vom ersten Platz
der PISA-Rangliste).
– In der Bildungspolitik hat der dreijährige Testzyklus von PISA die Aufmerksamkeit auf
kurzfristige Maßnahmen verlagert in der Absicht, schnell im Ranking aufzuholen, obwohl die Forschung zeigt, dass nachhaltige Veränderungen in der Bildungspraxis
nicht Jahre, sondern Jahrzehnte benötigen, um fruchtbar zu werden. So wissen wir
zum Beispiel, dass der Status von Lehrern und das Ansehen des Lehrerberufs einen
starken Einfluss auf die Unterrichtspraxis haben. Dieser Status ist aber von Kultur zu
Kultur sehr verschieden und nicht leicht durch kurzfristige politische Maßnahmen veränderbar.
– Da PISA nur einen engen Ausschnitt messbarer Aspekte von Bildung betont, lenken
die Tests die Aufmerksamkeit von den weniger messbaren oder nicht messbaren Bildungs- und Erziehungszielen wie z.B. der körperlichen, moralischen, staatsbürgerlichen und künstlerischen Entwicklung ab. Dadurch wird die öffentliche Vorstellung von dem, was Bildung ist und sein soll, in gefährlicher Weise verengt.
– Als Organisation für wirtschaftliche Entwicklung ist die OECD naturgemäß auf die
ökonomische Rolle der öffentlichen Schulen fokussiert. Aber die Vorbereitung auf
einträgliche Arbeit kann nicht das einzige, ja nicht einmal das Hauptziel öffentlicher
Bildung und Erziehung sein. Unser Schulwesen muss Schülerinnen und Schüler auch
auf die Mitwirkung an der demokratischen Selbstbestimmung, auf moralisches Han
deln und auf ein Leben in persönlicher Entwicklung, Reifung und Wohlbefinden vorbereiten.
– Im Gegensatz zu Organisationen der Vereinten Nationen (UN) wie UNESCO oder UN
ICEF, die ein klares und legitimes Mandat im Bildungsbereich haben, verfügt die
OECD nicht über ein solches Mandat. Auch gibt es derzeit keine Mechanismen, die
eine wirkungsvolle demokratische Teilhabe an deren Entscheidungsprozessen zu Bildungsfragen ermöglichen.
– Um PISA und eine große Zahl daran anschließender Maßnahmen durchzuführen, ist
die OECD “Public Private Partnerships”und Allianzen mit multinationalen, profitori –
entierten Unternehmen eingegangen, die bereitstehen, um aus jedem von PISA identifizierten -realen oder vermeintlichen -Bildungsdefizit Profit zu schlagen. Einige
dieser Firmen verdienen an den Bildungsdienstleistungen die sie für öffentliche Schulen und Schulbezirke bereitstellen. Diese Firmen verfolgen u.a. auch Pläne, eine profitorientierte Grundschulbildung in Afrika zu entwickeln, wo die OECD derzeit plant,
PISA einzuführen.
– Schließlich und am wichtigsten: Das neue PISA-Regime mit seinen kontinuierlichen
globalen Testzyklen schadet unseren Kindern und macht unsere Klassenzimmer bildungsärmer durch gehäufte Anwendung von Multiple-Choice-Testbatterien, vorgefertigten (und von Privatfirmen konzipierten) Unterrichtsmodulen, während sich die
Autonomie unserer Lehrer weiter verringert. Auf diese Weise hat PISA den ohnehin
schon hohen Grad an Stress an unseren Schulen weiter erhöht und gefährdet das
Wohlbefinden von Schülern und Lehrern.
Diese Entwicklungen stehen in offenem Widerspruch zu weithin anerkannten Prinzipien guter Bildungspolitik und demokratischer Praxis:
– Keine tiefgreifende Reform sollte auf nur einem einzigen, beschränkten Qualitäts
maßstab beruhen.
– Keine tiefgreifende Reform sollte die wichtige Rolle von außerschulischen Faktoren
ignorieren, wozu insbesondere die sozioökonomische Ungleichheit einer Gesellschaft
gehört. In vielen Ländern hat die soziale Ungleichheit über die letzten 15 Jahre dramatisch zugenommen, was die sich ausweitende Bildungskluft zwischen Reich und
Arm erklärt. Diesem sozialpolitischen Problem kommen auch die ausgeklügeltsten Bildungsreformen nicht bei.
– Eine Organisation wie die OECD – wie jede Organisation, die das Leben unserer Ge -sellschaften tiefgreifend beeinflusst – sollte von den Mitgliedern dieser Gesellschaften
demokratisch zur Rechenschaft gezogen werden können.
Doch wir schreiben nicht nur, um Mängel und Probleme aufzuzeigen. Wir möchten ebenso konstruktive Ideen und Vorschläge anbieten, die dazu beitragen können, die oben angeführten Probleme zu verringern. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit nennen wir die folgenden:
– Alternativen zu Ranglisten: Es sind aussagekräftigere und weniger sensationshei-
schende Wege für Bildungsvergleiche zu finden. Es macht zum Beispiel weder pädagogischen noch politischen Sinn, Entwicklungsländer, in denen 15-Jährige regelmäßig zur Kinderarbeit verpflichtet werden, mit Ländern der Ersten Welt zu vergleichen. Zudem setzt dies die OECD dem Vorwurf des Bildungskolonialismus aus;
– Partizipation aller relevanten Akteure: Bis jetzt haben Psychometriker, Statistiker und
Ökonomen den größten Einfluss auf Testkonzeption und -durchführung. Ihnen steht
sicher ein Platz am Tisch zu. Dies gilt aber auch für Eltern, Pädagogen, Vertreter der
Bildungsverwaltung, Studenten und Schüler ebenso wie für Wissenschaftler aus Disziplinen wie der Anthropologie, Soziologie, Geschichte, Philosophie, Linguistik wie
auch der Kunst und den Geisteswissenschaften. Woran und wie wir die Bildung von
15-jährigen Schülern bemessen, sollte Gegenstand von Diskussionen sein, bei denen
alle diese Gruppen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene einbezogen
sind.
– Einbeziehung der vollen Bandbreite nationaler und internationaler Organisationen:
Insbesondere Organisationen, deren Auftrag über den ökonomischen Aspekt öffentlicher Bildung hinausgeht und die sich mit Gesundheit, umfassender Entwicklung, Wohlbefinden und Glück der Schüler und Lehrer beschäftigen. Das würde sowohl die oben erwähnten Organisationen der Vereinten Nationen als auch -um nur einige zu nennen – Verbände von Lehrern, Eltern und Schulverwaltungen miteinschließen.
– Kostentransparenz: Die direkten und indirekten Kosten der Durchführung von PISA
sollten veröffentlicht werden, so dass die Steuerzahler der Mitgliedstaaten alternative
Verwendungen der Millionenausgaben für diese Tests erwägen und bestimmen können, ob sie weiterhin an diesen Tests teilnehmen wollen.
– Unabhängige Aufsicht und Überwachung: Unabhängige internationale Beobachter
teams sollten die Durchführung von PISA von der Konzeption bis zur Umsetzung
überwachen, so dass häufig geäußerte Kritik bezüglich Testformat, Statistik- und Auswertungsmethoden angemessen diskutiert werden kann und Vorwürfe von Einseitigkeit und unfairen Vergleichen geprüft werden können.
– Rechenschaftslegung und Interessenkonflikte: Es sollte detailliert Rechenschaft über
die Rolle privater, profitorientierter Unternehmen in der Vorbereitung, Ausführung
und Nachfolge von PISA abgelegt werden, um scheinbare oder tatsächliche Interes
senkonflikte zu vermeiden.
– Besinnungspause: Die OECD-Testmaschinerie sollte heruntergefahren werden. Um
Zeit für die Diskussion der hier erwähnten Aspekte auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu gewinnen, wäre es nützlich, den nächsten PISA-Zyklus auszusetzen. Das würde Zeit verschaffen, um das Gelernte, das aus den vorgeschlagenen Überlegungen hervorgeht, zu verarbeiten.
Wir zweifeln nicht, dass die PISA-Experten der OECD den aufrichtigen Wunsch haben, Bildung zu verbessern. Aber wir können nicht verstehen, wie die OECD zum globalen Schiedsrichter über Mittel und Ziele von Bildung in der ganzen Welt werden konnte. Die enge Ausrichtung der OECD auf standardisierte Tests droht Lernen in Pedanterie zu verwandeln und Freude am Lernen zu beenden. Durch den von PISA stimulierten internationalen Wettlauf um Testergebnisse hat die OECD die Macht erhalten, weltweit Bildungspolitik zu bestimmen, ohne jede Debatte über die Notwendigkeit oder Begrenztheit der OECD-Ziele. Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden.
(Autorisierte Fassung von “Open Letter to Andreas Schleicher”; Übersetzung: Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V.)
Heinz-Dieter Meyer
Professor, State University of New York
Katie Zahedi,
Schulleiterin, Linden Avenue Middle School, Red Hook, New York
Hinweis: Sie können diesen Brief unterschreiben auf http://oecdpisaletter.org oder auf der GBW-Seite http://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/nein-zu-pisa-offener-brief-an-andreas-schleicher.html

 

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NRW bleibt auf jeden Fall Schlusslicht

Der im Oktober 2013 vorgestellte bundesweite Schulleistungsvergleich hat gezeigt, dass die Kompetenzen von NRW-Schülern (9. Klasse) in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gerade mal (wieder) reichen, um als das sogenannte “Schlusslicht” in der Bildungslandschaft rot aufzuleuchten. Im Vergleich zu Sachsen liegen unsere Schüler z.B. in Mathematik etwa zwei Schuljahre zurück (Sachsen 544 Punkte, NRW 476, 25 – 30 Punkte bedeuten einen Rückstand von einem Schuljahr). In Physik sieht es nicht viel besser aus.
Fachleute haben die Gründe der Misere in der hohen Anzahl von Migranten gefunden, die allein ihrer sprachlichen Probleme wegen dem Schnitt hinterherlaufen, weiter war die Rede von bildungsfernen Familien, hoher Arbeitslosigkeit, hohem Anteil an Alleinerziehenden, ferner von der negativen Einstellung der Schüler zu den MINT-Fächern (die soll im Osten durchweg positiver sein) und selbstverständlich auch von Problemen bei der Ausbildung von Lehrern.
Schulministerin Löhrmann wollte erstmal gar nicht viel erklären. Sie sagte lediglich, sie wolle die Schuld auf keinen Fall den Lehrern unseres Landes zuweisen, bei Gelegenheit aber mal schauen, was die Kollegen in Sachsen besser machen. Damit hat sie dann doch die Schuld den Lehrern gegeben.
Und sonst? Sonst bleibt alles beim Alten.
Beim Alten heißt:
– NRW wird weiterhin dafür sorgen, dass es für die Bildung pro Schüler ledigich 5000 Euro im Jahr ausgibt und damit auf der Investitionsskala der Länder den letzten Platz einnimmt. Thüringen leistet sich beispielsweise 7700 Euro pro Schüler. Gerade NRW mit seinen vielfältigen Migrantenproblemen müsste zwingend mehr investieren, aber das Geld fehlt, außer man nimmt sich vor, die Abgeordnetendiäten zu erhöhen, da will man auf keinen Fall Schlusslicht sein
– NRW wird auch weiterhin dafür sorgen, den Beruf des Lehrers so unattraktiv wie möglich zu machen. Jemand, der eines der MINT-Fächer erfolgreich studiert hat, muss geistig nicht ganz beisammen sein, wenn er sich entschließt, in den Schuldienst zu gehen. Statt gerechter Bezahlung erwarten ihn hier willkürliche Kürzungen des Gehalts, statt pädagogischer Unterstützung der Behörden juristische Kleinkrämerei und ein überbordender Formalismus, statt einer Schulleitung, die Perspektiven entwirft und fördert, eine Schulleitung, die unter der Bürde von Erlassen ächzt und schlaflose Nächte wegen möglicher formaler und daher gerichtsverwertbarer Verstöße hat
– NRW wird auch weiterhin dafür sorgen, dass an 2900 Grundschulen 1097 Stellen in der Leitung nicht besetzt sind, davon 435 für Rektoren. 109 von Löhrmann großzügig zugeteilte Stellen sollen die “Leitungszeit” erhöhen. Es fragt sich nur, wie diese “Stellen” arbeiten sollen. Etwa, indem sie von unterbesetzter zu unterbesetzter Grundschule fahren und dort die Aufgaben der nichtvorhandenen Schulleitung erledigen? Nicht weiter verfolgen darf man den Gedanken, was eigentlich mit den Startchancen der Kinder ist, die an derart unterbesetzten Grundschulen einfach nur noch irgendwie verwaltet werden
– NRW wird sich übrigens auch nicht sonderlich um die Inklusion kümmern, und zwar da, wo sie wirklich stattfindet, nämlich in der Klasse. Auf der neu gestalteten Homepage des Schulministeriums antwortet Schulministerin Löhrmann auf die Frage, ob die vielfach geforderte “Doppelbesetzung” in den “Integrationsklassen” auch realisiert werden kann, dass das gar nicht nötig sei (haben die Wissenschaftler Prof. Klemm und Prof. Preuss-Lausitz festgestellt, fragt sich nur wie, etwa indem sie selbst unterrichtet haben? Und zwar ein Schuljahr lang? Tag für Tag?). Wichtig ist, so Löhrmann, “eine von Schulleitung und Kollegium initiierte und gelebte, institutionalisierte Teamentwicklung”. Im Klartext ist dieser Satz so wiederzugeben: Wichtig ist initiierte und gelebte Mehrarbeit. Selbstverständlich ohne Bezahlung.
Und dann zum Schluss noch dies bemerkt: Wie man oben lesen kann, spricht das Schulministerium von “Integrationsklassen” (klicke hier). Hat man uns aber nicht lang und breit erklärt, dass Behinderte eben nicht “integriert”, sondern “inkludiert” werden sollen? Ja, dass Integration geradezu der falsche Weg sei, da er den Behinderten einen Lebensweg vorschreibt, der ihre Persönlichkeit negiert, sie gar deformiert. Das hat man uns in der Tat erklärt.
Dem Schulministerium in NRW ist das wohl ziemlich wurscht. Wie so vieles andere auch.

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Renommierter Experte zur NRW-Beamtenbesoldung bei Anhörung im Landtag: “offener Rechtsbruch”

Der renommierte Verfassungsexperte der Berliner Staatsrechtler Ulrich Battis hat am 18.06.2013 vor dem NRW-Landtag ein Statement zum Vorhaben von SPD/Grüne, die Beamtenbezüge nur teilweise oder gar nicht zu erhöhen, gehalten. Er habe es nicht für möglich gehalten, so Battis (übrigens ein gefragter Gutachter in fast allen Streitfragen der Politik, zuletzt Ehrensold des Bundespräsidenten), dass eine Regierung einen Gesetzesentwurf so naiv begründe. Für ihn sei das Gesetzesvorhaben ein “offener Rechtsbruch”. Die anstehende Schuldenbremse als Argument für Gehaltseinbußen herzunehmen, sei “nicht stichhaltig”. 20 von 21 Expertengutachten schlossen sich bei der Anhörung dieser Meinung an, dementsprechend finster waren die Gesichter der rot-grünen Politiker, die ja hier klar akzeptieren mussten, dass sie im Gegensatz zur Begründung ihrer eigenen, maßlosen Diätenerhöhung stümpferhaften Pfusch geliefert haben.
Haben nun die rot-grünen Trickser unter dem Kraft-Kommando etwas aus dieser Anhörung gelernt? Natürlich nicht. Wozu auch? Man bringt das Gesetz erst einmal in gewohnter Weise durch, lässt sich anschließend verklagen, klagt auf Kosten der NRW-Bürger munter durch alle Instanzen weiter und wenn man am Ende verloren hat, hat man wenigstens die Zinsen für die monate-, vielleicht sogar jahrelang nicht gezahlten Besoldungen einbehalten.
Ähnlich wird es beim Inklusionsgesetz zugehen. Trotz geschlossener und vielfältiger Kritik aller Experten macht Schulministerin Löhrmann einfach stur weiter. Wobei sich jetzt schon abzeichnet, dass man alle Kraft darauf anwendet, sich durch juristische Winkelzüge aus der echten Verantwortung zu stehlen und die Städte und Kommunen auf ihren Kosten und Problemen sitzen zu lassen. Das großartige Versprechen, 2000 Lehrerstellen mehr einzurichten, um die Inklusionsklassen zu verkleinern und die zweite Lehrkraft im Unterricht zu etablieren, sollte man mit Vorsicht genießen. Versprechen kann man alles, halten muss man nichts. Wir wissen es.

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Eine verpatzte Dezernentenkarriere und ein Trip nach Kanada

Kaum sind die Buhrufe der Beamtenschaft an die Adresse von Hannelore Kraft (roter Farbanstrich) verstummt, kaum hat man die Zustimmung der Stammtische zur Förderung des sogenannten Beamten-Sparschweins in einer WDR-Umfrage vernommen, sind die Politiker(innen) beruhigt zum politischen Alltag zurückgekehrt.
Wie man die Tage lesen durfte, hat sich z.B. Sylvia Löhrmann (grüner Farbanstrich) Zeit für ihre Beziehung genommen und ihren Lebensgefährten Reiner Daams (gleichfalls grüner Farbanstrich) für den Posten des Schuldezernenten in Aachen vorgeschlagen. Nach Querschlägen der CDU (Skandal! Grüner Filz!) hat sich Daams nun (Stand 29.05.13) entschieden, seine Kandidatur zurückzuziehen.
Das muss hier im Schulblog mehr als bedauert werden!!! Erstens, weil Daams als momentaner Referatsleiter im Bauministerium die besten Voraussetzungen für einen Schuldezernenten in der rot-grünen Schulpolitik mitgebracht hätte, nämlich null Ahnung. So hätte er die Dinge unvoreingenommen angehen können, oder nur halb oder auch gar nicht. Ganz, wie es ihm, bzw. seiner Lebensgefährtin gepasst hätte. Zweitens ist ja die rot-grün angemalte Koalition kräftig dabei, die Qualität unseres Schulsystem zu verschlechtern. Da werden erstmal 25 Millionen für den Vertretungsunterricht gekürzt und hunderte von fertigen Referendaren in die Arbeitslosigkeit geschickt. Wegen mangelnder Kooperation des Schulministeriums mit Städten und Kommunen wird das Inklusionsgesetz in die Ablage gesteckt. Ein pädagogisch sinnvolles Konzept des Ganztagsunterrichts – Fehlanzeige. Motivation der eh schon selbstlos handelnden Lehrerschaft – nicht nötig; man geht davon aus, dass jede Mehrarbeit auch mit verminderten Bezügen klaglos erledigt wird. Berücksichtigt man, dass es zukünftig (nach jetzigen Einschätzungen) immer weniger Kinder geben wird, so wird sich am Ende die Schulpolitik in NRW lediglich mit nur einem zu beschäftigen haben: dem Abriss von Schulgebäuden. Einer wie Reiner Daams, also einer mit Bauerfahrung, wäre da die best denkbare Besetzung gewesen. Leider nichts draus geworden. Sehr, sehr schade.
Ansonsten macht Hannelore Kraft (Farbanstrich s.o.) erstmal einen Trip nach Kanada und USA. Erste Station: Shopping in Vancouver (s. entsprechende DPA-Bilder in den Printmedien). Weitere Stationen Edmonton und Calgary, dann noch Los Angeles und Silicon Valley (beide nicht mehr Kanada). Damit der Steuerzahler nicht gleich wieder losmeckert und die Landesmutter verdächtigt, sie mache sich auf Kosten der geschundenen Landeskasse nur ein paar schöne Urlaubstage (Flug First Class, versteht sich), hat sie überall verkünden lassen, sie wolle auf dieser Reise etwas lernen. Zum Beispiel über Fracking (eminent wichtig für NRW, da man in der Koalition überlegt, bei Beamten verbindlich als Dienstkleidung den Frack einzuführen, um auch nach Außen sichtbar zu machen, dass man in ihnen lediglich servile Diener sieht). Weiterhin will sie was über Energie im Allgemeinen und Besonderen (incl. Technologie und so Ähnlichem) lernen und sich mit dem Google-Boss zum Googlen treffen, was für NRW als Industriestandort tausendmal wichtiger ist als General Motors (weshalb sie mit dem Unternehmen auch nie geredet hat). Dennoch wäre es mal ganz interessant zu erfahren, was genau diese Fortbildungsaktion gekostet hat. Nur für den Fall, dass man sich mal selbst in Kanada und USA fortbilden möchte …
Zum Guten Schluss noch: Christian Lindner (erkennbar am gelben Farbanstrich) hat den von Hannelore Kraft betrogenen Beamten in einem Zeitungsinterview sein persönliches Beileid ausgedrückt und verkündet, er als Politiker hätte die Welt auf jeden Fall (leistungs)gerechter und beamtenfreundlicher erschaffen. Leider ist er von dem betreffenden Zeitungsreporter nicht gefragt worden, ob er in dieser Welt auch das Selbstbedienungsprinzip der Abgeordneten abgeschafft hätte.

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Und der nächste Wortbruch folgt sogleich …

Im Dezember 2011 erklärte Hannelore Kraft schriftlich dem Deutschen Beamtenbund, sie versichere, “dass die Landesregierung keine weiteren Einschnitte bei der Beamtenschaft” plane. Finanzminister Walter-Borjans blies sogleich in das gleiche Horn, und verkündete, Beamte in Zukunft nicht weiter von der Lohnetwicklung abzukoppeln.
Was diese Versprechungen wert waren, konnte man vor einigen Wochen von Hannelore Kraft vernehmen: für einen Großteil der Beamten gibt es keine Lohnerhöhung. Das Geld ist eben draufgegangen für die milliardenschwere Abwicklung der West-LB und dann noch für die satte Erhöhung der eigenen Diäten.
Nun folgt auf diesen eklatanten Wortbruch sogleich der nächste. Anstatt die Priorität für die Bildung unserer Kinder, die im Wahlkampf großartig hinausposaunt wurde (Kraft: “Wir nehmen jedes Kind mit!”), voranzutreiben, verkündet die grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann, dass 25 Millionen Euro für Vertretungslehrer im Krankheitsfall gestrichen werden. De facto fallen damit 500 Lehrerstellen weg, bzw. 360 000 Unterrichtsstunden. Bezahlte Stunden, wohlgemerkt, die in Zukunft unbezahlt von den nicht erkrankten Lehrerinnen und Lehrern erteilt werden müssen. In der Praxis bedeutet das erheblich schlechtere Stundenpläne für die Kollegien mit viel mehr der sogenannten “Freistunden”, in denen dann die Vertretungen stattfinden werden. Noch weiter gedacht bedeutet es, dass die 25 Millionen von den nicht erkrankten Lehrern demnächst erwirtschaftet werden, d.h. bei einer Kürzung der Bezüge wird die Arbeitszeit um drei Stunden im Monat erhöht, die ja bekanntlich nicht bezahlt werden. Computerprogramme, die die Einhaltung dieser für das Schulministerium magischen Zahl penibel überwachen, gibt es bereits an jeder Schule.
Dass nun unter diesen Umständen die Lehrerschaft in NRW die Probleme, die sich wegen der Diskreditierung der Hauptschulen (und inzwischen auch der Realschulen), dann wegen der Verkürzung der Schulzeit (und damit der Kindheit) und schließlich wegen der Inklusion inzwischen himmelhoch auftürmen, noch mit Engagement angehen wird, ist unter diesen Umständen kaum vorstellbar. Die NRW-Schule wird weiter zurückfallen. Leider.

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Genetische Disposition zum Schlucken von Bitterem

Es ist noch gut in Erinnerung, wie sich Anfang 2012 die Abgeordneten aller Parteien des NRW-Landtags in seltener Übereinstimmung und nie dagewesener Harmonie eine Erhöhung der Abgeordnetenbezüge um 500 Euro im Monat genehmigt haben. Die dadurch entstehenden Mehrkosten in Millionenhöhe waren ihnen völlig Wurscht, es ging ja um das Stopfen der eigenen Taschen. Dieser Blog hat auch dokumentiert, dass manch ein Abgeordneter die Dreistigkeit noch öffentlich zu seinem finanziellen Nachteil runtergerechnet hat (s.500 mehr ist weniger).
Nun ist seit dem 18.03.13 klar geworden, wie SPD und Grüne das Geld wieder reinholen wollen, indem sie nämlich eine ganze Gruppe von Beamten von einer Erhöhung der Bezüge und Pensionen ausnehmen. So weit, so bekannt. Das geht ja nun seit Jahren schon so, eigentlich nichts Neues.
Verwunderlich ist jedoch in diesem Zusammenhang, wie Lehrerinnen und Lehrer trotz der immensen finanziellen Einschnitte der letzten Jahre (Erhöhung der Arbeitszeit, Wegfall Urlaubsgeld, Kürzung Weihnachtsgeld, Degradierung zum Bittsteller bei der Beihilfe, die scheinbar willkürlich erstattet oder auch nicht) wie also Lehrerinnen und Lehrerer immer noch mit einem unglaublichen Engagegement ihrer Arbeit nachgehen. Da wird zusätzlich zu dem de facto 42-Wochenstunden-Arbeitsstress (umgerechnet aufs ganze Jahr!) jede Menge Freizeit investiert in Telefonate mit Eltern sowie Elternstammtische, in Klassenfeste, Kunstausstellungen, Musikabende, Theateraufführungen, die Organisation und Durchführung von Klassen- und Kursfahrten (die jahrelang auch noch aus der eigenen Tasche bezahlt werden mussten) und seit Neuestem in die Etablierung der Inklusion.
Halten wir kurz inne: Gewöhnlicherweise müsste jemand, der über Jahre immer schlechter für seinen Job bezahlt wird, aus lauter Frustration sein Engagement nach und nach auf ein absolutes Minimum reduzieren. Da das bei Lehrerinnen und Lehrern nicht passiert, kann man allen Ernstes die These wagen, dass es doch offenstichlich eine genetische Dispostion geben muss, die die Betreffenden befähigt, Bitteres ohne Ende zu schlucken, ohne dabei eine Miene zu verziehen, ja ohne sich irgendwann einmal gewaltig zu übergeben. Und zwar in Richtung derer, die das Bittere kübelweise verabreichen.
Die, dessen kann man sich sicher, wissen um diese Disposition genau Bescheid. Es steht deshalb zu befürchten, dass die finanziellen Einbußen, die man jetzt zum wiederholten Male verordnet hat, erst den Anfang darstellen. Irgendwo muss ja nun das Geld herkommen für die Klassenfahrten und seit einem neuerlichen Urteil auch für die Arbeitsmaterialien und bald wieder für eine Erhöhung der Diäten, die, so hört man es im Blätterwald rauschen, an den Bezügen von Richtern ausgerichtet werden sollen.
In einem WAZ-Artikel vom 18.03.13 heißt es übrigens: “Empörte Reaktionen [auf die Sparmaßnahmen, Anm. des Autors] ließen nicht lange auf sich warten. Der DGB warf der Regierung Kraft Vertrauensbruch vor und sprach von ‘Skandal’.”
Dass die Funktionäre des DGB einer Politikerin / einem Politiker ein Handeln nach moralischen Grundsätzen unterstellen und ihr / ihm Vertrauensbruch vorwerfen, ist in der heutigen Zeit einfach nur niedlich. Übel meinende Kritiker könnten aber auch sagen: selten dämlich!

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Allein das Geld wars

Am 26.06.2012 hat die Kollegin Anja Schwarz Schulministerin S. Löhrmann einen offenen Brief geschrieben (mitunterzeichnet durch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen), in dem sie ihre Bedenken zu einer vorschnellen Umsetzung des Rechtsanspruchs auf inklusives Lernen ab dem Schuljahr 2013/2014 äußert. Anlass des Briefes ist die Tatsache, dass ab diesem Schuljahr fünf SchülerInnen mit Förderbedarf an ihrer Schule aufgenommen worden sind, was für das Team von sieben Kolleginnen und Kollegen sowie einer Sonderpädagogin eine erhebliche Arbeitsmehrbelastung bedeutet.
Im Wesentlichen werden in diesem Brief folgende drei Punkte angesprochen:
– ein “qualitativ hochwertiges Fortbildungsprogramm” zur Inklusion ist zwar angekündigt, findet aber noch nicht statt und kann daher im Schuljahr 2012/2013 nicht greifen
– Sonderpädagoginnen und -pädagogen müssen mehrere Inklusionsschulen betreuen, können daher keine kontinuierliche Arbeit leisten, sind bei spontan auftauchenden Problemen nicht ansprechbar und können vor allem nicht zu Bezugspersonen für die Förderkinder werden; hinzu kommt noch, dass laut einer Prognose des Schulministeriums bereits jetzt jährlich 350 Sonderpädagogen oder Pädagoginnen fehlen
– die Einführung des G8 hat zu einer großen Verdichtung der Lernbelastung für die Schülerinnen und Schüler geführt, die Berücksichtigung von Förderkindern daher für ein Kollegium, dem die dazu nötige Ausbildung vollkommen fehlt, eine große Herausforderung und natürlich auch eine große Arbeitsmehrbelastung.
Der Brief schließt mit der Bitte, den Zeitpunkt des Rechtsanspruchs auf einen Inklusionsplatz zu überdenken und zuerst ein solides Forbildungskonzept auf den Weg zu bringen.

Am 28.08.2012 antwortete Thomas Wieners im Namen der Schulministerin in einem sehr ausführlichen Brief. Er versucht, die Bedenken zu zerstreuen, indem er einen Aktionsplan vorstellt, der zukünftig genügend ausgebildete Lehrer und Leherinnen für den Inklusionsunterricht sichert. Welcher Zeitpunkt genau mit “zukünftig” gemeint ist, bleibt offen. Er berichtet über Qualifizierungsmaßnahmen, “in denen Moderatorinnen und Moderatoren der Kompetenzteams darauf vorbereitet werden, Fortbildungsangebote für Lehrkräfte bzw. Kolleginnen anzubieten, um z.B. Schulen, die erstmalig Kinder mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen unterrichten, in ihrer Unterrichtsentwicklung und Teamentwicklung zu begleiten”. Er geht auch auf die Überlastung der Schulen wegen des Doppelabiturs ein, kommt aber zu dem Schluss, dass sowohl von der zeitlichen Belastung als auch von den Lehrplänen her alles auf bestem Weg sei, die Situation zu entspannen. Sein Brief endet mit der Bemerkung, dass “bei etwa 5800 öffentlichen Schulen und 180.000 Lehrerinnen und Lehrern in Nordrhein-Westfalen” das Schulministerium “auf die Unterstützung seiner nachgeordneten Behörden angewiesen” ist und die entsprechenden Kommunikationsstrukturen geschaffen hat. Die Kollegin Anja Schwarz wird daher gebeten, “in Zukunft (…) bei (…) Anfragen an das Ministerium den Dienstweg einzuhalten”.

Diese Schlussbemerkung, die so wirkt, als sei der Verfasser von dem Aufwand, den ihm die Beantwortung des offenen Briefs bereitet hat, entnervt, diese Schlussbemerkung also unterstreicht noch einmal klar die Haltung des Schulministeriums, trotz aller Bedenken das Gesetz zur Inklusion auf jeden Fall nach Plan durchzubringen.
Nun aber plötzlich heißt es seit dem 14.01.2013 in den Medien, das Gesetz könne noch nicht eingebracht werden, Silvia Löhrmann wolle doch zunächst auf die zahlreichen Einwände von Eltern und Lehrern eingehen. Und auf die Proteste der Kommunen und Städte.
Machen wir uns nichts vor: Allein die von den Kommunen und Städten befürchteten Kosten für die barrierefreie Gestaltung der Schulen und die Einstellung von Integrationshelfern haben das Gesetz erst einmal gestoppt. Hätten die Kommunen und Städte dem Schulministerium nicht mit Prozessen gedroht, wäre es wie geplant beschlossen worden. Und anschließend mit Hilfe von Erlassen an den Schulen durchgepaukt worden. Ausgebadet hätten es mal wieder die Schülerinnen und Schüler, ob behindert oder nicht, sowie die Lehrer und Lehrerinnen. Die Behindertenrechtskonvention ist von der UNO am 13. Dezember 2006 verabschiedet worden. Sechs Jahre lang hat demnach das Schulministerium, von wem auch immer geleitet, nichts Planvolles und Vorausschauendes unternommen, um sie im NRW-Schulsystem gesetzmäßig zu etablieren. Vielleicht eröffnet der simple Geldmangel daher endlich mal die große Chance, dass das Schulministerium nicht das übliche Flickwerk, sondern etwas Durchdachtes und vor allem pädagogisch Fundiertes zustande bringt. Mit der Einbidung aller Betroffnenen muss dieser diffizile Prozess dringend anfangen! Und der Dienstweg sollte bitteschön diesmal außen vor bleiben!

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Manches bezahlt die Landeskasse unbesehen

Alle Kolleginnen und Kollegen, die auf Klassenfahrt gehen wollten, kannten die schriftliche “Erpressung”, die sie vorab unterzeichnen mussten: Genehmigung der Fahrt nur, wenn sie die eigenen Fahrtkosten selbst bezahlen. Ein Teil trug die Kosten zähneknirschend, der andere rechnete sie in die Gesamtkosten der Fahrt ein und ließ sich so von seinen Schülern die Fahrt bezahlen. Nicht ohne schlechtes Gewissen und dennoch zu Recht – es war ja eine Fahrt, die dienstlich verordnet war, die man nicht einfach aus Jux und zur Entspannung machte. Was dann noch für die Selbstzahler folgte, waren Auseinandersetzungen mit Finanzämtern, die penibel die Teile aus den Fahrtkosten herausgerechnet haben wollten, die der Ernährung dienten, mit der Begründung, essen und trinken müsse man auch zu Hause,usw. usf.
Da wundert es dann, dass nicht jemand schon mit der Einführung dieser ausbeuterischen Vorschrift vor ungefähr 20 Jahren sofort vor ein Gericht gezogen war, um sein gutes Recht einzufordern. Erklären kann man sich das nur mit der unendlichen Duldsamkeit der Lehrerinnern und Lehrer und ihrem Gefühl, für die Schüler und ihre Erziehung Opfer bringen zu müssen.
Nun hat im Jahr 2008 ein Lehrer eines Gymnasiums endlich den Mut aufgebracht, vor dem Arnsberger Verwaltungsgericht dagegen vorzugehen und Recht bekommen. Das Land NRW scherte sich jedoch um das Urteil wenig und ging die Berufung. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat nun das Land abgewatscht und ihm am 14.11.2012 bescheinigt: “Das Land verstoße in grober Weise gegen seine Fürsorgepflicht, wenn es die Durchführung von Klassenfahrten, die nach den einschlägigen ‘Wanderrichtlinien’ Bestandteil der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schulen seien, systematisch von einem Verzicht der Lehrer auf Reisekostenvergütung abhängig mache.” (Fundstelle hier)
Parallel hierzu klagte wegen des gleichen Missstands eine angestellte Lehrerin einer Gesamtschule gegen das Land NRW, diesmal vor dem Arbeitsgericht. Auch hier akzeptierte das Land NRW das erstinstanzliche Urteil nicht und bekam bereits am 16.10.2012 vom Bundesarbeitsgericht eine deutliche Ohrfeige verpasst: “Das beklagte Land verstößt (…) mit der Praxis, Schulfahrten grundsätzlich nur zu genehmigen, wenn die teilnehmenden Lehrkräfte auf die Erstattung ihrer Reisekosten verzichten, grob gegen seine Fürsorgepflicht.” (Fundstelle hier)
Nun sind die Berufungsverfahren nicht einfach von irgendwem geführt worden, sondern von der grünen Politikerin Silvia Löhrmann, die dank ihrer Kompetenzen als gewesene Lehrerin seit Juli 2010 das Amt der Schulministerin bekleidet. Auf ihrer Homepage unter dem Menüpunkt “Wissensgesellschaft” malt sie sich im schönsten Grün eine Bildungspolitik aus mit “leistungsstarken Schulen”, die alle Talente fördern und die Chancengleichheit wahren; Innovation ist natürlich auch dabei und Internationalisierung sowieso. Die Weiterbildung soll sogar “als vierte Säule des Bildungssystems massiv weiter entwickelt werden” (Duden: weiterentwickelt!).
Fragt sich nur nach den oben dargestellten Sachverhalten, ob diese schöne Traumwelt mit einer Lehrerschaft gelingen wird, die man vorsätzlich frustriert und auf deren Kosten man schon seit Jahren massiv versucht, die marode Landeskasse zu sanieren (marode auch deshalb, weil man sich unlängst satt die Abgeordnetenbezüge erhöht hat).
Die Sache mit den Klassenfahrten hat nämlich noch einen weiteren Aspekt, den niemand so recht wahrnimmt und der dennoch dazu beiträgt, dass Lehrerinnen und Lehrer die Klassenfahrten weiterhin zum Teil aus ihrer Tasche bezahlen: Die während der Fahrt abgeleisteten Stunden, besonders die nervtötenden und gesundheitsraubenden Nachtstunden, in denen die Schüler mal eben ihre “Freiheit” austoben wollen, gelten nämlich nicht als erteilte Stunden. Fallen dann im normalen Schulbetrieb Stunden aus, weil z.B. eine Klasse in einer Beratung ist, so werden diese ausgefallenen Stunden als mehrarbeitsschädlich geführt und von erteilten Vertretungsstunden abgezogen. Wie viele Stunden man bei einer Klassenfahrt vorher draufgesattelt hat, interessiert die Verwaltung nicht.
Da nun Kosten in Millionenhöhe auf NRW wegen der Klassen- und Kursfahrten zukommen, kann man sich leicht ausmalen, wo das Schulministerium das Geld schnellstmöglichst einsparen wird – bei der Beihilfe. Hier kann man schließlich nach Gutsherrenart entscheiden, was bezahlt wird und was nicht. Und sollte jemand auf die Idee kommen, einen Prozess anzuzetteln, na, dann geht man eben durch alle Instanzen. So etwas bezahlt die Landeskasse unbesehen.

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Fußballeuropameisterschaft: Schlafdefizit im Schulministerium

Da viele fußballbegeisterte Schüler wegen der späten Spielanpfiffe offensichtlich zu wenig Schlaf bekommen, dürfen laut Barbara Löcherbach, Pressesprecherin des Schulministeriums, Schulen in NRW mit dem Unterricht später anfangen. Es dürfe aber kein Unterricht ausfallen.
Die Schulgemeinde reibt sich verwundert die Augen. Wie bitte soll das gehen? Man stelle sich vor, eine Schulleitung beschließt den späteren Unterrichtsanfang für den Freitag nach dem Halbfinale und vielleicht noch für den Montag nach dem Finale. Da müssen zunächst einmal alle Eltern benachrichtigt werden, am besten per Anschreiben, damit die Sache juristisch wasserdicht ist. Anschließend müssen die Stundenplanmacher ans Werk. Da ja keine Unterrichtsstunde ausfallen darf (was eine Woche vor den Ferien wahrlich ein Drama wäre), müssen sie die Stundenpläne vollkommen neu organisieren. Schließlich kann man wegen des Nachmittagsunterrichts eine erste Stunde nicht einfach an die sechste anhängen. Diese neuen Pläne müssen sie dann allen betroffenen Lehrerinnen und Lehrern sowie den Klassen zukommen lassen, am besten gedruckt, damit nichts schief geht. Doch damit nicht genug. Für die erste Stunde müssen Aufsichten organisiert werden, da davon auszugehen ist, dass sogenannte Fahrschüler wegen der nicht geänderten Busfahrpläne pünktlich zur ersten Stunde in der Schule erscheinen. Es ist auch davon auszugehen, dass viele berufstätige Eltern ihren Alltag nicht plötzlich umorganisieren können und die Kinder nach dem fürs Halbjahr geltenden Stundenplan zur Schule schicken. Und überhaupt – hat nicht Schulministerin Sylvia Löhrmann unlängst per Erlass verfügt, dass die fünften und sechsten Jahrgangsstufen auf keinen Fall bei Unterrichtsausfall nach Hause geschickt werden dürfen, damit für berufstätige Eltern Planungssicherheit besteht. Was ist nun mit diesem Erlass? Gilt er während der Fußballeuropameisterschaft oder gilt er nicht?
Abschließend kann man daher nur kopfschüttelnd feststellen: Offensichtlich haben die späten Spielanpfiffe auch im Schulministerium zu gewaltigen Schlafdefiziten geführt. Anders kann man sich einen derart verpennten Vorschlag nicht erklären.

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Pazifische Niveaulosikgeit

Der Mangel an Wahlkampfthemen und vor allem an Ideen, wie man NRW voranbringen könnte, hat man jeden Tag vor Augen, wenn man sich die Wahlplakate der Parteien ansieht. Den Marianengraben der Niveaulosigkeit erreicht hat aber mit Sicherheit das unten abgebildete Wahlplakat von Thomas Eiskirch in Bochum.

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Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: 500 Euro mehr sind in Wirklichkeit weniger!

Folgende Anfrage stellte ich auf der Seite “www.abgeordnetenwatch.de” den Abgeordneten, die in den Landtag wollen:
“Sehr geehrter Herr / Sehr geehrte Frau …
der NRW-Haushalt wird seit Jahren u.a. auf Kosten der Beamten saniert: das Weihnachtsgeld ist drastisch gekürzt worden, das Urlaubsgeld wurde ganz gestrichen, Beihilfeleistungen wurden gleichfalls gekürzt, die Arbeitszeiten erhöht, Pensionen gekürzt. Wie ist mit diesem rigiden Sparkurs Ihrer Meinung nach die Erhöhung der Abgeordnetenbezüge um 500 Euro monatlich zu vereinbaren, die Sie sich in letzter Zeit selbst genehmigt haben?”

Manche Antwort fiel recht knapp aus, wie z.B. die von Frau D´moch-Schweren: “An der Erhöhung der Abgeordnetenbezüge habe ich nicht mitgewirkt und kann sie auch nicht nachvollziehen.” In die gleiche Richtung geht die Antwort von Volker Münchow: “Die Erhöhung der Diäten der Landtagsabgeordneten im letzten Jahr halte ich nicht für vermittelbar. Ich halte die Erhöhung angesichts der von Ihnen geschilderten Lage von Beamten, Rentnern und Gehaltsempfängern für falsch.”

Beide Politiker sind allerdings noch nicht im Landtag, können also mit dieser Haltung Sympathiepunkte reinholen und nach einer eventuellen Wahl die 500 Euro trotzdem kassieren.
Anders sieht es bei denen aus, die schon im Landtag sitzen und tatkräftig an der Erhöhung ihrer Bezüge mitgestrickt haben. Die brennen jede Menge verbaler Blendfeuerwerke ab.


Britta Altenkamp zum Beispiel greift zur Zahlenakrobatik und schreibt: Der “gesamte Haushalt des Landtags, über den auch die Diätenzahlungen folgen, [kostet] jeden Bürger in NRW im Jahr 5,68 Euro, verglichen mit beispielsweise 8,46 Euro in Bayern oder 8,03 Euro in Hessen. Nach der Erhöhung steigt der Betrag pro Bürger und Jahr bezogen auf NRW um sechs Cent. Insofern sehe ich an dieser Stelle keinen Widerspruch, kann Ihnen aber schon jetzt versichern, dass ich einer weiteren Anpassung der Diäten im Jahr 2012 nicht zustimmen werde.”
Na ja, bei nur 6 kleinen Centchen, wo der NRW-Abgeordnete im Vergleich zum Bayern-Abgeordneten 67 Prozent kostet, also 33 Prozent dem Steuerzahler erspart, da kann man ja wirklich nicht meckern. Nett, dass Frau Altenkamp einer weiteren Erhöhung nicht zustimmen wird. Obwohl – noch 3 oder 4 Cent wären auch egal, nur die Nachkommazahl bei den 67 Prozent würde ein bisschen nach oben klettern, mehr nicht.


Reiner Breuer schreibt: “Die entsprechende Erhöhung der Abgeordnetenbezüge muss komplett versteuert werden. Gleichzeitig fließen aber 500 Euro direkt dem Versorgungswerk zu. D.h.: Alle Abgeordnete verfügen künftig über ein geringeres (Netto-) Einkommen.”
Jetzt versteht man die Erhöhung erst in ihrer ganzen Tragik! Sie führt nämlich in Wirklichkeit zu einer Verarmung der Abgeordneten!!! Wer hätte das gedacht? Leider kommt es nicht zu dem von Reiner Breuer initiierten Tränenfluss, da man in den Zeilen vorher liest, dass “die NRW SPD eine Altersversorgung von 1573 Euro nach zehnjähriger Zugehörigkeit [zum Landtag] für angemessen” hält. Nach zehnjähriger beruflicher Tätigkeit kann ein Arzt oder ein promovierter Ingenieur von einer solchen Altersversorgung nur träumen! Mal ganz davon abgesehen, dass er während der Ausübung seines Berufs keine Chance hat, irgendwo als Lobbyist vorstellig zu werden, um seine Alters- und sonstige Bezüge noch weiter und dauerhaft aufzubessern.


Mehr als ausführlich antwortet Carina Gödecke. Sie ist als Politikerin clever genug, keine genauen Zahlen zu nennen. Der Tenor bleibt der gleiche – die Abgeordneten haben sich durch die Reform der Bezüge in 2005 arm gemacht, jetzt müssen sie das wieder rückgängig machen, indem sie sich die Diäten erhöhen, wovon sie aber aktuell nichts haben, im Gegenteil.


Regelrecht niedlich fällt die Antwort von Rainer Bischoff aus. Er geht erst gar nicht groß auf die Frage ein, sondern er holt gleich jede Menge Süßes aus der Tasche und wirft es großzügig in die Menge:
“Zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes haben wir gemeinsam mit der Landesregierung den undifferenzierten Stellenabbau gestoppt. Durch die Flexibilisierung im Umgang mit kw-Vermerken konnte die Arbeitsverdichtung entschärft werden. In besonders wichtigen Bereichen wie Schule, Polizei, Finanzverwaltung und Mittelbehörden sind sogar zusätzliche Stellen geschaffen worden. Außerdem haben wir die jüngste Tariferhöhung der Angestellten umgehend und ungeschmälert auf die Beamtinnen und Beamten übertragen.”
Ich bitte doch mal die Kolleginnen und Kollegen, deren Arbeitsverdichtung in den Schulen entschärft worden ist, sich hier beim Blog zu melden! Es dürfen sich aber auch die melden, die Aufgrund des Löhrmann-Erlasses, die Fünf- und Sechstklässler auch beim Ausfall von Eck- oder Nachmittagsstunden in der Schule zu halten, jede Menge unbezahlte Mehrarbeit geleistet haben. Oder auch die von der neuen Sekundarschule, die stundenlang über neuen Lehrplänen brüten und noch weitere Stunden benötigen werden, um sie gefällig zu Papier zu bringen.


Zum Glück gibt es wenigstens mehr Geld. Nur irgendwie nicht sofort, ich meine nicht “umgehend und ungeschmälert”. Aber bestimmt später. Irgendwann … Und natürlich so, dass das Mehr sich als Weniger entpuppen wird.

P.S. Die hier zitierten Abgeordneten gehören der SPD. Der Grund: Ich wollte meine Frage allen Abgeordneten stellen und fing bei der SPD an. Nach der 12 Anfrage meldete “abgeordnetenwatch.de” jedoch, dass mein “Abfragelimit überschritten” sei. Im Nachhinein denke ich: Gut so! Noch mehr Antworten dieser Qualität wären unerträglich geworden.

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Wulff muss bleiben – als Unterrichtsbeispiel!

Bundespräsident Wulff hat inzwischen die genuinen Eigenschaften eines Politikers medienwirksam so radikal bloßgelegt, dass man unbedingt darauf bestehen sollte, ihn als lebendes Unterrichtsbeispiel für immer im Amt zu behalten.
Er zeigt uns nämlich beispielhaft, dass Politiker

– aus ihren Ämtern hemmungslos Vorteile schlagen, da sie diese nicht angetreten haben, um der Allgemeinheit zu dienen, sondern nur sich selbst (s. hierzu z. B. Becks Luxusflüge, Özdemirs Fußballeintrittskarten, die Diätenerhöhung um 500 Euro monatlich im NRW-Landtag)
– Kraft ihrer Ämter und wenn nötig unter Umgehung geltenden Rechts denjenigen Vorteile verschaffen, von denen sie sich für sich selbst noch mehr Vorteile versprechen
– den Begriff der Unwahrheit oder Lüge nicht kennen, da sie als Inhaber der Macht Wahrheiten so postulieren, wie sie ihnen gerade passen
– Flachdenker sind, da man nur so beliebige, ja sogar widersinnigen Sprechblasen endlos produzieren kann
– nicht fähig zu dauerhaften sozialen Bindungen sind, weil sie die nur nach dem Nützlichkeitsprinzip eingehen
– sich derart auf ihre eigene Eitelkeit konzentrieren, dass sie die Realität nicht mehr wahrnehmen
– all diese Eigenschaften in ein äußeres Erscheinungsbild verpacken, das ihnen Seriosität verleiht und die Wähler mit schönem Schein blendet.

Weshalb der Wähler dann, treu seiner staatsmännischen Pflicht, alle Jahre zur Wahl geht und – wie es Kafka so treffend in seiner Parabel “Auf der Galerie” bemerkt – “weint (…), ohne es zu wissen”.

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“Handfester Pädagogikskandal” bei der “Hamsteraffäre”

Im November 2011 schickt in Dortmund eine Lehrerin angeblich ein Mädchen allein nach Hause, weil es einen Hamster in den Unterricht mitgebracht hat (Tierquälerei). “Der Westen” und die “Westfälische Rundschau” sind schnell dabei, einen Skandal daraus zu machen. Regierungspräsident Gerd Bollermann laut der Berichte auch.
Es lohnt sich einmal nachzulesen, wie Journalisten mit der Wahrheit und vor allem den Fakten umgehen. Zusammengetragen hat die Presseberichte Lukas Heinser auf bildblog.de. Hier gehts zum Artikel.

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Lob in Zeiten des Wulffismus

Am 13.01.2012 erreichte die Schulen eine Mail der Schulministerin, in der der Erlass von 13.10.2011 zum Zeitpunkt der Zeugnisausgabe nach dem 1. Halbjahr (nicht nach der 3., sondern erst nach der 6. Stunde) außer Kraft gesetzt wurde. Heißt: Am Ende des 1. Halbjahres gibt es die Zeugnisse nach der 3. Stunde, wie schon immer praktiziert.
Zur Begründung heißt es von Sylvia Löhrmann: “Die Änderung (Anm. des Verfassers: am 13.10.2011) erfolgte aufgrund einer Prüfungsbemerkung des Landesrechnungshofes im Zusammenhang mit dem Unterrichtsausfall an Schulen. Zu dieser Erlassänderung sind relevante Hinweise und Anregungen bei mir eingegangen, die plausibel darlegen, dass die mit der Änderung beabsichtigte Reduzierung des Unterrichtsausfalls nur quantitativ, nicht jedoch qualitativ erreicht werden kann.”
So viel Einsicht und Ehrlichkeit von einer Politikerin in Zeiten des Wulffismus überrascht und muss daher an dieser Stelle ausdrücklich gelobt werden!

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Karl-Josef Laumann (CDU): Wir ziehen es durch!!!

Und wieder einmal wird eines deutlich: Die Politiker halten den Wähler letztendlich für einen nützlichen Idioten. Wie anders ist es zu erklären, dass erst jetzt, da im Land die Empörung über die klammheimlich geplante Erhöhung der Diäten hohe Welle schlägt, die Politiker sich von ihren Fraktionen mit Argumenten versorgen lassen, warum sie zwingend diese Erhöhung benötigen. Ganz offensichtlich haben sie sich vorher überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Hauptsache, das Geld landete in ihren eh schon von Lobbyisten gut versorgten Taschen. Dass es den eilig zusammengeschusterten Argumenten an Qualität und dementsprechend an Überzeugungskraft fehlt, wissen die Politiker selbstverständlich. Der nützliche Idiot hats hinzunehmen. Meint auf jeden Fall CDU Politiker Karl-Josef Laumann. “Wir ziehen es durch!” verkündet er martialisch in der heutigen Ausgabe der WAZ, wobei er mit “es” die Erhöhung seiner Diät um 500 euro monatlich meint. Dieser Blog wird vor der nächsten Landtagswahl daran erinnern!

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Eine dreiste Bescherung

Kaum zu fassen, aber wahr: Während die Beamten in NRW zum 1. Dezember auf ihrem LBV-Bescheid schwarz auf weiß lesen durften, wie bescheiden mal wieder ihr Weihnachtsgeld ausfällt (wg. desolater finanzieller Lage des Landes), während Sylvia Löhrmann den Lehrerinnen und Lehrern schon zum zweiten Mal eine unbezahlte Mehrarbeit verordnet (Halbjahreszeugniserlass, s. vorhergender Blog-Eintrag), während also SPD und Grüne auf unsere Kosten als Sparkommissare auftreten, wollen sie sich selbst diesen Monat noch eine kräftige Erhöhung ihrer Diäten genehmigen.
Nach Meldungen u.a. von RP-Online wollen SPD, Grüne und  die CDU
selbstredend auch die Mittel zur Altersversorgung um 500 Euro monatlich für jeden Abgeordneten erhöhen. Der Grund: Die Altersversorgung der Abgeordneten soll verbessert werden, da sie zu miserabel ist. So hat z.B. ein Minister in NRW erst nach langen 5 Jahren Anspruch auf über 4000 Euro monatliche Pension, ein gewöhnlicher Sterblicher bereits nach knappen 140 Jahren Beitragszahlungen in die Rentenkasse. Voraussichtliche Kosten für den Steuerzahler laut des Bundes der Steuerzahler: 1,1 Millionen Euro jährlich.
Fällt einem der Leser des Blogs noch etwas zu dieser unverschämten Dreistigkeit ein???
Der Verfasser ist noch nicht einmal in der Lage, einen Punkt hinter den letzten Satz zu setzen

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Löhrmanns neue Zeugnisausgabe & noch ein bisschen sonstiges Geplapper

Sylvia Löhrmann hat den Schulschluss am Tag der Zeugnisausgabe neu geregelt: Laut BASS 12 – 64 Nr.2; Amtsblatt 11/12. S. 620 wird an Tagen, an denen Halbjahreszeugnisse ausgegeben werden, die Kürzung auf drei Unterrichtsstunden künftig nicht mehr möglich ein. Nur der Nachmittagsunterricht kann entfallen.
Lehrerinnen und Lehrer sind empört – warum darf der Nachmittagsunterricht ausfallen? Gerade der Nachmittagsunterricht bietet endlich mal die Möglichkeit, mit Schülern in aller Ruhe über die Zeugnisse zu reden und Strategien fetstzulegen, wie die eine oder andere Note besser werden könnte.
Spaß beiseite. Löhrmann stellt es sich so vor, dass in der 1. Stunde die Zeugnisse ausgeteilt werden, danach lernen die Schüler einfach weiter. Rücksicht auf die Psyche der Kinder, die entweder ihre guten Zeugnisse feiern oder die nicht so guten erst einmal verdauen wollen, wird nicht genommen. Es wird gepaukt auf Teufel komm raus. Und so verhärtet sich leider auch bei Sylvia Löhrmann der Verdacht, dass hier wieder jemand nach dem Peter-Prinzip (Laurence J. Peter, amerikanischer Soziologe) so lange aufgestiegen ist, bis er die höchste Stufe seiner Inkompetenz erklommen hat. Leider.

Was hört man sonst noch von unserer Schulministerin?
Sie plappert z.B auf der Homepage des Schulministeriums von einem “historischen schulpolitischen Konsens” bei der Sekundarschule. Sie soll attraktiver und gerechter werden. Vor allem aber wischiwaschi. Auf dieser Schule kann man nämlich alles lernen oder auch nicht. Zum Beispiel wie auf dem Gymnasium in der sechsten Klasse eine zweite Fremdsprache oder eben auch nicht. Zu Bedauern sind jetzt schon Lehrerinnen und Lehrer, die dort unterrichten kilometerlange Curricula verfassen werden, um dieses Wischiwaschi irgendwie gerichtsverwertbar zu machen (für den Fall, dass Eltern die Lehrer wegen irgendwas verklagen wollen).

Noch schöner wird auf der Homepage über Ganztagsschule geplappert. Da heißt es zum Beispiel: “Ganztagsschulen und Ganztagsangebote bieten mehr als Unterricht. Zu einem guten Ganztag gehören Arbeitsgemeinschaften, Förder- und Freizeitangebote, Bewegung, Spiel und Sport sowie kulturelle Angebote. Die Zusammenarbeit der Schule mit Jugendhilfe, Kultur, Sport und weiteren Partnern ist eine zentrale Grundlage.”
Die Realität an Ganztagsschulen sieht, seitdem die CDU sie etabliert hat, so aus: Die Kinder stürzen sich mittags in eine schulnahe Pommesbude oder Pizzeria und füllen sich dort mit fettem Food ab. Im Gegensatz zum Essen aus der Mensa schmeckt es wenigstens. Anschließend gehts in den Unterricht. Was wegen der Schulzeitverkürzung nicht in den Vormittag passt, wird jetzt am Nachmittag in die Köpfe getrichtet. So weit es sich einrichten lässt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Kinder um 14.30 Uhr gerne überall auf der Welt wären, nur nicht in einer Schule. Auf einen vom Schulministerium intiierten Versuch, wie man denn den Nachmittagsunterricht kindgerecht und lernergiebig gestalten könnte, warten alle vergeblich. Dafür hat Sylvia Löhrmann keine Zeit und wohl auch keine Lust.

Bleibt noch die Inklusion. Quasi zum letztmöglichen Termin hat auch Deutschland 2009 das “Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderungen” unterzeichnet. Dort hat unser Land sich verpflichtet, ein Bildungssystem zu entwickeln, in dem das gemeinsame Lernen von Kindern mit Behinderung und ohne zum Regelfall wird.
Was geschieht unter der grünen Schulpolitikerin Sylvia Löhrmann bei uns in NRW? Nichts Erfreuliches. Statt umfassenden Informationen, statt fundierten Weiterbildungsangeboten wird eine diffuse Drohkulisse aufgebaut.
Die vermittelt den Kolleginnen und Kollegen den Eindruck, Dezernenten und sonstige Entscheidungsträger würden den Schulen behinderte Kinder mehr oder minder aufs Auge drücken, gleichwie die Kollegien auf diese Kinder vorbereitet seien. Fatalerweise werden mit dieser “Von-Oben-Herab-Methode” all die Vorurteile geschürt, die man so gegen Behinderte hat. Davon, welche Chancen diese Kinder einer Klassengemeinschaft bieten, davon, dass sie endlich aus der schulischen Isolierung in das ganz normale Leben treten können, kurzum – davon, dass diese Kinder einfach zu unserer Gemeinschaft zählen, redet keiner.

Zum guten Schluss:
Wie die GEW in einem Flyer zu Recht vermutet, hat sich Sylvia Löhrmann bei der Abschaffung der Zeugnisausgabe nach der dritten Stunde nichts gedacht. Also nichts Pädagogisches. Sie will mit dem Gewinn von ca. 72 000 erteilten Unterrichtsstunden (bezogen auf 220 Gesamtschulen und 638 Gymnasien in NRW) die Schulstatistik aufpeppen. Die dürfte nämlich genauso schlecht sein, was den Unterrichtsausfall betrifft, wie an dem Tag, als sie das Schulministerium übernommen hat. Gut 40 Jahre miese Schulpolitik unter dem Koalitionspartner SPD, die NRW zum Schlusslicht in der Bildung und Kleinkindebetreuung gemacht haben, kann man schlecht in 2 Jahren ausbügeln. Aber wenigstens ein wenig wegschminken.

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Frieden und Krieg

Dienstag, 19.07 2011. In ganz NRW heulen die Sirenen. Tausende strömen auf die Straßen und liegen sich weinend in den Armen. Fast vierzig Jahre Schulkrieg sind zu Ende, es herrscht endlich Schulfrieden im Lande! Wo immer man hinschaut, kriechen aus den Trümmern der zerbombten Schulen Schüler und Lehrer ans Tageslicht. Vierzig Jahre haben sie in unterirdischen Klassenzimmern den feindlichen Angriffen der Politeska standgehalten und Unterricht gemacht. Eine Lehrerin – sie muss die tränengefüllten Augen vor der Sonne zusammenkneifen – spricht für tausende anderer Lehrer: “Die Diktatur des schulpolitischen Blablah ist tot! Es lebe die pädagogische Vernunft!” Hannelore Kraft, wie immer volksnah am Tresen der kleinen Eckkneipe stehend, strahlt: “Dieser Frieden ist der beste Beweis, dass es ihn gibt!” Die Frage, wer genau mit “ihn” gemeint ist, kann sie nicht mehr beantworten: Sie stürzt beim Versuch den Barhocker zu besteigen ab. Ein herbeigerufener Arzt stellt die Diagnose: volltrunken vor Glück! CDU-Landeschef Röttgen strahlt gleichfalls und erklärt: “Für die CDU stand die 100jährige Laufzeitverlängerung der Hauptschule unerschütterlich fest. In dieser Zeit wollten wir eine bessere Schule aufbauen, eine, die nur mit sekundaren Lehrern und Schülern auskommt. Die Katastrophe in Japan hat uns jedoch zum Umdenken bewegt und deshalb sind wir mit der sofortigen Abschaltung der Hauptschule zugunsten einer Sekundarschule einverstanden!”
Sylvia Löhrmann, aktuelle Schulministerin mit grünem Lebenslauf, pflichtet dem bei und kann  vor Begeisterung gar nicht mehr aufhören zu reden. “Wir müssen die Schulen jetzt vollkommen neu aufbauen”, redet sie. “Wir suchen deshalb Trümmerschüler und Trümmerschülerinnen sowie Trümmerlehrer und Trümmerlehrerinnen. Selbstverständlich sind auch Trümmermütter und Trümmerväter willkommen. Die neue Schule soll grün werden, aber auch rot und schwarz und gelb sind willkommene Farben. Die neue Schule soll alle Schüler glücklich machen. Die Schülerinnen natürlich auch. Und die Lehrer und Lehrerinnen. Und auch die Schülermütter und Schülerväter sowie Schülerinnenmütter und Schülerinnenväter! Und alle sollen sich singend und hüpfend an den Händen fassen, besonders die Kommunen, die sich jetzt eigene Schulen basteln können. Und dann wollen wir noch …”
Halt! Dies ist nur ein Traum!
Die Realität sieht anders aus. Der Schulfrieden ist nicht für die Ewigkeit, sondern nur für die nächsten 12 Jahre geschlossen worden! In diesen 12 Jahren wird sich die Politeska für den danach geplanten neuen Schulkrieg bis an die Zähne neu bewaffnen. Und zwar zunächst mit Experten, die Tonnen von Expertisen darüber anfertigen werden, welche Kompetenzen Schule eigentlich vermitteln muss, damit am Ende genug Experten vorhanden sind. Die geistige Niveaulosigkeit dieser Expertisen wird beim Ausbruch des neuen Schulkriegs die Pädagogik an den Schulen derart kontaminieren, dass man sie nirgends mehr wird endlagern können, noch nicht einmal in Fukushima. Rekrutieren wird man für den neuen Krieg auch weitere Scharen mittelmäßiger Juristen. Diese werden, so wie sie es jetzt schon tun, die Kampfmitteldepots mit tausenden von neuen Erlassen auffüllen. Ihr jedes spontane und kreative Handeln tötende Nervengift, das sich speist aus der verhängnisvollen Kombination von geistiger Leere und Aufgeilung an sprachlicher Verquastheit, wird den Gedanken der Erziehung an den Schulen sekundenschnell umbringen. Übrig bleiben wird am Ende eine Erkenntnis. Es wird nur keinen mehr geben, der fähig sein wird zu erkennen, dass sie eine ist. Also wird man beschließen, eine neue Schule zu …
Halt! Dies ist doch nur ein Albtraum.
Hoffentlich!

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